| Der agnostische Saal
ist ein ehrgeiziges Anthologieprojekt, das neue Texte hauptsächlich deutscher, aber auch
internationaler Phantastik-Autoren präsentiert. Der erste Band ist qualitativ
durchwachsen und beinhaltet ebenso Fan-Stories wie Meisterwerke des Phantastischen. Kim
Newmans »Ein Geben, ein Nehmen« erinnert erzählerisch an den Roman Das Quorum
desselben Autors. Das Böse wird hier jedoch durch ein Bürogebäude verkörpert, und
Newman schreibt so, daß man ihm jedes Wort abkauft. »Das pnakotische Buch« von Marco
Frenschkowski ist zwar bei weitem nicht so spannend, offenbart aber, daß der Autor ein
ebenso bibliophil Besessener wie sein Protagonist sein muß. Ian McDonalds »Blue Motel«
könnte die Vorlage für ein mehr als finsteres Road Movie sein; eine sehr blutige
Geschichte. Höhepunkte sind jedoch die Erzählungen der beiden Herausgeber. Marrak
erzählt in »Das Concaliom« von einer Irrenanstalt, in der deformierte Menschen
dahinvegetieren. Und Sembtens »Der Hautobiograph vom Grosvenor Square« ist so
blutrünstig und barock, daß Marquis de Sade seine wahre Freude gehabt hätte und das
Hamburger S/M-Magazin »Schlagzeilen« sich nicht getraute, den Text abzudrucken. (Das
Kürzel S/M steht hier nicht für Sembten/Marrak.)
Hardy
Kettlitz ALIEN CONTACT
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