Grundlage
für diese Anthologie, der noch ein zweiter Band folgen soll, waren die »e-Tales of
Terror«, eine Online-Anthologie mit 15 Texten auf der Homepage des Festa Verlags. Malte
Sembten, der bereits durch mehrere Erzählungsbände und die gemeinsam mit Michael Marrak
herausgegebene Anthologiereihe Der Agnostische Saal
Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat, sammelte nun weitere Geschichten zum Thema Internet.Der
Umschlagtext bringt den Inhalt des Buches auf den Punkt. Es geht um »verteufelte JPEGs,
höllische Websites, herzlose Internetdienste, kesse Cybervampire, mörderische Chatrooms,
rufmordende Browser, verhängnisvolle Internet-Auktionen, Online-Geisterjagd in Echtzeit«
und vieles mehr. Die literarische Bandbreite der 19 hauptsächlich sehr kurzen Geschichten
des Bandes reicht von der pointierten Miniatur bis zur Kriminalstory. Man könnte bei der
Wahl des Themas vermuten, dass es sich um eine Cyberpunk-Anthologie handelt, doch nur zwei
Geschichten lehnen sich an die Tradition des Cyberpunk an, die restlichen sind eher auf
traditionelle Weise erzählt, wobei die meisten Autoren einen eigenen Stil aufweisen. Andreas Gruber
(»Bruderherz«), Arthur Gordon Wolf (»Routenplaner«) und Claudia Platz (»Escape«)
haben jeweils ein sehr realistisches Sujet gewählt und überraschen mit bösartigen
Pointen. Andere hingegen spielen mit dem Reiz des Gegensatzes zwischen der recht
technischen und vermeintlich logischen Welt der Computer und des Internets und der
Irrationalität phantastischer Ideen, zum Beispiel Bertram Lange (»lucy@midnight.net«),
Rüdiger Silber (»Dante's View«) und Uwe Vöhl (»Silbersurfer«). An herkömmlichen
Geistergeschichten, die durch das Internet-Thema lediglich aufgepeppt wurden, gibt es zum
Glück nur eine (Markus K. Korb: »Nekrophobie«). Ein besonderer Tipp zum Reinschnuppern
ist die köstlich absurde Kurzgeschichte »Verteufeltes JPEG« von Thomas Backus.
Außerdem sind im Buch Texte von Boris
Koch, Malte S. Sembten, Thorsten
Küper und einigen weniger bekannten Autoren zu finden.
Fazit: Unter den 19 Texten gibt es nicht einmal eine Hand voll, die in Idee oder
Umsetzung schwächeln. Aber auch wegen des neuen und originellen Themas für eine
Phantastik-Anthologie ist dieses Buch nicht nur Phantastik-Freunden sehr zu empfehlen.
Hardy
Kettlitz ALIEN CONTACT
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