ALIEN CONTACT
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Nadja Sennewald

RunRabbitRun

Originalausgabe • 2004

Science Fiction > Alien Contact
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Im Berlin der nahen Zukunft nietet die Kurierfahrerin Kookie mit ihrem Rad einen offenbar recht verwirrten jungen Mann um. Kaum hat er sich aufgerappelt, erklärt er, er habe seinen Namen vergessen und könne auf keinen Fall ins Krankenhaus. Notgedrungen nimmt Kookie den Angeschlagenen mit zu sich nach Hause, wo ihre Mitbewohnerin h.b. schnell erkennt, was es mit ihm auf sich hat: Es handelt sich um den »Hasen«, den Kandidaten einer Internet-Spielshow, bei der es um satte 10 Millionen Euro geht. Um die zu gewinnen, muss der Hase sich lediglich ein paar Tage erfolgreich vor den Legionen von Hobbyjägern verbergen und dabei ein paar Rätsel lösen. Kookie und h.b. beschließen, dem Hasen zu helfen - Kookie kann ihren potenziellen Anteil am Gewinn mehr als gebrauchen, und die Hackerin h.b. wittert eine Gelegenheit, den Machern der Show eins auszuwischen. Das ganze wäre schon schwer genug, wenn die dafür nötige Datenmanipulation nicht ein Kapitaldelikt wäre ...

Nadja Sennewalds zweiter Roman bewegt sich sicheren Schritts an der Grenze zwischen Social Science Fiction und Berliner Szene-Roman. Mit sichtlichem Spaß an der Sache zelebriert die Autorin das Zusammentreffen des wohlanständigen Hasen mit den Datenpiraten und Bootsbesetzern aus Kookies Bekanntenkreis. Die Stärke des Romans liegt in der Charakterisierung dieser rundum mackenbehafteten Sympathieträger - allen voran die Heldin Kookie, die als Einzige aus der Ich-Perspektive erzählen darf und sich in ihrem ganz privaten Slang über Bullen, verräterische Freunde, nervige Wohlstandkinder oder auch leckere junge Männer auslässt. Derweil klappert sie auf ihrem Rad »Black Beauty« im Höchsttempo ein Berlin ab, das sich in kleinen, aber oft vielsagenden Details vom heutigen unterscheidet. RunRabbitRun ist bei allem Sprachwitz jedoch keine leichtherzige Komödie - der Roman mutet seinen Hauptfiguren die Härten zu, die sich aus der Geschichte ergeben. »Datenterroristen« wie die subversive »Information-wants-to-be-free«-Kämpferin h.b. führen kein leichtes Leben. Die Autorin schreibt gesellschaftliche Entwicklungslinien Richtung Privatisierung des öffentlichen Raums und Überwachungsgesellschaft logisch fort. In der Zukunft des Romans ist selbst die Verbreitung eigenen geistigen Eigentums ohne die Erhebung einer Copyright-Gebühr ein Verbrechen - eine Gesetzeslage, die manchen Forderungen der hysterisierten Unterhaltungsindustrie gar nicht so fern liegt.

Für Leser »reinerer« Science-Fiction-Kost ist RunRabbitRun ein lohnender Blick über den Tellerrand - insbesondere, wenn sie in Berlin leben und die Schauplätze der Geschichte aus erster Hand kennen. Die neuen Technologien und gesellschaftlichen Entwicklungen, um die es geht, sind in jedem Fall sehr nah an der Gegenwart - näher, als man es sich wünschen kann.

• Jakob Schmidt • ALIEN CONTACT

Originalausgabe
Nadja Sennewald, RunRabbitRun
(München: Piper, 2004) [Piper Original 7075] Bestellen
260 Seiten
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