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Charles Sheffield

Schwarz wie der Tag

Dark as Day • 2002

Science Fiction > Alien Contact
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Mit Schwarz wie der Tag liegt ein weiterer Roman des Cold as Ice – Zyklus vor, dessen deutsche Ausgabe 2004 mit Kalt wie Eis begann. Die Kenntnis dieses ersten Bandes ist für das Verständnis von Schwarz wie der Tag nicht unbedingt notwendig, wenngleich eine Reihe bereits dort eingeführter Personen erneut auftauchen. Vor dem Leser läuft eine zeitlich eng begrenzte Handlung ab, die es ihm aber ermöglicht, sich ein umfassendes Bild vom Entwicklungsstand der Menschheit im Sonnensystem des Jahres 2097, genau 30 Jahre nach dem Großen Krieg, zu machen.

Gerade wurde das SAIN in Betrieb genommen, ein gigantisches systemumspannendes Computernetzwerk, das ungeahnte Möglichkeiten für Rechenleistung und Datentransfer wie auch Zugriff auf alle Datenbanken des Sonnensystems bietet. Mit Hilfe des SAIN erschlossene Quellen und Rechenergebnisse ziehen sich durch den gesamten Roman, alle beteiligten Protagonisten bedienen sich seiner, und obwohl der Leser seine Funktionsweise schließlich selbst zu kennen glaubt, ist es zum Finale für originelle Überraschungen gut.

Die Haupthandlung ist jedoch wie bereits bei Kalt wie Eis hochkarätige Hardcore-SF, die keine Wünsche offen lässt. Erneut begegnet der Leser dem einsiedlerischen Rustum Battachariya, kurz Bat, der sich auf dem Saturnmond Pandora niedergelassen hat, Relikte des großen Krieges sammelt und als Meister des Puzzle-Netzwerks glänzt. Ausgerechnet sein abgelegener Saturnmond rückt ins Interessenfeld mächtiger industrieller Kreise, und Bat muss eine für ihn schwerwiegende Entscheidung treffen.

Nach den nur spärlichen Andeutungen Sheffields über das Puzzle-Netzwerk in Kalt wie Eis erfährt der Leser von Schwarz wie der Tag endlich mehr über dieses. Bat hat vage Hinweise auf eine ultimative Waffe aus dem Großen Krieg mit der Bezeichnung »Schwarz wie der Tag« erhalten und versucht, diese für seine Sammlung aufzuspüren.

Andere aufregende Ereignisse des Jahres 2097, die schlussendlich alle in Beziehung zueinander stehen, sind die Entdeckung und beginnende Interpretation eines wahrscheinlich von außerirdischen Intelligenzen abgesandten Signals durch das SETI-Projekt »Argus«, die Feststellung zunächst unerklärlicher körperlicher Besonderheiten einer frisch angeworbenen und in Richtung Ganymed reisenden Arbeitskraft sowie die ersten Ergebnisse des endlich mit ausreichender Rechenkapazität laufenden Prognosemodells zur langfristigen Entwicklung der Menschheit. Dieses von Alex Ligon entwickelte Modell prognostiziert das in wenigen Jahrzehnten beginnende Aussterben der Menschheit.

Äußerst interessant sind die durch den promovierten Physiker Charles Sheffield beschriebenen künftigen Technologien wie die Gewinnung bestimmter Isotope durch »Von Neumanns« in den Atmosphären von Jupiter und Saturn, die Förderung aus irdischen Gashydratlagerstätten, die Anwendung von Nanotechnologie in der Medizin oder der durch die Kommensale betriebene Versuch der Bewahrung fast ewiger Jugend.

Alle Handlungsstränge des Romans sind gleichermaßen spannend, und eine zu Beginn des Buches eingefügte Liste der Hauptpersonen sorgt dafür, dass man den Überblick nicht verliert, falls man unglücklicherweise gezwungen sein sollte, das Buch einmal für längere Zeit aus der Hand zu legen. Freiwillig wird der Leser dies aber bestimmt nicht tun. Sowohl handelnde Personen als auch der Background der von Charles Sheffield beschriebenen Welt sind überzeugend und glaubhaft dargestellt. Die wissenschaftlichen Details wirken nicht aufgesetzt, sondern fügen sich organisch ein. Allerdings setzt Sheffield, wie auch in seinen anderen Werken, beim Leser einen gewissen naturwissenschaftlichen Kenntnisstand voraus. Etwas befremdlich wirken die in fast gleichbleibendem Rhythmus auftauchenden zahlreichen Druckfehler, die aber wohl kein verschlüsseltes SETI-Signal darstellen dürften. Insgesamt ist Schwarz wie der Tag uneingeschränkt empfehlenswert.

• Thomas Höding

Originalausgabe
Charles Sheffield, Dark as Day (2002)
Deutsche Erstausgabe
Charles Sheffield, Schwarz wie der Tag (Bergisch Gladbach: Bastei Lübbe, 2005) [BLSF 24338] Bestellen
Deutsch von Ulf Ritgen, Titelbild von Michael Whelan, TB, 608 Seiten
Leser-Service
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