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»Vertrauen
ist gut. Kontrolle ist besser.« Leise ertönt ein sanftes Klicken, mit dem sich die sonst
luftdicht verschlossene Tür ins zwielichte Grau der Paranoia öffnet. Ab jetzt geht alles
wie von allein. Geheimnisse, Verschlüsselung: Kryptografie. Im Zentrum der
Amateur-Sicherheits-Wahnvorstellungen steht das neuste Buch eines Autors, der bisher
hauptsächlich in Science-Fiction-Kreisen
bekannt war: Neal Stephenson. Visionär ist das Buch mit dem bibelgleichen Titel Cryptonomicon
ohne Zweifel: Science Fiction ist es allerdings nicht. Oder?Stephenson hat auf der durch seinen zweiten Roman Snow Crash mitplanierten Cyberkultur-Datenautobahn eine temporale Vollbremsung vollzogen und den Blick ganz weit nach vorne gerichtet zum Anfang, auf Zahlen. Kryptografie ist Mathematik. Computer sind Rechenmaschinen. Das passt prima! So wurden in der Zone zwischen Spionage und Bombenangriffen des Zweiten Weltkriegs die ersten automatischen Rechner entwickelt, die feindliche Kryptografie entschlüsseln sollten. Heute ist Kryptografie selbst eine Waffe. Im digitalen Krieg um Information ist Wissen in den falschen Händen nicht so blutig, aber von seiner Auswirkung her ebenso verheerend wie konventioneller Krieg. Mit Cryptonomicon hat Neal Stephenson ein feines Netz aus den Fäden der Kryptogafieschlacht des zweiten Weltkrieges in die Gegenwart gesponnen. Computer, Datensicherheit und die Bedeutung von Informationen der modernen digitalen Welt sind darin nur eine weitere Metapher für die Materialschlacht der U-Bootkriege. Gekonnt lässt Stephenson die Handlung vom »Damals« ins »Heute« springen, verknüpft die Schicksale der Kinder der Weltkriegskryptografen mit den Vätern und erschafft eine Welt, die sich so zugetragen haben könnte und jederzeit so zutragen kann. Das ist keine Science Fiction das ist Science Fiction pur. Seine bisherige Fangemeinde aus Perspektiven suchenden Propheten, trendgierigen Technikern und ganz normalen Bürgern dürften die neue Orientierung des Autors freudig nachvollziehen, so sie nicht bei der doch recht abrupten Wendung seiner Thematik aus der Kurve gefallen sind. Mit Cryptonomicon hat Neal Stephenson die Science-Fiction-Gemeinde in Richtung »anspruchsvolle Literatur« verlassen. Oder er hat sie dorthin mitgenommen wie mans nimmt. Wolfgang Treß ALIEN CONTACT
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