Schemen
sind der Schrecken der Inselvölker. Auch die Bewohner von Wolkenriff fürchten sie so
sehr wie das Meer und den Nebel. Der Schützling der Gewährsfrau, die junge Quell, gilt
als Träumerin. Als sie am Strand auf seltsamen Nebel stößt, merkt sie zu spät, dass
sie einem dieser Schemen gegenübersteht. Doch sich mit den Gestalten des Nebels
einzulassen bedeutet, womöglich nie mehr in die wirkliche Welt zurückkehren zu können.
Als unfreiwilliger Zwilling in einer neuen Geschichte gefangen, teilt Quell nun ihren
Geist, ihre Seele und ihre Leben mit einem anderen Wesen. Allein kann sie den Knoten nicht
lösen, doch am Ende wird nur eine von beiden überleben.Vorerst jedoch tritt Quells
persönlicher Kampf mit dem Nebel in den Hintergrund. Vom Festland zieht ein Krieg übers
Meer und die Inseln. Um dem Feind zuvorzukommen, eilen Quell und ihre engsten Freunde der
Hauptstadt Delta entgegen. Als sie den Ort erreichen, scheint bereits alles zu spät zu
sein. Doch auch der Knoten dieser Geschichte ist noch nicht bewältigt. Immer weiter zieht
er die Freunde in seine Windungen, bis in die unheimliche Welt der Waldländer. Dort soll
endlich das Ziel ihrer Reise sein.
Sean Stewart schafft es vom ersten Moment an, den Leser mit seiner Erzählkunst zu
fesseln. Wie ein Schiff steuert er seine Geschichte an schroffen Felsen vorbei, durch
tosende Stürme in ruhige Gewässer. So lebt die Story genauso von abenteuerlichen Szenen
wie von ruhigeren Passagen.
Stewart arbeitet mit faszinierenden Bildern, die dem Leser das Geschehen greifbar vor
Augen führen. Es gibt keine Stolpersteine, die den Fluss der Erzählung aufhalten. Dem
Leser wird das Gefühl vermittelt, direkt am Geschehen teilzuhaben. Die Figuren wachsen
mit ihren Erlebnissen und werden so zu eigenen Persönlichkeiten. Dadurch und durch die
Lebhaftigkeit der Dialoge entsteht der Eindruck, die Protagonisten wären gute Bekannte.
Jacqueline Hagen |
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