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Jeffrey Thomas

Punktown

Punktown • 2000

Science Fiction > Alien Contact
Buch-Tips
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Als erster Band der neuen, edel gestalteten Reihe Nevermore des immer wieder für Überraschungen guten Festa Verlages liegt eine Storysammlung vor, der ein Ruf als Kultbuch vorauseilt: Einzelne Storys wurden in amerikanischen Best-of-the-Year-Anthologien nachgedruckt, die Kritiken fielen ebenso wie das Lob verschiedener Autorenkollegen enthusiastisch aus - nicht ganz zu unrecht, sind in Punktown doch einige wahre Kleinode der phantastischen Erzählkunst versammelt!

Allerdings darf man sich nicht täuschen lassen, denn im Grunde handelt es sich nicht um Horror-Storys im klassischen Sinn, sondern eher um Momentaufnahmen aus der irdischen Enklave Paxton auf dem fernen Planeten Oasis, die nicht grundlos von den irdischen und außerirdischen Bewohnern meist als Punktown bezeichnet wird. Immerhin handelt es sich um eine chaotische Megalopolis, die teilweise an reale Stadtmoloche wie Hongkong und Los Angeles erinnert, immer wieder jedoch zu einem Ort bizarrer Fremdartigkeit wird.

Das wirklich Außergewöhnliche an dem Buch ist jedoch die Einfühlsamkeit, mit der Thomas ganz normale, teilweise am Rand der Gesellschaft existierende Menschen und andere Wesen - wie etwa Klone und Mutanten - beschreibt, mit denen sich der Leser zum Teil rasch identifizieren kann. Dies ist äußerst erstaunlich, treffen hier doch völlig verschiedene Welten aufeinander und ergeben eine stimmige Einheit.

Oftmals passiert gar nicht einmal allzu viel, wie beispielsweise in der Geschichte »Zeit der Häutung«, in der eine Frau mit der Vergangenheit hadert. Sie hat sich von einem Arzt die Erinnerungen an die schlechten Seiten ihres früheren Lebens entfernen lassen und spürt nun überdeutlich, dass ihr gerade deswegen etwas Entscheidendes fehlt. Im Gegensatz dazu muss der Held in »Der Palast der Leere« feststellen, welch verheerende Auswirkung die Erinnerung an einen geliebten Menschen haben kann.

In einigen anderen Storys wird das Grauen fassbarer, wie beispielsweise in »Der Tanz des Ugghiutu«, eine modernen Varianten des Lovecraftschen Cthulhu-Mythos. Auch hier erweist sich Jeffrey Thomas als Meister der subtilen Untertöne - der Horror besteht bei ihm nicht aus Mord und Totschlag (obwohl auch die nicht fehlen), sondern aus menschlichen Gefühlsverirrungen, die weit mehr im Leser auslösen als nur eine angenehme Gänsehaut.

Etwas störend wirkt allerdings dann und wann ein übertriebener Pathos bzw. eine Überdosis arg naiver Moral, wie in der politisch angehauchten Story »Opferung«. Ebenfalls eher mäßig ist die Geschichte »Alles aus Liebe«; die hier dargestellten - ach so armen - Künstler wirken eher unsympathisch, und ihr »Gesamtkunstwerk« erscheint eigentlich ziemlich lächerlich.

Jeffrey Thomas wurde schon mit Ray Bradbury verglichen, was sicher nicht falsch ist, aber er sticht auch als originärer Erzähler aus der Masse der Phantastik-Autoren heraus. Science Fiction und Horror vermischen sich in Punktown auf sehr interessante Weise und bilden eine faszinierende Bühne für die versammelten Erzählungen.

Hinzu kommt die wirklich schöne Gestaltung des auf 333 Exemplare limitierten Buches. Auch wenn mir persönlich die extra für die deutsche Ausgabe vom Autor angefertigten Illustrationen nicht sonderlich zusagen, verleihen die Graphiken HR Gigers Punktown ein ganz besonderes, düsteres Flair. Ein Vorwort von Michael Marshall Smith (ein Autor, den es bei uns ebenfalls noch zu entdecken gilt) und ein Nachwort von Dirk Berger rahmen die Storys in gelungener Weise ein.

Christian HoffmannALIEN CONTACT

Originalausgabe
Jeffrey Thomas, Punktown
Dt. Erstausgabe
Jeffrey Thomas, Punktown
(Leipzig: Festa Verlag, 2003) [6601] Bestellen
dt. von Andreas Diesel, Vorwort von Michael Marshall Smith, Nachwort von Dirk Berger, Titelbild von HR Giger, 240 Seiten, HC
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