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| Tom Ryan ist auf dem Rückweg
von einem Übersetzerkongreß, als er auf der britischen Autobahn M5 in der Nähe von
Towcester einen Mann in römischer Legionärsuniform aufliest. Ist der Mann aus einer
Nervenheilanstalt geflüchtet? Ist er einer der Teilnehmer des demnächst stattfindenden
historischen Römer-Spektakels? Es sieht nicht so aus, da der Mann, der sich als Marcus
Appius Silvanus vorstellt, wirklich nur Latein und kein Wort Englisch spricht. Außerdem
sind sein Schwert sowie andere Gegenstände nagelneu, so daß er sie kaum aus einem Museum
gestohlen haben kann. Langsam fügt sich das Bild zusammen: Marcus wurde aus dem Jahr 50,
als er gegen die Krieger der Britannierkönigin Boudicca kämpfte, durch einen Blitz in
die Zukunft geschleudert. Und er kennt er die Wahrheit über einen gekreuzigten
Sektenführer aus Judäa ... Zur gleichen Zeit meldet sich ein alter Bekannter von Toms Schwester Mary zurück, weil er angeblich neue Fakten über den Absturz der Aer-Lingus-Maschine hat, bei der die Eltern der Ryans ums Leben kamen. Plötzlich sind sie von Journalisten, IRA-Leuten und Agenten verschiedenster Geheimdienste umlagert, die sich buchstäblich gegenseitig auf die Füße treten. Hinter allem steht die Frage, was es mit dem »Orakel« auf sich hat, das Marcus einst eine ungewöhnliche Zukunft prophezeite, während »Orakel« auch die Bezeichnung eines Projekts des britischen Geheimdienstes ist. Tom, Mary und Marcus flüchten vor der Meute nach Belgien, wo es im Brüsseler Atomium zum großen Showdown kommt. Ian Watson hat sich mit Werken wie Die Gärten des Meisters oder der Mana-Trilogie einen Namen als intellektuell brillanter Science-Fiction-Autor mit skurrilen Ideen gemacht. Mit Orakel beweist er nun, daß er auch einen ganz gewöhnlichen, interessant erzählten Gegenwartsroman schreiben kann - der mit historischen und phantastischen Elementen durchmischt ist. Gelegentlich ist ein Hauch von Tom Sharpe zu spüren, wenn die politischen Verwicklungen immer abstruser werden. Allerdings droht die Gefahr, daß all jene Leser irgendwann den Überblick verlieren, die keine ausgesprochenen Kenner des Nordirland-Konflikts sind. Auch wenn die Spannung im Verlauf der Geschichte etwas abflaut und die große Offenbarung am Ende fehlt, hat Watson eine originelle Grundidee ausgearbeitet, wenn er das Mittel der Zeitreise dazu einsetzt, auf die verblüffenden Parallelen zwischen der Europa-Politik des Römischen Imperiums und der EU hinzuweisen. |
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