Der Titel des Buches täuscht nicht: Es handelt sich bei Das
Bronze-Bataillon um typische military science fiction (MSF). Prinz Roger Ramius
Sergei Chiang McClintock, Nr. 3 in der Thronfolge des Kaiserreiches der Menschheit,
verschlägt es infolge eines Sabotageaktes auf sein Raumschiff auf den Planeten Marduk.
Glücklicherweise landet er nicht allein dort, sondern seine Leibwache, eine Kompanie des
Bronze-Bataillons unter Captain Pahner und Sergeant Major Eva Kosutic ist auch dabei,
ferner die Stabschefin des Prinzen Eleonora OCasey, sogar sein Kammerdiener
Matsugae, der einen Stapel frische Uniformen für den Prinzen über den halben Planeten
schleppt.
Marduk gehört gemäß Datenspeicher des Kaiserlichen Imperiums zwar
nominell zu dessen Einflussbereich, wird aber von »feindseligen und primitiven
Eingeborenen bewohnt und besitzt eine bösartige Fauna«. Darüber hinaus sind die
»Saints« in seiner Nähe beobachtet worden.
Das Buch beginnt mit einer zünftigen Raumschlacht, auf Marduk kämpft
sich die Truppe der Marines durch Salzwüste, Dschungel und Sumpf, macht die Bekanntschaft
der frühzivilisatorischen Sippe der XIntai, besucht den feudalen Stadtstaat
QNkok. Das Ziel der Menschengruppe ist der Raumhafen auf der anderen Seite des
Planeten, der einzige Ort auf Marduk, wo sie sich in den Besitz eines Raumschiffes setzen
können, um Prinz Roger wieder heil zu Hause abzuliefern.
Prinz Roger wird zunächst als arroganter und dummer Taugenichts
beschrieben, als das schwarze Schaf der kaiserlichen Familie eben. Nach erfolgreicher
Landung auf Marduk aber gewinnt er durch eine mehr zufällige Aktion sogleich die ewige
Dankbarkeit eines Eingeborenen.
Der Weg zum Raumhafen von Marduk ist lang und voller Gefahren, so lang,
dass der vorliegende Band Das Bronze-Bataillon für die Wegbeschreibung nicht
ausreicht. Dramatischer Höhepunkt des Romans ist die anschaulich geschilderte Schlacht
mit den kriegerischen Kranolta, die zur Wiedererstehung des einst vernichteten technisch
und gesellschaftlich fortschrittlichen Stadtstaates Voitan führt. Weitere Schwierigkeiten
auf dem Weg zum Raumhafen erwachsen aus den Plänen des machtgierigen Königs Radj Hoomas
von Marshad und dessen Nachfolger. Gerade die Schilderung dieser gesellschaftlichen
Konstrukte der Mardukaner kommt recht oberflächlich daher, eine Erscheinung, die in
ähnlicher Form bei vielen MSF-Werken zu beobachten ist.Das Buch bedient eine Menge
Klischees, was ein MSF-Roman an Handlungen so zu enthalten hat, gewinnt in seinem Verlauf
jedoch zunehmend an Spannung.
Der Leser bekommt während der Lektüre Grundzüge des innenpolitischen
Zustandes des Kaiserreiches der Menschheit vermittelt, das derzeit von Prinz Rogers
Mutter, Kaiserin Alexandra VII., regiert wird. Im Reich scheinen die realen
Machtverhältnisse nicht so eindeutig zu sein, wie sie noch zu Beginn des Buches
dargestellt werden. Auch über die Saints, den Schilderungen nach Angehörige eines
interplanetaren Reiches der Menschen mit einer militant öko-maoistischen Diktatur,
offensichtlich Hauptfeinde des Kaiserreiches, sind an mehreren Stellen des Romans
wohldosierte Informationen eingestreut.
Prinz Roger gewinnt mit dem Fortschreiten der Handlung zusehends an
Reife, seine Stabschefin OCasey klärt den Leser an passender Stelle auf, dass Prinz
Roger nicht allein Schuld an dem schlechten Ruf ist, der ihm vorauseilt, und zwischen dem
Prinzen und der attraktiven weiblichen Marine Sergeant Despreaux scheint sich auch etwas
anzubahnen. All das sind Appetithäppchen, die den Leser auf den nächsten Band des
Abenteuers vorbereiten sollen. Und wirklich ist dieser unter dem Titel Die
Marduk-Mission bereits angekündigt. Wer Das Bronze-Bataillon ausgelesen
hat, wird ungeduldig auf die Fortsetzung warten.
Thomas Höding |

 |