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| Der britische Autor H. G.
Wells befaßte sich zweimal mit dem Thema Prähistorik, zunächst in der Erzählung »A Story of the Stone Age«
(1897) und schließlich mit »The Grisly Folk« (1921). Dieser Text, der bei der
Erstveröffentlichung im Storyteller Magazine noch die Erweiterung »and Their
War with Men« im Titel hatte, behandelt die Ausrottung des Neandertalers auf geradezu
paradigmatische Weise. Das Besondere daran ist, daß »The Grisly Folk« eine eigenartige
Mischung aus wissenschaftlichem Essay und Erzählung darstellt. Die Einleitung liest sich
wie ein populärwissenschaftlicher Artikel, in dem Vermutungen über die Natur des
Neandertalers vorgestellt werden, was sich bereits an der häufigen Verwendung von
Wörtern wie »perhaps«, »likely« und »probably« erkennen läßt, die in einem
erzählenden Text eigentlich nichts zu suchen haben. Auch bei der Schilderung der Ankunft
unserer Vorfahren in Europa appelliert Wells an die Vorstellungskraft des Lesers: »We can
imagine the appearance of a little group of these wanderers, our ancestors, coming over
some grassy crest into these northern lands. The time would be late spring or early
summer, and they would probably be following up some grazing beasts, a reindeer herd or
horses.« Doch dann geht der Text mit dem Wechsel vom Konditional zum Indikativ plötzlich zum narrativen Ton über und verwendet sogar den Dialog, auch wenn die Äußerungen kaum über die Komplexität eines »Ugh!« hinausgehen. Dann wird die erste Begegnung zwischen Cro-Magnons und Neandertalern geschildet, wobei Wells wieder in einen spekulativen Ton verfällt, als er einen Kindsraub als mögliche Ursache für den folgenden Krieg annimmt. »The legends of ogres and man-eating giants that haunt the childhood of the world may descend to us from those ancient days of fear. And for the Neandertalers it was the beginning of an incessant war that could end only in extermination.« Der Grund für die Unvermeidlichkeit des Krieges und der Niederlage der Neandertaler liegt in deren niederer Intelligenz und der Fähigkeit der Menschen, sich in Jagdgruppen zu organisieren. Der Konflikt sei dadurch unausweichlich, weil beide Arten dieselbe ökologische Nische besetzen und die Menschen sie aus Sicherheitsgründen sofort ausrotten. Denn: »The Neandertalers thought the little children of men fair game and pleasant eating.« Interessant ist seine Betonung der Rolle der Frau im Prozeß der Zivilisation als Gegengewicht zu den rauhen Sitten der Männer. Am Schluß resümiert Wells, daß dieser prähistorische Krieg zwar vergessen wurde, aber »nothing is ever completely lost.« Es heißt: »This restauration of the past is one of the most astonishing adventures of the human mind.« Das Verdienst dafür gebührt nicht nur der Paläontologie, sondern - wie an der Strategie des Textes deutlich wird - auch der Psychologie. Mit der Entdeckung der »hidden memories« spielt er unmißverständlich auf die Arbeit von Freud und Jung an. Beschlossen wird der Text mit einer optimistischen Vision zukünftiger Ergebnisse dieser Forschungen: »A day may come when these recovered memories may grow as vivid as if we in our own persons had been there and shared the thrill and the fear of those primordial days.« Insgesamt weist dieser Text sehr starke Anklänge an Wells' Geschichtswerk A Short History of the World (1922) auf, von dem es im Vorwort bezeichnenderweise heißt, dieses Buch »is meant to be read straightforwardly almost as a novel is read.« Im zehnten Kapitel, »The Neanderthaler and the Rhodesian Man«, erzählt Wells im Prinzip dieselbe Geschichte wie in »The Grisly Folk«, obwohl er sich hier etwas vorsichtiger ausdrückt: »We cannot guess what this Neanderthal man looked like. He may have been very hairy and very inhuman-looking indeed. It is even doubtful if he went erect.« Als es um die Ankunft unserer Vorfahren in Europa geht, heißt es: »they probably made war upon their grisly predecessors and killed them off«. |
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