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| Mit Himmlisches Feuer setzt Hadmar von Wieser nun den von Bernhard
Hennen mit Der Wahrträumer begonnenen Romanzyklus um die Gezeitenwelt
fort. Anders als in vielen anderen Fantasy-Zyklen
schildern die insgesamt vier Autoren nicht den Kampf des Guten gegen das Böse, sondern
die Veränderung, die ein schwerer Meteoriteneinschlag auf einer archaischen Welt mit sich
bringt. Vor dem Hintergrund der Naturkatastrophen und der daraus resultierenden
Wetterveränderungen zeigt sich einmal mehr, dass der Mensch doch der größte Feind des
Menschen ist - auch ohne mächtige Magie, Engel und Dämonen. Hadmar von Wieser entführt uns in das exotische Reich Serkan Katau, das auch das Reich der Tugend genannt wird. Mächtige Kriegsherren und Hohepriester herrschen unter dem Oberbefehl des Herrn der »Unwandelbaren Ordnung« und im Namen der Blauen Götter über ein streng in Kasten aufgeteiltes Volk. Serkan Katau erstreckt sich über ein Kernreich mit zahlreichen eroberten Provinzen, Kultur und Wissenschaft sind überall hoch entwickelt. - Auch im Reich der Tugend beobachten die Gelehrten schon seit einer ganzen Weile den schweifenden Stern, der sich der Welt nähert, und nicht wenige machen sich Gedanken darüber, wie sie dieses Zeichen des Schicksals für sich nutzen können, während das einfache Volk kaum etwas von der Katastrophe ahnt, die auf es zukommt. Die herrschende Kaste aus Priestern und Kriegerfürsten will den Zeitpunkt nutzen, um die von den Blauen Göttern geschaffene Ordnung zu stürzen. Ein mächtiges Heer versammelt sich, um den »Unvollendeten Palast« im Norden zu zerstören, in dem der Sage nach die Blauen Götter leben. Die »Götterfresser«, wie die eigens für diesen Zweck geschulten Krieger genannt werden, zerstören viele der Götter, doch einer von ihnen flieht. Sein Begleiter und Führer durch die ihm fremde Welt wird der Abenteurer und Weltreisende Strolch, der seine abgeschlagene Hand findet. Der Fremdländer ist im Reich der Tugend zum heruntergekommenen Sklaven und Bettler geworden, der mit seinem Leben bereits abgeschlossen hatte. Der blauhäutige Riese gibt ihm jedoch neuen Lebensmut. Gemeinsam mit Fünfarm, wie sich der Gott nun nennt, flieht Strolch aus Serkan Katau, nicht ahnend, dass ihnen die Götterfresser immer noch auf den Fersen sind. Während sie bei den wenigen letzten Verehrern der Blauen Götter Zuflucht finden, stürzt der Meteorit ins Meer und verursacht welterschütternde Katastrophen. Doch trotz aller Unbilden der Natur geht die Flucht weiter. Strolch und Fünfarm können sich bei einer Schaustellertruppe verstecken und gelangen so im Schutz von Maskenspiel und Gaukelei in die Lande, die bereits von der Kirche des Abwesenden Gottes beherrscht werden. Aber auch hier sind sie nicht sicher, da die Ritter der Inquisition genauso begierig darauf sind, das abscheuliche Monster zu vernichten, genau wie die Götterfresser aus dem Reich der Tugend, die ihre Jagd immer noch nicht aufgegeben haben. Und in dieser Situation lernt Fünfarm zum ersten Mal, was Schmerz und Furcht ist und wie brüchig seine Macht als Gott doch sein kann ... Spielten die Abenteuer des Wahrträumers noch in einer vertrauten mediterranen Gegend, die historisch an die italienische und spanische Renaissance angelehnt war, so wagt Hadmar von Wieser sich an eine weniger vertraute Umgebung. Serkan Katau, das Reich der Tugend, erinnert hinsichtlich der Namen der Personen und Orte oder der zu Grunde liegenden Gesellschaftsform nicht von ungefähr an das mittelalterliche China, auch wenn es Unterschiede gibt. Trotzdem darf auch eine Fantasy-Version der großen Mauer und ein Äquivalent zu der Verbotenen Stadt nicht fehlen. Vor dem Leser entfaltet sich vor exotischer Kulisse eine interessante Handlung auf vielen Handlungsebenen, die sich genug Zeit nimmt, um die Auswirkungen der Katastrophe in verschiedenen Bereichen zu schildern. Allerdings ist zunächst nicht klar zu erkennen, worauf der Autor eigentlich hinaus will. Das wird vor allem durch die sehr kurzen und abgehackten Kapitel verstärkt, die anfangs eher wie Schlaglichter des Geschehens als wie ein zusammenhängendes Ganzes wirken. Indem er ständig die Handlungsebenen wechselt, fällt es dem Leser schwer, sich an die agierenden Personen zu gewöhnen und diese auch noch auseinander zu halten. Dadurch ergeben sich gerade in der ersten Hälfte des Romans Störungen im Lesefluss und Längen, die nicht hätten sein müssen. Gelungen hingegen ist die Einbindung einer Figur aus dem ersten Roman in die laufende Handlung, die des »iudicators« Francesco, der durch sein neues Amt mehrfach mit den Jägern des Blauen Gottes zu tun bekommt. Auch wenn Himmlisches Feuer seine Schwächen hat und von dem Leser einiges an Geduld abfordert, so ist das Konzept doch wieder sehr schön und spannend umgesetzt worden und macht Lust auf mehr. Gerade weil das von dem Autorenteam gewählte Thema in der Fantasy noch nicht oft ausgelotet wurde, bleibt der Zyklus weiter spannend. Wer etwas realistischere Fantasy mag, wird mit dem Zyklus um die Gezeitenwelt gut bedient. Christel Scheja ALIEN CONTACT |
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