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| Ausgehend von einem ziemlich abgedrehten Anfang entwickelt sich der Roman Darwinia
des bei uns noch unbekannten Amerikaners Robert Charles Wilson (nicht zu verwechseln
mit dem Illuminatus-Autor Robert Anton Wilson) zu einer wahren Tour de Force
durch die phantastische Literatur. Im Jahre 1912 nimmt der uns bekannte Lauf der Welt eine
äußerst bizarre Wendung: Der europäische Kontinent verschwindet buchstäblich über
Nacht und macht Platz für eine urtümliche neue Welt, den Kontinent Darwinia. Wilson schildert zunächst die politischen und gesellschaftlichen Auswirkungen dieses unerklärlichen Ereignisses. Darwinia wird schon bald zum Streitpunkt der Mächte: Die Überreste der europäischen Staaten, verstreute Partisanentrupps und die USA, die sich den neuen Kontinent unter den Nagel reißen wollen, liefern sich schon bald heftige Kämpfe. Bemerkenswert ist die ziemlich bittere, weil realistische Sichtweise der Dinge. Anstatt die Chance zu nutzen, Darwinia zu erforschen und gerecht aufzuteilen, wird erbarmungslose Kanonenbootpolitik betrieben. Hauptfigur des Romans ist der Fotograf Guilford Law, der sich einer amerikanischen Expedition anschließt, die Darwinia erkunden soll. Schon bald stellt sich jedoch heraus, dass hinter Darwinia mehr steckt, als die Expeditionsteilnehmer und auch die Leser vermuten. Spätestens als Guilford Law und die anderen Überlebenden der Expedition auf eine uralte, längst verlassene Stadt stoßen, mehren sich die Hinweise, dass da Mächte am Werk sind, die nicht nur äußerst fremdartig, sondern auch extrem bedrohlich sind. Langsam dämmert es Guilford, dass es neben seiner ihm vertrauten Realität noch eine andere gibt ... Liebevoll verweist Wilson anfangs immer wieder auf die Bücher von Edgar Rice Burroughs, der auch oft über fremdartige verlorene Welten schrieb. Doch von Burroughs kommt er bald zu einer wesentlich weiter reichenden Fiktion, der man die Einflüsse von Philip K. Dick, H. P. Lovecraft und Stephen King anmerkt. Existenzverlust, kosmischer Horror und handfestes Grauen ergeben eine sehr phantasievolle und gelungene Mischung. Der große Pluspunkt an Darwinia ist neben den weitgehend gelungenen Charakterzeichnungen die Fähigkeit Wilsons, verschiedene Handlungsstränge, die zunächst scheinbar nichts oder nur wenig miteinander zu tun haben, spannend weiterzuspinnen und schließlich geschickt zusammenlaufen zu lassen. Einziges Manko an dem Roman ist der pseudoreligiöse Kampf zwischen Gut und Böse, der heraufbeschworen wird und an allzu viele Horror- und Fantasyromane erinnert. Da Wilson aber auch hier eine bei aller Phantastik schlüssige Erklärung liefert, wird der Lesegenuß an Darwinia dadurch nur unmaßgeblich geschmälert. Christian Hoffmann ALIEN CONTACT
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