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| Mit Das Traumbeben ist nun der fünfte von ingesamt zwölf geplanten
Romanen um die Gezeitenwelt erschienen. Anders als in der Fantasy üblich, schildern die Autoren nicht den
Kampf des Guten gegen das Böse oder die Auswirkungen einer Prophezeiung, sondern die
durch einen Meteoriteneinschlag ausgelösten Naturkatastrophen und Wetterveränderungen in
den einzelnen Reichen und unter den Menschen und ihre Folgen. Magie oder fremde Kreaturen
spielen nur bedingt eine Rolle und sind eher Beiwerk als Hauptthema. Die Hauptpersonen,
ihre Umgebung und ihre Erlebnisse stehen im Vordergrund. Karl-Heinz Witzko beschäftigt sich mit den Auswirkungen der Naturkatastrophen in dem Land Ikarilla, das es besonders stark getroffen hat. Nicht nur ist der halbe Adel durch die Auswirkungen des Meteoriteneinschlages bei einem Fest im Schloss ums Leben gekommen, Flut- und Hitzewellen verheeren auch die Küsten und weite Teile des Binnenlandes. Ferner scheint das Chaos landesweit auszubrechen, zumal auch die allgegenwärtigen Leichen drohen, Seuchen und Krankheiten auszulösen. Das Recht des Stärkeren regiert, wo nicht die letzten Reste der Obrigkeit eingreifen, um die Ordnung aufrecht zu erhalten. Das muss auch der Ritter Seffenaiu erkennen, der seinen Herrn bei der Zerstörung des Königsschlosses verloren hat und nun einen neuen Herrn sucht, dem er dienen kann. Er findet ihn in dem sechsjährigen Grafen Ollimvekku, der allerdings selbst durch die Katastrophe völlig verstört ist. Der Kerkerwächter Mojeb hingegen hat nach einem ausgiebigen Saufgelage die Katastrophe mehr oder minder verschlafen und wundert sich nach seinem Erwachen über die Veränderungen. Als stolzer und aufrechter Jarmate zieht er jedoch nicht seines Weges, sondern erfüllt treu weiter seine Aufgabe. Er nimmt sich der Gefangenen an, die er hatte bewachen sollen, rettet ihnen zwar das Leben, aber lässt sie nicht laufen. So sind die vier Männer und eine Frau weiter an ihn gekettet, auch als er sie in eine Küstenstadt mitnimmt, in der die Überlebenschancen größer sind als auf dem Land. Dort jedoch wandelt sich sein Verhältnis zu den Gefangenen: Er beginnt, sie gegen die Willkür und Grausamkeit der Stadtwache zu verteidigen und hilft ihnen, wieder Fuß zu fassen. Nach und nach richten die sechs Schicksalsgefährten ihr Leben ein und werden zu einer verschworenen Gemeinschaft, denn noch immer regieren Grausamkeit, Willkür und religiöser Fanatismus die Straßen der Stadt. Und nicht zuletzt gehen Mörder um, schwarze Gestalten, die sinnlos und ohne Grund Menschen auf bestialische Art und Weise niedermetzeln ... Wer Karl Heinz Witzkos Romane aus der DSA-Reihe kennt, weiß, dass er eine Vorliebe für düsteren, zynischen Humor und skurrile Charaktere hegt. Wer sonst käme auf die Idee, immer wieder Kapitel einzufügen, die aus der Sicht eines Geiers geschrieben sind und sehr treffend den Wahnsinn widerspiegeln, der sich langsam, aber unaufhaltsam in Ikarilla ausbreitet? Karl Heinz Witzko konzentriert sich vor allem auf seine Hauptpersonen, den dickköpfigen und manchmal auch sehr engstirnigen Mojeb, der lange an seinen Prinzipien festhält und erst mit der Zeit die Veränderungen wahrnimmt, dann aber handelt; und den Ritter Seffenaiu, dem es schwer fällt, mit der neuen Ordnung zurecht zu kommen, und dem oft nicht wohl in der Haut ist, wenn er die Entwicklungen in seiner Umwelt bemerkt. Diese beiden und ihre Begleiter versuchen einfach nur zu überleben, was ihnen mehr schlecht als recht gelingt, vor allem, als die Bedrohung durch die schattenhaften Mörder größer wird. Der Roman fasziniert in erster Linie durch diese Schilderungen, auch wenn an Action und blutrünstigen Beschreibungen nicht gespart wird. Aber der Leser nimmt sie durch die Hauptpersonen wie durch einen Schleier wahr, ihm bleibt immer wieder ein Kloß im Hals zurück. Die Kultur, in der der Autor seine Geschichte spielen lässt, ist in diesem Band übrigens nicht so leicht einzuordnen wie bei den vorhergehenden, erinnert aber sehr stark an von Europäern kolonisierte Südseeinselkulturen aus dem fernöstlichen Raum. Wer leichte Unterhaltung erwartet, dürfte bei Das Traumbeben etwas enttäuscht werden. Der Roman fordert dem Leser große Aufmerksamkeit ab, und Karl-Heinz Witzkos schräger Humor dürfte sicherlich nicht jedem gefallen. Das Buch ist gelungener als seine beiden Vorgänger, aber auch hier wird schon die Kenntnis der ersten Romane verlangt, um Feinheiten wie die vorherrschende Religion des »Abwesenden Gottes« zu verstehen. Christel Scheja ALIEN CONTACT |
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