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Hugo • Science Fiction Achievment Award

<-- Das Jahr 1955 -->

von Hardy Kettlitz

Science Fiction > Preise > Hugo
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Nachdem 1954 auf dem WorldCon in San Francisco kein Preis vergeben wurde, sollte ab 1955 eine bis heute nicht unterbrochene Tradition beginnen. Der Preis, der noch nicht offiziell Hugo Gernsback Award, sondern zunächst The Second Annual Science Fiction Achievement Award hieß, wurde auf der 13. World Science Fiction Convention (Clevention) in Cleveland verliehen.
Novel
Mark Clifton and Frank Riley: They’d Rather Be Right
(4 Teile, August bis November 1954 in ASTOUNDING; dt. Computer der Unsterblichkeit, TTB 119)

Eine Gruppe von Wissenschaftlern arbeitet an einem Servomechanismus zur Verhütung von Flugzeugabstürzen, hat jedoch durch einen Zufall einen Supercomputer entwickelt, der »Bossy« genannt wird. Der Computer ist in der Lage, alle Probleme der Menschheit zu lösen bzw. Wege zur Problemlösung aufzuzeigen, allerdings ungeachtet ethischer oder moralischer Beschränkungen. Kurzerhand wird Bossy zum Staatsfeind Nummer Eins erklärt, und die beiden Professoren Hoskins und Billings sowie ihr telepathisch begabter Assistent Joe müssen zusammen mit der Maschine schnellstens verschwinden. Im Elendsviertel wird ihnen Unterschlupf gewährt, allerdings ohne daß jemand ahnt, wer die drei wirklich sind. Sie bauen Bossy zusammen, um einen ersten wirklichen Test durchzuführen. Mable, ihre alte Gastgeberin, wird das erste Versuchsobjekt. Bossy wird vor die Aufgabe gestellt, Mable zu verjüngen, was nach einigen Schwierigkeiten auch funktioniert. Die Öffentlichkeit erfährt von dem Experiment, und den Wissenschaftlern bleibt keine andere Wahl, als den Schutz eines Großindustriellen zu suchen, der schon früher mit den Erfindern des Computers sympathisiert hat. Plötzlich melden sich die unterschiedlichsten Interessengruppen, um Bossy in ihre Gewalt zu bekommen. Doch die Gefahr ist zu groß, daß der Computer für die Interessen einiger weniger mißbraucht wird. Und so startet der Industrielle die Großproduktion des Computers, um die neue Technologie jedem Menschen auf der Welt zugänglich zu machen. Die Folgen dieser Großtat deuten die Autoren nur noch an.

Mehrfach wurde von Kritikern festgestellt, daß dieses Buch das literarisch schwächste ist, das jemals den Hugo gewonnen hat. Darüber ließe sich streiten, denn auch in den folgenden Jahren war nicht jeder Roman eine literarische Glanzleistung. Die Umsetzung von Clifton und Riley ist allerdings tatsächlich nicht allzu großartig. Die Figuren bleiben uninteressant, zu viele Klischees verderben das ungetrübte Lesevergnügen. Auch die Thematik wirkt im Zeitalter von PC und Internet etwas antiquiert. Zumindest haben die Autoren darauf verzichtet, technische Details ihres Supercomputers zu schildern, was heute wohl ziemlich lächerlich wirken würde.

Auch 1955 gab es noch keine Nominierungen. Wichtige Bücher des betreffenden Zeitraums waren Brain Wave (dt. Die Macht des Geistes bzw. Der Nebel weicht) von Poul Anderson, I Am Legend (dt. Ich bin Legende) von Richard Matheson und A Mirror of Observers (dt. Der Beobachter bzw. Der Spiegel des Beobachters) von Edgar Pangborn.

They’d Rather Be Right mag 1955 die Fans begeistert haben, aus heutiger Sicht ist jedoch Pangborns The Mirror of Observers sicherlich als besseres Buch zu bewerten. Pangborn ist einer der literarischsten Vertreter der SF der fünfziger Jahre. Er schrieb keine typische Science Fiction, sondern diskutiert verschiedene Philosophien und Weltsichten, ohne belehrend den Finger zu heben. Erzählt wird von marsianischen Agenten, die seit Tausenden von Jahren auf der Erde leben und beobachten sollen, wann die Menschheit moralisch in der Lage ist, mit den Marsianern zusammenzuleben. Pangborn erhielt für diesen Roman übrigens den International Fantasy Award. Den Hugo hätte er auch verdient.

Novelette
Walter M. Miller jr.: »The Darfsteller«
(Januar 1955 in ASTOUNDING; dt. »Der Schauspieler« in Mommers/Krauß [Hrsg.]: 8 Science Fiction Stories, HA 23; als »Der Darfsteller«, in Jeschke [Hrsg.]: Heyne Science Fiction Jahresband 1982, H 3870, in Walter M. Miller: Bedingt menschlich, H 4307, in Isaac Asimov [Hrsg.]: Das Forschungsteam, HSFB 13, in Jeschke [Hrsg.]: Ikarus 2001, H 6370)

Der 1922 geborene Walter M. Miller jr. hatte bis zu diesem Zeitpunkt bereits über dreißig Erzählungen und Kurzgeschichten und somit den überwiegenden Teil seines Gesamtwerkes in diversen SF-Magazinen veröffentlicht. Viele davon beschäftigten sich mit außergewöhnlichen Themen, so auch »The Darfsteller«.

Zur Zeit der Handlung werden in den Theatern die Schauspieler durch sogenannte Mannequins ersetzt. Diese Roboter sind in ihrem Aussehen bekannten Schauspielern nachgebildet und werden durch einen »Maestro« genannten Computer zentral gesteuert. Die unverwechselbare Art ihres Spiels verdanken die Mannequins Magnetbändern. Diese neue Technologie macht jedes Theaterstück jederzeit mit bester Besetzung reproduzierbar, und es ist sogar möglich, ein Stück mit den gleichen Darstellern auf mehreren Bühnen gleichzeitig zu spielen. Die Konsequenz ist, daß menschlichen Schauspieler ihre Arbeit verlieren.

Der Protagonist Ryan Thornier ist ein ehemaliger Schauspieler, der sich weigert, für die Mannequin-Hersteller tätig zu werden und stattdessen lieber als Putzkraft in einem Theater arbeitet. Als eines Tages das Stück aufgeführt werden soll, in dem er zehn Jahre zuvor seine größte Rolle hätte spielen sollten, plant Thornier eine Sabotage. Er läßt das Magnetband für das Mannequin der Hauptrolle verschwinden und ersetzt es durch ein unbrauchbares. In der Konsequenz muß er als Mensch das Stück zusammen mit den Robotern spielen. Natürlich gibt es für den Leser noch einige Überraschungen.

Miller war ein außergewöhnlicher Autor, der es immer wieder verstand, nicht nur eine interessante Geschichte zu erzählen, sondern gleichzeitig wesentliche Themen der menschlichen und technologischen Entwicklung zu diskutieren. Diese rund achtzig Seiten lange Novelle hat den Hugo durchaus verdient und wurde sowohl in Amerika als auch in Deutschland häufig in Anthologien nachgedruckt.

Short Story
Eric Frank Russell: »Allamagoosa«
(Mai 1955 in ASTOUNDING, dt. »Der Offund« in Russell: Ferne Sterne, G 33 und in Görden [Hrsg.]: Die Zukunft spinnt, G 23499; als »Allamagoosa« in Asimov [Hrsg.]: Das Forschungsteam, HSFB 13)

Russells Erzählungen merkt man meist an, daß er kein amerikanischer Autor war. Satirische und respektlose Ideen waren sein Markenzeichen, und so verwundert es kaum, daß er für diese antibürokratische Satire einen Hugo erhielt. In »Allamagoosa« wird einem Schiff der Raumstreitkräfte eine Inspektion angekündigt. Da der Kommandant weiß, daß der Inspekteur sehr streng ist, kontrolliert er zuvor selbst die Bestandslisten des Raumschiffs. Alles ist an Ort und Stelle, bis auf Position V 1098, »Offund, ein«. Niemand an Bord weiß, was ein Offund ist; da denkt sich der Kommandant, wenn es nicht einmal seine Spezialisten wissen, dann weiß es der Inspekteur erst recht nicht. Und so läßt er einen Offund konstruieren und die Inspektion verläuft zufriedenstellend. Damit später im Raumdock jedoch niemand bemerkt, daß es plötzlich eine wild blinkende neue Maschine gibt, beschließt der Kommandant, den Offund als Verlust zu melden, ohne zu wissen, daß es sich auf der Inventarliste nur um einen Schreibfehler gehandelt hat.

Die Pointe ist zwar vorhersehbar, allerdings ist anzunehmen, daß Russell den Preis auch stellvertretend für seine früheren Geschichten bekommen hat, unter anderem für die großartige »... And Then There Were None« von 1951 (zentraler Text in der Buchausgabe The Great Explosion von 1962), da der Hugo damals noch nicht existierte.

In den Rubriken Novelette und Short Story gab es, wie auch bei Novel, keine Nominierungen. Aus diesem Grunde sollen hier wenigstens einige sehr interessante und gelungene Texte erwähnt werden, die ebenfalls im betreffenden Zeitraum erschienen sind, so »Fondly Fahrenheit« (August 1954 in F&SF, dt. »Geliebtes Fahrenheit«) von Alfred Bester, »My Boy Friend's Name Is Jello« (Juli 1954 in F&SF, dt. »Ich hab 'nen Freund, und der heißt Jello«) von Avram Davidson, »The Cold Equations« (August 1954 in Astounding, dt. »Die kalten Gleichungen«) von Tom Godwin, »One Ordinary Day, With Peanuts« (Januar 1955 in F&SF, dt. »Ein gewöhnlicher Tag – mit Erdnüssen«) von Shirley Jackson, »The Midas Plague« (April 1954 in Galaxy, dt. »Die armen Reichen« bzw. »Die Midas-Seuche«) von Frederik Pohl oder »Down Among the Dead Men« (Juni 1954 in Galaxy, dt. »Unter Toten« bzw. »Drunten bei den Toten«) von William Tenn. Obwohl viele dieser Geschichten ganz hervorragende Science Fiction waren, haben Walter M. Miller und Eric Frank Russell den Preis für ihre Erzählungen sicherlich verdient.
Magazine
Astounding

Auch die Konkurrenz wie GALAXY und F&SF haben 1954 ganz hervorragende Ausgaben abgeliefert. ASTOUNDING hatte im vorangegangenen Jahr außer »The Cold Equations« (August 1954, dt. »Die kalten Gleichungen«) von Tom Godwin, »Martians, Go Home« (September 1954, dt. Die grünen Teufel vom Mars) von Fredric Brown und They’d Rather Be Right (Vier Teile, August bis November 1954, dt. Computer der Unsterblichkeit) von Mark Clifton und Frank Riley nur wenige wirklich bemerkenswerte Geschichten. Es ist wahrscheinlich, daß Astounding einfach aus den zurückliegenden Jahren einen gewissen Bonus bei den wählenden Fans hatte, und immerhin veröffentlichten in Astounding 1954 so namhafte Autoren wie H. Beam Piper, Algis Budrys, Isaac Asimov, Clifford D. Simak, Chad Oliver, James Blish, Eric Frank Russell, Poul Anderson, Frank Herbert und Lester del Rey.

Artist
Frank Kelly Freas

Frank Kelly Freas (* 1922) zählt auch heute noch zu den populärsten Illustratoren und Titelbildkünstlern der SF. Sein erstes Magazincover schuf er 1950 für die Novemberausgabe von WEIRD TALES, gefolgt von mehr als 220 Titelbildern für achtundzwanzig Magazine und ungezählte Innenillustrationen sowie Buchumschläge für Ace Books, Gnome Press, Daw Books und Laser Books.

Allein 1954 zierten achtzehn Bilder von Freas die Cover von Magazinen wie ASTOUNDING, PLANET STORIES, FUTURE oder SCIENCE FICTION QUARTERLY.

Fan Magazine
Fantasy Times

Das Fanzine wurde von James V. Taurasi sen. und Ray Van Houten, zeitweise auch von Sam Moskowitz herausgegeben und erschien von 1941 bis 1969. Es handelte sich um ein Heft mit Nachrichten und Rezensionen. Der Name wurde später, nämlich 1957, in SCIENCE FICTION TIMES geändert (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen deutschen Magazin, das jedoch inhaltlich an die amerikanische Ausgabe angelehnt war). Es erschienen insgesamt 465 Ausgaben. FANTASY TIMES war in den fünfziger Jahren eines der meistgelesenen Fanzines. In gewisser Weise ist das heute noch erscheinende LOCUS der Nachfolger der FANTASY TIMES.

Special Award
Sam Moskowitz
as »Mystery Guest« and for his work on past conventions

Sam Moskowitz (* 1920) war ab 1936 einer der prominentesten Fans des amerikanischen Fandoms und veröffentlichte zahlreiche Beiträge über die Geschichte der SF in Fanzines. Seine erste Buchveröffentlichung war The Immortal Storm (1951) mit Berichten über die Anfangsjahre des amerikanischen Fandoms und die ersten großen Conventions. Die Texte erschienen vorab bereits in A. Langley Searles’ Fanzine Fantasy Commentator.

Bis in die 80er Jahre hat er seine theoretischen Arbeiten über Science Fiction fortgesetzt und publiziert. Darüber hinaus hat er zahlreiche, kompetent editierte Anthologien und Bücher über SF-Autoren herausgegeben.

Siehe auch
Encyclopedia of Science Fiction: Der Hugo - Science Fiction Achievment Award
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