- 1. Gründung
- Die Gründer legten besonderen Wert auf das Stichwort »professionell«. Ihnen war
wichtig, dass der Kurd Laßwitz Preis kein Publikumspreis wird, der die meistgelesenen
Romane auszeichnet, sondern ein Preis »von Profis für Profis«, der in der Lage ist,
durch seine fachkundigen Abstimmungsberechtigten auch »Geheimtipps« zu Preisträgern zu
küren. Eindeutiges Vorbild war der nordamerikanische Nebula Award.
- 2. Sinn und Zweck des Preises
- Der Preis entstand zu einer Zeit, in der die Science Fiction in Deutschland boomte, die
deutschsprachige SF aber durch die Masse britischer und angloamerikanischer Werke fast
verschüttet wurde. Mit Hilfe des Preises hoffte man, dem Lesepublikum Hinweise zu geben,
wo es auch im eigenen Sprachraum qualitativ hochwertige SF finden kann, und damit die
deutschsprachigen Autoren, Graphiker und Übersetzer zu fördern. Als von Fachleuten
vergebener Preis soll dieser den Preisträgern auch bei der weiteren Vermarktung ihrer
Werke helfen.
- 3. Ablauf von Nominierung und Wahl
- Der typische Ablauf ist wie folgt: Die Abstimmungsberechtigten geben im Laufe des
Kalenderjahres ihre Nominierungsvorschläge ab. Anfang Dezember verschickt der Treuhänder
hierzu ein Erinnerungsschreiben mit einem Nominierungsformular, es kann aber auch ganz
formlos nominiert werden. Anfang Januar überprüft der Treuhänder die eingegangenen
Nominierungsvorschläge auf Einhaltung der Kriterien und erstellt für das
Vorauswahlgremium eine Vorschlagsliste mit allen Nominierungen, Begründungen der
Nominierenden und dem Ergebnis seiner Kriterienprüfung. Das Vorauswahlgremium bewertet
nun bis Februar die Nominierungsvorschläge nach Qualitätsmerkmalen auf ihre Eignung als
potentielle Preisträger. Parallel werden die Nominierten informiert, damit diese die
Möglichkeit erhalten, ein Veto gegen die Nominierung einzulegen. Aus allen
Nominierungsvorschlägen, die diese Überprüfungen überstanden haben, erstellt der
Treuhänder nun die Wahlbögen und verschickt sie an die aktiven Abstimmungsberechtigten
bzw. an die Juroren. Im Fall der Kategorie Hörspiel erfolgt der bisherige Ablauf (meist
ohne Vorauswahl) direkt durch den gewählten Juryvorsitzenden. Die Juroren der Kategorie
Übersetzung erhalten auszugsweise Kopien der nominierten Übersetzungen und der
zugehörigen Originale, die Juroren der Kategorie Hörspiel erhalten vollständige
Mitschnitte der nominierten Hörspiele. Den Abstimmungsberechtigten wird nun ein
mehrwöchiger Zeitraum zum Abstimmen eingeräumt, der ggf. durch den Termin der
Preisverleihung begrenzt wird. Die Abstimmenden schicken ihre ausgefüllten Wahlbögen an
den Treuhänder, der die Teilnahme registriert, die Wahlbögen anonymisiert und nach Ende
der Wahlfrist auswertet. Je nach zeitlichem Abstand zur Preisverleihung wird das Ergebnis
der Wahl anschließend oder erst bei der Preisverleihung veröffentlicht.
Der Termin der Preisverleihung wird durch den Termin der SF Convention
bestimmt, in deren Rahmen die Preisverleihung stattfinden soll. Da der Preis nicht dotiert
ist, wird alljährlich eine geeignete SF Veranstaltung ausgewählt, die im Sommer oder
Herbst stattfindet und attraktiv für die potentiellen Preisträger ist.
Zur Zeit werden zwei Kategorien durch eine eigene Jury bewertet:
Hörspiel und Übersetzung. Die Kategorie Hörspiel wird komplett von dem Juryvorsitzenden
Horst Tröster organisiert, er erstellt auch die Hörspiel-Mitschnitte für die Juroren.
Für die Kategorie Übersetzung erstellt der Treuhänder Udo Klotz mehrseitige Kopien der
nominierten Übersetzungen und der zugehörigen Originale (im Regelfall sind das Kopien
der ersten 15 Seiten, 8 zusammenhängende Seiten aus der Mitte, sowie der letzten 8
Seiten), die eine ausreichende Bewertung der übersetzerischen Tätigkeit erlauben. Die
Begründungen der Jury für ihre Entscheidungsfindung werden in die Laudationes
eingearbeitet.
- 4. Abstimmungsberechtigung
- Gemäß dem Anspruch des Preises, eine Auszeichnung »von Profis für Profis« zu sein,
ist die Abstimmungsberechtigung das wichtigste Kriterium zur Differenzierung von einem
Publikumspreis.
Da es aber im Bereich der Science Fiction eine sehr aktive Fangemeinde gibt, in der
Amateurpublikationen erzeugt werden, und umgekehrt hierzulande nur Wenige in der Lage sind
allein von der SF-Literatur zu leben, ist die Definition der Professionalität bzw. die
Abgrenzung zum Amateur, Fan oder Leser nicht einfach und immer eine Gratwanderung.
Insbesondere, da engagierte Fans oft ein größeres Fachwissen zur aktuellen SF-Literatur
besitzen als die professionell in diesem Bereich tätigen, die (meist aus Zeitmangel) nur
ihre eigenen Werke kennen. Hinzu kommt die Problematik zu beurteilen, welche
Veröffentlichungen eines Newcomers als professionell anzusehen sind.
Die Forderung nach mehreren Veröffentlichungen soll verhindern, dass jemand nur aufgrund
eines »One-Shots« zum Abstimmungsberechtigten wird. Stattdessen wird eine
kontinuierliche Beschäftigung mit der Science Fiction gefordert. Daher gibt es auch die
Möglichkeit, Abstimmungsberechtigte auszuschließen, wenn sie seit mehreren Jahren nicht
mehr im Bereich der SF tätig sind.
Aufgrund der genannten Abgrenzungsproblematik erfolgt die Aufnahme in den Kreis der
Abstimmungsberechtigten immer durch den Treuhänder, der pro Einzelfall entscheidet und
dem hier auch ein Entscheidungsspielraum zugestanden wird, um jederzeit eine fachkundige,
aktive und ausreichend große Gruppe von Abstimmenden zu gewährleisten, so dass die Wahl
repräsentativ für die deutschsprachigen SF-Schaffenden bleibt.
Wer als Abstimmungsberechtigter keine Zeit oder kein Interesse am Kurd Laßwitz Preis hat,
kann jederzeit den Treuhänder bitten, ihn von seinem Verteiler zu nehmen, so dass er
durch die Wahlbögen nicht mehr »belästigt« wird. Der Treuhänder behält sich auch
vor, diejenigen aus dem Verteiler zu streichen, die seit mehr als fünf Jahren sich nicht
mehr an der Nominierung oder Wahl beteiligt haben, um Aufwand und Kosten zu sparen.
Als Juroren für die Hörspieljury sind derzeit mehr als ein Dutzend Autoren, Regisseure
und Fachjournalisten tätig, die jeweils für ein Jahr pausieren, wenn Sie in dem Jahr
selbst für ein Hörspiel nominiert wurden. Die Übersetzerjury besteht aus etwa zehn
Lektoren und Übersetzern, die ebenfalls bei einer Nominierung eines ihrer Werke
pausieren.
- 5. Kategorien
- Seit 1980 haben sich die Kategorien des Kurd Laßwitz Preises stets verändert und damit
den aktuellen Strömungen angepasst: Die Trennung zwischen Kurzgeschichte und Erzählung
wurde aufgehoben, das Hörspiel aufgenommen und der Film als eigenständige Kategorie
gestrichen. Statt einer Jahresleistung werden einzelne Graphiken und Übersetzungen
bewertet, und zwei Kategorien haben derzeit eine eigene Jury.
- 5.1. Roman
- Diese Kategorie wurde 1980 eingeführt und ist seither gültig.
- 5.2 Kurzgeschichte
- Diese Kategorie wurde 1980 eingeführt und ist seither gültig. 1997 erfolgte eine
Zusammenlegung mit der ebenfalls seit 1980 bestehenden Kategorie Erzählung, da die im
anglophonen Sprachraum übliche Trennung zwischen Kurzgeschichte und Erzählung im
deutschsprachigen Raum nicht existiert.
- 5.3. Ausländisches Werk
- Diese Kategorie wurde 1984 eingeführt und 1998 von der Einschränkung »Roman« auf die
Verallgemeinerung »Werk« erweitert.
- 5.4. Übersetzung
- Diese Kategorie wurde 1980 eingeführt, seit 1993 wird jedoch nicht mehr die
Jahresleitung eines Übersetzers, sondern die Einzelleistung einer konkreten Übersetzung
prämiert. Seit 2000 erfolgt die Abstimmung durch eine Jury, betreut durch Udo Klotz.
- 5.5. Graphik
- Diese Kategorie wurde 1980 eingeführt, seit 1993 wird jedoch nicht mehr die
Jahresleitung eines Graphikers, sondern die Einzelleistung einer konkreten Graphik
prämiert.
- 5.6. Hörspiel
- Diese Kategorie wurde 1987 eingeführt und ist seither gültig. Seit 1993 erfolgt die
Abstimmung innerhalb der Hörspieljury. Die Kategorie wird seither von Horst Tröster
betreut.
- 5.7. Sonderpreis
- Diese Kategorie wurde 1980 eingeführt und ist seither gültig. Die seit 1987 bestehende
eigenen Kategorie Film wurde 1997 mangels Anzahl neuer Filme, die einem breiten Publikum
zugänglich sind, in die Kategorie Sonderpreis eingegliedert.
- 6. Kriterien für Nominierungen
- Dies sind formelle und keine qualitativen Kriterien, daher werden sie vom Treuhänder
direkt überprüft. Das Ablehnen einer Nominierung aus qualitativen Gründen erfolgt nur
nach einer entsprechenden Aussage durch das Vorauswahlgremium.
- 6.1. Nominiert und begründet durch einen
Abstimmungsberechtigten
- Die Statuten erlauben zwar Eigennominierungen, aber hier wird die Begründung meist
schwierig. Das Fehlen einer Begründung erlaubt es dem Treuhänder, nicht nachvollziehbare
Nominierungen abzulehnen.
- 6.2. Zur Science Fiction gehörig
- Nicht zulässig sind beispielsweise Nominierungen, die nur anderen phantastischen Genres
wie Fantasy oder Horror zugeordnet werden können, oder Werke, die vom Autor oder
Künstler nie als SF verstanden wurden.
- 6.3. Erstveröffentlichung im Nominierungsjahr
- Kleinstauflagen durch Kopien und ähnliche Vorabveröffentlichungen werden nicht als
Erstveröffentlichung gewertet, wenn ein Werk Jahre später professionell veröffentlicht
wird. Damit zählt erst die spätere professionelle Publikation als Erstveröffentlichung
im Sinne des Kurd Laßwitz Preises. Diese Regelung verhindert, dass Werke gar nicht
gewählt werden können, weil sie erst nicht professionell und später nicht mehr
erstmalig veröffentlicht wurden.
- 6.4. Von einem deutschsprachigen Künstler bzw.
für den deutschsprachigen Markt
- Im deutschsprachigen Raum lebende Autoren, Übersetzer oder Graphiker sind mit dieser
Regelung zugelassen, eine entsprechende Staatsangehörigkeit wird nicht verlangt.
Umgekehrt werden Werke abgelehnt, die im Ausland produziert wurden, aber von einem
deutschstämmigen Künstler stammen. Das heißt, eine Covergraphik von Karel Thole auf
einem deutschen Taschenbuch war beispielsweise zulässig, ein Hollywoodfilm von Roland
Emmerich dagegen nicht.
- 6.5. Professionell veröffentlicht
- Mit dem Anspruch an eine professionelle Veröffentlichung sollen sowohl explizit
unredigierte, nicht lektorierte Texte ausgeschlossen werden (als Kleinstauflage im Fanzine
oder Eigenverlag bzw. als Datei auf einer Homepage), als auch Amateurpublikationen mit
fehlender Layoutgestaltung oder Books on Demand mit Minimalauflage. Insbesondere im
Internet ist eine professionelle Veröffentlichung anhand optischer Kriterien schwer
feststellbar, aber ein fehlendes Lektorat fällt immer und sehr schnell auf. Ob ein Text
oder eine dazugehörige Graphik im Internet oder ein BoD-Text eher mit einer amateurhaften
Veröffentlichung in einem Fanzine oder einer professionellen Veröffentlichung im
etablierten Verlag vergleichbar ist, entscheidet der Treuhänder, ggf. zusammen mit dem
Vorauswahlgremium.
- 6.6. Öffentlich zugänglich publiziert
- Die in den Statuten genannten Beispiele zeigen, was explizit ausgeschlossen wird
(Fanzines ohne ISSN, Privatkopien von Manuskripten, honorarfreie Publikation in
Kleinstauflage, Stories und Graphiken auf Homepages, nur auf Festivals aufgeführte Filme,
etc.). Erfolgt eine spätere Publikation, die alle Kriterien erfüllt, wird diese
Privatpublikation für die Preiskriterien ignoriert.
- 7. Vorauswahlgremium
- Das Vorauswahlgremium wurde eingeführt, um auch eine Selektion nach qualitativen
Gesichtspunkten zu ermöglichen. Dies sollte nicht an der einzelnen Stimme des
Treuhänders liegen, daher ist auch im Gremium eine Mehrheit von mindestens drei Stimmen
notwendig. So wird verhindert, dass einzelne Personen eine Zulassung bzw. Ablehnung eines
Nominierungsvorschlags maßgeblich beeinflussen können.
Wenn beispielsweise ein Autor sein Werk selbst nominiert und auch
Mitglied im Vorauswahlgremium sein sollte, dann benötigt er nicht nur eine Begründung,
die auch den anderen Mitgliedern des Gremiums einleuchtet, sondern muss noch mindestens
zwei weitere Mitglieder mit expliziter Zustimmung finden. Umgekehrt kann niemand aus dem
Gremium einfach Vorschläge ablehnen, da er auch hier mindestens zwei weitere ablehnende
Stimmen benötigt. Ist das Gremium geteilter Meinung, so ist eine größere Mehrheit
nötig, um einen Vorschlag abzulehnen.
- 8. Aufgaben des Treuhänders
- Der Treuhänder agiert autonom und ohne direkte Kontrollinstanz, muss aber alle
Unterlagen archivieren. Um Mutmaßungen erst gar nicht aufkommen zu lassen, verfolgt der
Treuhänder aber eine Politik der offenen Karten, zumindest den Abstimmungsberechtigten
gegenüber. In der Praxis schlägt der Treuhänder daher alle größeren Veränderungen
den Abstimmungsberechtigten vor und lässt sie darüber diskutieren und abstimmen. Sie
erhalten mit den Wahlbögen eine Liste der derzeit Abstimmungsberechtigten und können
sich für das Vorauswahlgremium bewerben. Die Statuten stehen öffentlich im Internet und
der Treuhänder kann jederzeit kontaktiert werden. Ziel ist eine größtmögliche
Transparenz, ohne die Privatsphäre der Nominierten und Abstimmenden zu gefährden.
- 9. Dotierung
- Eine Dotierung wird zwar weiterhin angestrebt, muss aber die Neutralität des Sponsors
und eine langjährige Sicherung der Dotierung gewährleisten. An diesen beiden Kriterien
sind bisher alle Versuche gescheitert. Stattdessen wird versucht, den Preisträgern durch
Verlage oder Veranstalter die Reise zur Preisverleihung zu sponsern.
- 10. Personalia
- Bei weiteren Fragen zum Kurd Laßwitz Preis wenden Sie sich bitte an den derzeitigen
Treuhänder Udo Klotz (Buchendorfer Str. 24, D-82061 Neuried). Die Internet-Adresse des Kurd Laßwitz
Preises lautet www.Kurd-Lasswitz.de, wo alle
Wahlergebnisse sowie zu den aktuellen Wahlen weiteren Informationen (Nominierungen,
Platzierungen, Laudationes) und Hinweise (Links zu den Nominierten und Preisträgern,
Textauszüge, nominierte Graphiken, etc.) zu finden sind.
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