A. I. - Künstliche IntelligenzDie Umweltzerstörung wurde fortgesetzt, die Polkappen der Erde sind abgetaut, doch zwischen Armut und Elend haben sich Inseln des Wohlstands gehalten. Immer perfektere Roboter werden gebaut, weil die »Mechas« im Gegensatz zu Menschen nach ihrer Erschaffung keine Rohstoffe mehr verbrauchen.
Dr. Hobby will mit der Firma Cybertronics einen noch perfekteren Roboter bauen - einen, der lieben kann. Das Ehepaar Monica und Henry Swinton, deren todkranker Sohn Martin im Kälteschlafkoma liegt, soll das erste Exemplar erhalten, das Dr. Hobby nach seinem verstorbenen Sohn David modelliert. Doch Monica ist der allzu perfekte Roboterjunge unheimlich. Er kann wie ein Menschenkind lieben, glücklich, gekränkt und verzweifelt sein, obwohl er nicht essen und schlafen muß. Dann erwacht Martin unerwartet aus dem Koma und kehrt ins elterliche Heim zurück. Der Konflikt zwischen den »Brüdern« spitzt sich zu. Irgendwann kann Monica ihn nicht mehr ertragen, bringt es aber auch nicht fertig, ihn an Cybertronics zurückzugeben, weil er dort demontiert würde. Also setzt sie David zusammen mit dem »Super-Toy« Teddy im Wald aus.
Nun lernt der Junge eine Welt kennen, in der ausrangierte Mechas gejagt werden. David trifft den Sexroboter Gigolo Joe, der ihm bei der Suche nach der blauen Fee helfen will, die schon aus Pinocchio einen richtigen Jungen machte. In Rouge City erhalten sie vom holographischen Dr. Know den entscheidenden Hinweis und setzen ihre Suche in der versunkenen Stadt Manhattan fort. In einem baufälligen Wolkenkratzer findet David seinen Schöpfer Dr. Hobby wieder - und seinen baugleichen Zwilling. Er kann es nicht ertragen, nicht mehr einzigartig zu sein, und erschlägt seinen Doppelgänger. In der David-Fabrik, wo auch schon das Schwestermodell Arlene auf die Auslieferung wartet, scheint seine Suche in der Sinnlosigkeit zu enden, und er stürzt sich ins Meer. Doch wie durch ein Wunder entdeckt er im Pinocchio-Themenpark von Coney Island endlich die gesuchte blaue Fee. Er fleht sie an, endlich einen richtigen Jungen aus ihm zu machen, immer wieder ... immer wieder ...
... bis 2000 Jahre später Aliens den kleinen Mecha unter einer dicken Eisschicht entdecken. Für die fremdartigen Wesen ist David eine von wenigen erhaltenen Informationsquellen über die faszinierende Spezies der Menschen. Schließlich erfüllen sie ihm seinen sehnlichsten Wunsch: noch einmal einen Tag mit der genetisch rekonstruierten Monica verbringen zu dürfen.

Foto: Warner Bros. / Dreamworks
1982 kaufte der Filmregisseur Stanley Kubrick die Filmrechte an der Shortstory »Super-Toys Last All Summer Long«, die der britische Science-Fiction-Autor Brian Aldiss 1969 im Magazin HARPER'S BAZAAR veröffentlicht hatte. An dieser Geschichte um einen Roboterjungen, der zu einem richtigen Menschen werden will, scheint Kubrick die Weiterentwicklung eines Themas gereizt zu haben, das er bereits mit dem Supercomputer HAL 9000 in 2001 - Odyssee im Weltraum (2001: A Space Odyssey GB 1968) aufgegriffen hatte. Doch er legte das Filmprojekt mit dem Titel A. I. Artificial Intelligence zunächst auf Eis, weil der damalige Stand der Tricktechnik noch nicht den anspruchsvollen Visionen des Regisseurs entsprach. Erst nachdem er Full Metal Jacket (Full Metal Jacket GB 1987) inszeniert hatte, machte er sich an die Drehbuchvorbereitung. Ein Versuch mit dem SF-Autor Bob Shaw scheiterte, dann erstellte der britische Autor Ian Watson ein längeres Treatment, das bereits die Figur des Gigolo Joe enthielt. Die Autorin Sara Maitland arbeitete ein weiteres Jahr am Script, und der Comic-Illustrator Chris Baker alias Fangorn erstellte die Storyboards.
Während der Dreharbeiten zu Shining (The Shining USA 1979) hatte Kubrick seinen Kollegen Steven Spielberg kennengelernt, der darauf wartete, daß Kubrick die Londoner Elstree Studios räumte, damit er dort Jäger des verlorenen Schatzes (Raiders of the Lost Ark USA 1981) drehen konnte. Die ungleichen Regisseure blieben in Kontakt, so daß Spielberg in den nächsten Jahren immer wieder die Gelegenheit erhielt, verschiedene Entwicklungsstadien des A.-I.-Projekts zu verfolgen. Zunächst glaubte Spielberg an einen Scherz, als Kubrick erstmals vorschlug, daß er diesen Film inszenieren sollte. Doch Kubrick freundete sich immer mehr mit dieser Idee an - nicht zuletzt, weil ein Kind die Hauptrolle spielen sollte. Als dann Jurassic Park (Jurassic Park USA 1993) in die Kinos kam, lud er den Trickexperten Denis Muren nach England ein, um mit ihm die Möglichkeiten einer Realisierung zu besprechen. Trotzdem entschied er sich, zuerst Eyes Wide Shut (Eyes Wide Shut USA 1999) zu inszenieren. Es wurde sein letzter Film, da Kubrick kurz nach der Fertigstellung am 7. März 1999 verstarb.
Noch im gleichen Jahr boten Kubricks Witwe Christiane und sein Schwager Jan Harlan das Projekt erneut an, weil es sonst »im Archiv verstaubt« wäre, wie Harlan sagt. Spielberg willigte sofort ein und verfaßte auf der Grundlage des vorhandenen Materials ein ganz neues Drehbuch. Für die Umsetzung sorgten langjährige Spielberg-Mitarbeiter wie die Tricktechniker Stan Winston, Denis Muren und Michael Lantieri, der Komponist John Williams, der Kameramann Janusz Kaminski und der Produktionsdesigner Rick Carter mit gewohnter Perfektion. Die Hauptrolle des David wurde mit Haley Joel Osment, dem Jungstar aus The Sixth Sense - Der sechste Sinn (The Sixth Sense USA 1999), kongenial besetzt. Eine besonders komplizierte Herausforderung war die Figur des Teddy, der je nach Szene von Puppenspielern oder durch Computeranimation bewegt wurde.

Foto: Warner Bros. / Dreamworks
Unter den ganz großen Regisseuren des 20. Jahrhunderts gibt es kaum zwei unterschiedlichere Persönlichkeiten als Stanley Kubrick und Steven Spielberg. Es ist nahezu unvorstellbar, aber das Gemeinschaftsprojekt A. I. ist ein echter »Spielbrick« geworden. Kubrick legte die gewohnt schonungslose Aufbereitung des Themas vor, während Spielberg die Suche nach Menschlichkeit mit Leben erfüllte. So wurde A. I. zu einem intelligenten Science-Fiction-Film, der beunruhigende Fragen über die Natur des Menschen aufwirft und zwangsläufig starke Gefühle erzeugt - ohne in Gefühlsduselei abzugleiten. Obwohl der Film realistisch inszeniert wurde, ist er ein SF-Action-Spektakel, sondern ein Märchen in der ursprünglichen Bedeutung des Wortes und eine Neuinterpretation der Pinocchio-Geschichte.
Spielberg hat versucht, Kubricks letzten Film zu drehen, ohne seinem eigenen Stil untreu zu werden, ohne in platte Nachahmung zu verfallen. Der Kubrick-Fan wird zahlreiche Anspielungen erkennen, von Kubricks bekannter Vorliebe für natürliche Lichtquellen bis zur Sequenz mit der Einblendung »20 Monate später« zu Khachaturian-Klängen und dem Schnitt auf ein futuristisches Fahrzeug und die Kälteschlafkammer. In der Figur des David spiegelt sich nicht nur HAL 9000, sondern auch David Bowman aus 2001, wenn der Roboterjunge seinen Zwilling ermordet und sich am Ende in einer Welt wiederfindet, die menschliches Verständnis übersteigt. Selbst der Fund des Artefakts auf dem Mond wird umgekehrt, wenn die Aliens Manhattan ausgraben. Und seit dem 11. September 2001 hat gerade diese Szene schlagartig eine ganz neue Gewichtung erhalten, wenn in dieser Zukunft die Menschen ausgestorben sind und die »Monolithen« des World Trade Center immer noch stehen. Zwei Tage später startete A. I. in deutschen Kinos.
| Originaltitel: | AI - Artificial Intelligence |
| deutscher Titel: | A. I. - Künstliche Intelligenz |
| Land und Jahr: | USA 2001 |
| Regie: | Steven Spielberg |
| Buch: | Steven
Spielberg Ian Watson |
| Vorlage: | Brian Aldiss |
| Kamera: | Janusz Kaminski |
| Schnitt: | Michael Kahn |
| Musik: | John
Williams Paul Barker Al Jourgensen |
| Szenenbild: | Rick Carter |
| Bauten: | Richard L. Johnson William James Teegarden Tom Valentine |
| Ausstattung: | Nancy Haigh |
| Effekte: | Industrial
Light & Magic Michael Lantieri (Überwachung der Spezialeffekte) Dennis Muren (Überwachung der visuellen Effekte) Scott Farrar (Überwachung der visuellen Effekte) Stan Winston (Design der Roboter / Animatronics) |
| Kostüme: | Bob Ringwood |
| Produktion: | Dreamworks Pictures Amblin Bonnie Curtis Kathleen Kennedy Steven Spielberg Jan Harlan (Ausführend) Walter F. Parkes (Ausführend) |
| Uraufführung: | 26.6.2001 (New York) |
| US-Kinostart: | 28.6.2001 |
| deutscher Kinostart: | 13.9.2001 |
| Länge: | 146 Minuten |
| | FSK ab 12 Jahre |
| David Swinton: | Haley Joel Osment |
| Gigolo Joe: | Jude Law |
| Monica Swinton: | Frances O'Connor |
| Henry Swinton: | Sam Robards |
| Martin Swinton: | Jake Thomas |
| Lord Johnson-Johnson: | Brendan Gleeson |
| Professor Hobby: | William Hurt |
| Teddy (Stimme): | Jack Angel |
| Sekretärin: | Sabrina Grdevich |