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Akte X - die unheimlichen Fälle des FBI

The X-Files • Kanada/USA 1994-2002

1. Staffel | 2. Staffel | 3. Staffel | 4. Staffel | 5. Staffel | 6. Staffel | 7. Staffel


Die Story

Zwei zumeist unheimlich ernst und unerschütterlich aussehende FBI-Beamte namens Fox Mulder (David Duchovny) und Dana Scully (Gillian Anderson) sind dem Unerklärlichen auf der Spur. Agent Mulder - Spitzname »Spooky« - wurde von der Abteilung Kapitalverbrechen zu den X-Akten versetzt. Hinter dieser Bezeichnung verbergen sich die unlösbaren Fälle des FBI, in denen es zumeist um Übernatürliches, geheime Experimente und Außerirdische geht. Die Gerichtsmedizinerin Dana Scully wurde Mulder von oberster Stelle als Aufpasserin und Ausbremserin zugeteilt. Scully ist Skeptikerin., sie sucht für alles eine rationale, wissenschaftliche Erklärung, während Mulder, vorbelastet durch die Entführung seiner kleinen Schwester durch Aliens, überall Paranormales und Verschwörungen wittert. Trotz aller Verbissenheit besitzt Mulder einen ausgesprochenen trockenen Humor.

Die Verschwörungstheorie und die Entführung von Mulders Schwester ziehen sich auf der zweiten Handlungsebene durch die einzelnen, in sich abgeschlossenen, aber oft unaufgelösten Episoden. Scully und Mulder sind Workaholics mit minimalem Privatleben. Zwischen den beiden knistert es oft heftig, doch bereits im Pilotfilm wurde deutlich, daß ihr Verhältnis platonisch bleiben soll. Zwar hat Scully in einer Folge eine Verabredung, in einer anderen taucht eine alte Flamme Mulders auf, und einmal darf sich Mulder von einem attraktiven Vampir verführen lassen. Die Fans der Serie sprechen sich indes vehement gegen eine feste Freundin für Mulder aus - nach dem Motto: Dürfen die beiden nicht zusammen, soll sie auch niemand anders bekommen.

Der Macher

Man könnte ihn den Gene Roddenberry (»Vater von Star Trek«) der Neunziger nennen: Chris Carter, den Erfinder der X-Files. Der Kalifornier kam durch seine spätere Ehefrau, die Drehbuchautorin Dori Pierson, mit der Film- und Fernsehbranche in Kontakt. Pierson ermunterte ihn zum Drehbuchschreiben, und Carter, der bislang nur für ein Sufermagazin geschrieben hatte - Surfen zählt neben Töpfern zu seinen Hobbys - wurde von Disney für drei Drehbücher unter Vertrag genommen. Schon bald entschied er sich jedoch für die Arbeit beim Fernsehen. Die Idee zu den X-Files konnte Carter erst im zweiten Anlauf an den Sender Fox verkaufen - nachdem er sein Treatment mit Außerirdischen aufgemotzt hatte. Chris Carter ist Executive Producer und hat außer dem Pilotfilm zahlreiche Episoden der Serie geschrieben. Die Krönung seines Werks ist die Kinoproduktion Akte X - Der Film (The X-Files - Fight the Future • USA 1998), zu der Carter das Drehbuch schrieb.

Die Stars

Gillian Anderson ist Dana Scully. Im Gegensatz zur ungläubigen Scully gibt Gillian Anderson zu, daß sie durchaus an paranormale Phänomene glaubt. Auf ihrem Nachttisch liegt das tibetanische Buch der Toten gleich neben einem Ratgeber über Babypflege. Nach ihrer Tochter Piper Maru wurde übrigens eine Episode der dritten Staffel genannt. Von ihren Fans wird Anderson als IDDG (»Intellectually Drop-Dead Gorgeous«) verehrt.

David Duchovny bringt beste Voraussetzungen für seine Rolle als Fox Mulder mit. Zum einen spielte er bereits in Twin Peaks den FBI-Agenten Dennis/Denise Bryson, zum anderen hatte er während seiner Studentenzeit eine Begegnung der ersten Art. »Es war im Frühjahr ’82. Ich lief am Strand entlang und sah plötzlich ein Objekt, das völlig lautlos am Himmel hing. Im nächsten Augenblick war es verschwunden.«

Die Idee

Die Serie hat sich innerhalb kürzester Zeit zum Kult entwickelt, der nur noch mit dem Trubel um Captain Kirk und das Raumschiff Enterprise vergleichbar ist. Und ähnlich wie bei Star Trek ist auch bei Akte X bereits eine Verselbständigung durch die Fans eingetreten. Was steckt also hinter Akte X - die ungelösten Fälle des FBI?

Chris Carters erklärtes Ziel ist es, den Zuschauern eine höllische Angst einzujagen. Dazu benutzt er geschickt den Glauben seiner Landsleute an Übernatürliches - jeder zweite Amerikaner ist überzeugt, daß es UFOs gibt, und drei Prozent glauben gar, von Außerirdischen entführt worden zu sein. Der zweite Punkt ist ein tiefes Mißtrauen gegenüber der Regierung. Vertuschungsaktionen wie Watergate und die Iran-Contra-Affäre führten dazu, daß die Öffentlichkeit ihrer Regierung jede Schandtat zutraut. Warum also nicht auch eine Verschwörung in Sachen Aliens?

Somit stellt Akte X einerseits das perfekte Symbol für den kollektiven Verfolgungswahn dar - wenn selbst Mulders Vater als Teil der Verschwörung auftritt - und ist andererseits ein Spiegelbild der neunziger Jahre: New Age meets Cyberspace. Handys und Laptops gehören genauso zu den X-Files wie Geister und Geistheiler. Mit ihrem wissenschaftlichen Hintergrund basiert die Serie auf anerkannten Fakten, die von den Autoren zu Science Fiction umgearbeitet werden. Daß die Zuschauer die Serie für Realität halten könnten, beunruhigt David Duchovny nicht. Er findet die Vorstellung, daß es Leute gibt, die glauben, Melrose Place sei Realität, viel erschreckender.

Die Serie ist nur dann gruselig, wenn sie gleichzeitig glaubwürdig ist, sagt Carter, der sich von der Kultserie Twilight Zone und der zwanzig Jahre alten TV-Serie The Night Stalker (in der der Wissenschaftsreporter Carl Kolchak bizarre und übernatürliche Kriminalfälle aufklärt) inspirieren ließ. Doch anders als Twilight Zone stellt Akte X nicht die Frage nach Wahrheit oder Traum - seltsame Dinge passieren eben. Was bleibt, ist die Ambiguität, mit der die Geheimnisse des Universums erklärt werden. Scully trägt ein Kreuz, ihre Schwester befragt Kristalle. Mulders Computer-Paßwort lautet »trustno 1«.

Die Fans

Trekker, die Fans von Star Trek, sind mittlerweile ein stehender Begriff. Die Fans der »unerklärlichen Fälle des FBI« nennen sich hingegen »X-Philes« (von griech. philos = Freund). Selbst im real existierenden Federal Bureau of Investigation gibt es bekennende Philes. Der Drang, sich auf Conventions zu versammeln, ist bei den Philes weniger ausgeprägt als bei den Trekkern. Ein Grund dafür mag die mangelnde Möglichkeit zur Kostümierung sein - keine Spock-Ohren und Klingonen-Rüstungen, sondern nur schlichte FBI-Dienstkleidung. So nahmen an der ersten Akte X Convention in Deutschland nur etwa zweihundert Fans teil. Im Internet sind Philes jedoch äußerst rührig und machen den Trekkern mächtig Konkurrenz. Und in den News-Groups (news:de.rec.tv.akte-x) wird unter anderem darüber diskutiert, welche Bedeutung hinter Mulders Apartmentnummer 42 steckt oder warum Scully nie den Autositz justiert, nachdem Mulder am Steuer saß.

Merchandising

Schon bald, nachdem sich der Erfolg der Serie abzeichnete, tauchten die ersten Merchandising-Produkte auf - sehr zur Verwunderung von Richard Meyer, dem Inhaber des Andere Welten SF Versands. Schließlich gibt es zu Akte X weder Masken noch Kostüme oder Monsterfiguren. Aber alles mit dem »X« drauf verkauft sich gut: T-Shirts (sechs Motive), Postkarten, Trading Cards, Poster (beliebtes Motiv ist ein Titelbild des Rolling Stone, das Scully und Mulder im Bett zeigt), die berühmten leuchtenden Schlüsselanhänger (sechs Motive), eine X-Files-Uhr mit fies leuchtendem X und vier verschiedene Mousepads. Ein besonderer Gag ist der Magic-Becher, dessen Aufdruck »Trust no one« sich bei Erhitzung zu »The truth is out there« - den Leitsprüchen der Serie - wandelt. Beim vgs-Verlag erscheinen Romane, die auf der Serie basieren, sowie nacherzählte Episoden. Auch Hintergrundmaterial für den wißbegierigen Fan gibt es ohne Ende: Akte X - das offizielle Kompendium (ein Episodenführer), daneben ein inoffizielles Kompendium (Heyne TB) mit einem Akte-X-Quiz und netten Zusatzinformationen in Sachen Monster und Übersinnliches. Mit letzterem befassen sich auch die Wahren X Akten (vgs). Die Autorin Jane Goldman gibt dem Leser einen Schnellkurs in Sachen Paranormales, Freaks und UFOs. Die Akte X Comics erscheinen bei Carlson. Ein absolutes Muß sind die Songs in the Key of X. Ganz in der Tradition der ungelösten Fälle sind auf der CD zwei Tracks versteckt.

Die Epigonen

Auch für Akte X gilt: Je mehr Nachahmer eine Serie hat, desto erfolgreicher ist sie. Und so tauchten in den USA regelmäßig zu Beginn einer neuen Staffel diverse Akte-X-Klons auf. Bereits kurz nach dem Start der ersten Staffel versuchte das Fox Network sich im eigenen Haus Konkurrenz zu machen. VR 5 sollte neue Computertechnologie (Virtuelle Realität) mit phantastischen SF-Elementen verbinden: Sidney Bloom (Lori Singer) kann mittels eines Computers, eines VR-Programms und eines Telefons den Teilnehmer am anderen Ende der Leitung in seine oder ihre Phantasiewelt entführen. Eine hirnrissige Story. Da half es auch wenig, daß der Cyberpunk-Autor John Shirley als Story Editor engagiert wurde, mit Auftrag, den Scripts einen X-Files-Touch zu verpassen. Die Serie wurde nach wenigen Folgen abgesetzt. Trotzdem wurde das Machwerk von der ARD eingekauft.

In den USA ebenfalls wieder abgesetzt wurde Strange Luck - auch hierzulande im Doppelpack mit Akte X zu sehen. Der Fotojournalist Chance Harper überlebte als Kind als einziger einen Flugzeugabsturz und hat seitdem unwahrscheinliches Glück - naja. Recht erfolgreich ist hingegen Sliders - Das Tor in eine fremde Dimension (Sliders • USA 1995-) eine Serie, die das Konzept von Time Tunnel (einer Serie aus den 60er Jahren um zwei Wissenschaftler, die im Zeitstrom gefangen sind) variiert. In Sliders (hierzulande bei RTL ausgestrahlt) bewegen sich die vier Protagonisten durch Parallelwelten. Nowhere Man - eine Art »Dr. Kimble in der Twilight Zone« mit einem Schuß Akte-X-Verschwörung lief ebenfalls bei RTL.

Neu aufgelegt wurde Outer Limits, die Kultserie aus den 60er Jahren. Die Gemeinsamkeit mit Akte X: das düstere Erscheinungsbild der Show - ein Happy End ist nicht immer vorgesehen. Dark Skies - ebenfalls auf Pro 7 - spinnt die X-Files-Idee von der Verschwörung in Sachen Außerirdische noch weiter. Die Macher der Serie, Brent Friedman und Bryce Zabel, vermischen Fiktion und Wahrheit auf recht clevere Weise. Endlich erfährt man, wer hinter dem Attentat auf JFK steckt: natürlich die Außerirdischen.

Einige der neueren Episoden der X-Files bewegen sich thematisch in Richtung Mythologie und Religion. Doch am Horizont dräuen dunkle Wolken. Woher die Ideen für immer neue Folgen nehmen? Zwar meldeten sich das Autorenteam Glen Morgan und James Wong nach der Bauchlandung mit ihrer eigenen SF-Serie Space 2063 beim X-Files-Team zurück, doch Darin Morgan, einer der Top-Autoren, verließ das Team nach der dritten Staffel - wegen Erschöpfung. Chris Carter hingegen engagiert sich mit einer neuen Serie um einen Serienkiller. Millennium mit Lance Hendrickson in der Hauptrolle - startete Ende Oktober 1996 in den USA auf dem alten Sendeplatz von X-Files.

© Myra ÇakanALIEN CONTACT

Siehe auch
Die Wahrheit hinter Akte X - Von Übersinnlichem und Außerirdischem
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Credits

deutscher Titel:Akte X - die unheimlichen Fälle des FBI
Originaltitel:The X-Files
Genre:Mystery
Land und Jahr:CDN/USA 1994-2002
Sender:Fox • Pro 7
US-Erstausstrahlung:10.9.1993 (Fox)
deutsche Premiere:5.9.1994 (Pro 7)
Idee:Chris Carter
Produktionsfirma:Ten Thirteen Productions
Twentieth Television:
Kamera:Thomas Del Ruth (Pilot)
John S. Bartley
Musik:Mark Snow

Darsteller

Fox Mulder:David Duchovny (Benjamin Völz*)
Dana Scully:Gillian Anderson (Franziska Pigulla*)
Walter S. Skinner:Mitch Pileggi
Cigarette-Smoking Man:William B. Davis
The Lone Gunmen:Bruce »Byers« Harwood
Tom »Frohike« Brainwood
Dean »Langly« Hagland
»Deep Throat«:Jerry Hardin
Mr. X.:Steven Williams
Alex Krycek:Nicholas Lea
Margaret Scully:Sheila Larken
*) dt. Synchron
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