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Antz

Antz • USA 1998

Handlung | Produktion | Kritik | Medieninfo | Credits | Sprecher

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Handlung

Es ist nicht leicht, sich in einer modernen Massengesellschaft als Individuum zu verwirklichen und sich gegen den Eindruck zu behaupten, nur ein unbedeutendes Rädchen im Getriebe zu sein. Was bereits für einen Menschen zum schwierigen Problem werden kann, gilt insbesondere für Z-4195, denn er ist nur eine von Millionen Ameisen eines straff organisierten Staates. Und als Mitglied der Arbeiterkaste tendieren seine Möglichkeiten zur individuellen Lebensgestaltung gegen Null. Dann fällt ein Lichtstrahl in sein tristes Leben, als er eines Abends in der Bar Läusesaft schlürft und der hübschen Bala begegnet, in die er sich sofort verliebt. Einer Vertiefung dieser Romanze steht die Tatsache entgegen, daß Bala die Prinzessin des Ameisenstaats ist und sich niemals mit einem simplen Arbeiter einlassen darf. Außerdem hat ihre Mutter, die Königin, sie dem stattlichen General Mandible versprochen. Dieser rüstet übrigens gerade zu einem großen Feldzug gegen die Termiten, und dummerweise kommt Z genau zu diesem Zeitpunkt auf die Idee, mit seinem Saufkumpanen Weaver, einem Soldaten, die Rollen zu tauschen, um seiner geliebten Prinzessin bei der bevorstehenden Parade näher zu sein. Jedoch hat er nicht damit gerechnet, daß die Armee unmittelbar im Anschluß an die Parade in den Krieg zieht. Die Ameisen werden bis auf die letzte Emse von den Termiten massakriert, und Z überlebt nur durch einen dummen Zufall.

Nach seiner Rückkehr wird er als Held gefeiert und plötzlich zum unfreiwilligen Anführer einer individualistischen Revolution im Ameisenstaat, was der Obrigkeit natürlich gar nicht behagt. Gemeinsam mit Bala flüchtet Z sich nach »Insektopia«, dem Paradies aller sechsbeinigen Geschöpfe - einem Abfallhaufen, in dem sich lauter leckere Sache in Hülle und Fülle finden. Doch das Paar kann sich der Verantwortung nicht auf Dauer entziehen und kehrt schließlich zurück, um den Ameisengemeinschaft vor General Mandibles finsteren Plänen zu retten.


Foto: UIP

Produktion

Obwohl die Technik der Computeranimation seit einigen Jahren nicht mehr aus dem Filmgeschäft wegzudenken ist, stellt Antz nach Toy Story (Toy Story • USA 1995) erst den zweiten hundertprozentig am Computer animierten Spielfilm dar. Die Idee zu diesem Film geht ins Jahr 1991 zurück, als Tim Johnson, ein Mitarbeiter der Animationsabteilung von Pacific Data Images (PDI) das Projekt »Lights Out« entwickelte. Im November 1995 erfuhr Johnson zu seiner Verblüffung, daß bei der von Steven Spielberg gegründeten Firma DreamWorks SKG unter der Leitung von Nina Jacobson an einer sehr ähnlichen Geschichte gearbeitet wurde. Also schlossen sich im Frühjahr 1996 PDI und DreamWorks zusammen, um ihre kreative Energie in ein gemeinsames Ameisen-Projekt zu stecken, das Johnson nun zusammen mit dem Co-Regisseur Eric Darnell und den DreamWorks-Produzentinnen Penney Finkelman Cox und Sandra Rabins realisierte.

Die Firma PDI ist im übrigen schon seit fast zwanzig Jahren auf dem Gebiet der Computeranimation tätig. Unter der Leitung ihres Gründers und Präsidenten Carl Rosendahl entstanden seit 1980 veschiedene Kurzfilme, Werbespots und Computertricks für Spielfilme wie Ghost - Nachricht von Sam (Ghost • USA 1990) und Batman & Robin (Batman & Robin • USA 1997). Eine besondere Leistung stellte die Morphing-Szene für Michael Jacksons Musikvideo Black & White (USA 1997) dar. Mit Antz konnte sich PDI nun als ernstzunehmende Konkurrenz zu den Branchenriesen ILM und Pixar etablieren.

Für die Animation der Computer-Ameisen waren insbesondere Raman Hui und Rex Grignon (der schon an Toy Story mitgewirkt hatte) verantwortlich. Dabei mußten sie sich an Storyboards orientierten, die immer noch wie seit Jahrzehnten per Hand auf Papier gezeichnet wurden. Für die Animation der recht menschenähnlichen Ameisengesichter kamen völlig neue Programme zum Einsatz, die nicht nur die menschliche Mimik nachbilden, sondern sogar die Mundbewegungen auf die Laute des Dialogtextes abstimmen können. Weitere Fortschritte wurden bei der Computeranimation von Wasser und Massenszenen erzielt - wodurch es möglich wurde, bis zu 60.000 Figuren gleichzeitig in Bewegung zu zeigen.

 

 

Kritik

Antz - übrigens eine Verballhornung des englischen Begriffs ants für »Ameisen« - geht noch einen Schritt weiter als Disney mit dem Zeichentrickdrama König der Löwen, das schon kein reiner Kinderfilm mehr war. Antz ist zwar ein zumeist lustiger und sehr unterhaltsamer Film mit einer klassischen Märchenhandlung - aber es ist eindeutig ein Märchen für Erwachsene. Einen nicht unwesentlichen Anteil an dieser Seriosität hat sicherlich die hochkarätige Starbesetzung, denn für die Sprecher der Trickfiguren wurden ausschließlich große Namen engagiert. Woody Allen glänzt in einer Paraderolle als neurotischer Z und ergänzt sich hervorragend zu seinem ungewöhnlichen Partner Syvester Stallone in der Rolle des tumben Weaver. (Stallone wurde übrigens von seinem langjährigen Freund, dem DreamWorks-Chef Jeffrey Katzenberg, dazu überredet, diese Rolle zu übernehmen. Keiner der verpflichteten Stars hatte jemals zuvor im Synchrongewerbe gearbeitet.) Genauso hervorragend besetzt sind die Sex-Ikone Sharon Stone als Bala, »tough guy« Gene Hackman als überzeugend autoritärer General Mandible (»Beißzange«) sowie Anne Bancroft als Königin und Dan Aykroyd als arrogante Wespe (Achtung, Wortspiel: in den USA werden auch die alteingesessenenen »weißen angelsächsischen Protestanten« von der Ostküste als »WASPs« bezeichnet). Es lohnt sich also, diesen Film in der amerikanischen Originalfassung anzuschauen - obgleich die deutsche Synchronisation durchaus gelungen ist, zumal glücklicherweise genau die deutschen Sprecher gewonnen werden konnten, die diesen Stars auch sonst ihre Stimmen leihen.

Auch wenn die Gesichter der Trickfiguren etwas Karikaturenhaftes haben, konnten die Gestalter des Films der Versuchung widerstehen, die Sprecher zu karikieren. Die Entscheidung für Ameisen mit menschlichen Augen und Lippen entspricht auf sehr anschauliche Weise dem aktuellen Stand der Computeranimation, die bereits recht überzeugend menschliche Mimik imitieren kann, aber in einem »richtigen« menschlichen Gesicht immer noch zu künstlich wirken würde.


Foto: UIP

Medieninfo

Nachdem Disney und Pixar mit Toy Story (Toy Story • USA 1995) den ersten kompletten Computertrickfilm realisiert hatten, liefert sich der Branchenneuling PDI nun ein Wettrennen mit seinen potenten Konkurrenten. So wurde der Starttermin von Antz vorgezogen, um der Disney-Pixar-Produktion A Bug’s Life zuvorzukommen, die erst im Februar 1999 anläuft. Danach wird sich die Konkurrenz um den computeranimierten Spielfilm Nummer vier und fünf entscheiden, wenn voraussichtlich im Jahr 2000 Toy Story 2 gegen das nächste PDI-Projekt Shrek antritt.

Bernhard Kempen

Leser-Service:
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Credits

Originaltitel: Antz
deutscher Titel: Antz
Land und Jahr: USA 1998
Technik: Computeranimation, 35 mm, Technicolor, Dolby, SDDS
Regie: Eric Darnell
Tim Johnson
Drehbuch: Todd Alcott
Chris Weitz
Paul Weitz
Kamera: Tripp Hudson (Leitung)
John M. Hanashiro
(Kameratechnik)
Schnitt: Stan Webb
Effekte: Raman Hui (Figurenentwurf, Animationsleitung)
Rex Grignon
(Animationsleitung)
Ken Bielenberg
(visuelle Effekte)
Musik: Harry Gregson-Williams
John Powell
Hans Zimmer
(Produktion)
Ausstattung: John Bell
Produktion: PDI
Brad Lewis
Aron Warner
Patty Wooton
Carl Rosendahl
(ausführend)
DreamWorks SKG
Penney Finkelman Cox
(ausführend)
Sandra Rabins
(ausführend)
Uraufführung: 2.11.1998
deutscher Kinostart: 5.11.1998 (UIP)
Länge: 83 Minuten

Sprecher

Z-4195: Woody Allen
Bala: Sharon Stone
General Mandible: Gene Hackman
Weaver: Sylvester Stallone
Colonel Cutter: Christopher Walken
Barbados: Danny Glover
Chip: Dan Aykroyd
Muffy: Jane Curtin
Königin: Anne Bancroft
Azteca: Jennifer Lopez
Betrunkener Scout: John Mahoney
Vorarbeiter: Grant Shaud
Psychotherapeut: Paul Mazursky

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