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Die Chroniken von Narnia: Der König von Narnia

The Chronicles of Narnia: The Lion, The Witch and the Wardrobe • USA 2005


Handlung

England im zweiten Weltkrieg: Die Geschwister Peter, Susan, Edmund und Lucy werden im Landhaus von Professor Kirke vor den deutschen Luftangriffen in Sicherheit gebracht. In dem riesigen, verwitterten Anwesen schlagen sie mehr schlecht als recht die Zeit tot – bis Lucy, die jüngste der vier, in einem Kleiderschrank die Tür zu einem magischen Königreich entdeckt. Im winterlichen Wald von Narnia trifft sie den Faun Tumnus, der sie voll Begeisterung als »Evastochter« empfängt – sie ist der erste Mensch, den Tumnus je gesehen hat. Laut einer alten Prophezeiung ist es vier Menschen bestimmt, den seit hundert Jahre andauernden Winter zu brechen, den die Weiße Hexe Jadis über Narnia gelegt hat.

Schnell geraten auch Lucys zuerst ungläubige Geschwister in die fremde Welt – und wecken die Aufmerksamkeit der Hexe. Es gelingt Jadis, Edmund auf ihre Seite zu ziehen. Bald schon sind die anderen drei Geschwister auf der Flucht vor ihr, um einen mächtigen Verbündeten zu suchen – den Löwen Aslan ...


Foto: Buena Vista

Kritik

Narnia ist in der unglücklichen Position, sich an einem Haufen Meßlatten beweisen zu müssen: Da ist zuerst einmal der naheliegende Vergleich mit Peter Jacksons Herr-der-Ringe-Verfilmungen, dann der mit Harry Potter. Für Kenner ist natürlich entscheidend, wie der Film sich im Verhältnis zur Buchvorlage macht – ganz zu schweigen von der märchenhaften Zeichentrickversion aus den 70er Jahren und der englischen Fernsehserie aus den 80ern (die durch den billigen Charme ihrer mehr als naiven Tierkostüme zu bestechen wusste). Vielleicht hat man sich dadurch etwas einschüchtern lassen, denn in gewisser Weise versucht der Film, alles zugleich zu sein – und ist an keiner Front wirklich erfolgreich.

Dabei beginnt Narnia eigentlich recht vielversprechend: Die Luftangriffe auf England werden knapp und eindringlich in Szene gesetzt und bauen eine bedrohliche Atmosphäre auf, die im Rest des Films leider nie wieder erreicht wird. Und auch Lucys erster Vorstoß nach Narnia ist, obwohl hart am Rande weihnachtlichen Kitsches, absolut gelungen - überhaupt ist die zehnjährige Georgie Henley nicht nur die jüngste, sondern auch die überzeugendste Darstellerin unter den vier Geschwistern. Ihre Szenen mit James McAvoy als Faun Tumnus sind ein wahrer (und leider viel zu kurzer) Genuss. Auch Edmunds erster Ausflug nach Narnia und seine Begegnung mit der Hexe Jadis ist eindringlich. Skandar Keynes beweist sich hier in der Rolle des Außenseiters unter den vier Geschwistern ebenfalls als überzeugender Schauspieler, der neben einer versierten Charakterdarstellerin wie Tilda Swinton bestehen kann.

Als die vier Hauptfiguren dann allerdings komplett in Narnia eintreffen, verfliegt die Magie schnell: Susan und Peter bleiben einfach zu blass und eindimensional. Die leicht verkrampfte Spielweise William Moseleys passt zwar zu Beginn noch zum sich als Autoritätsfigur aufspielenden großen Bruder – später im Film, wenn wir ihm den strahlenden Ritter abnehmen sollen, wird sie aber zu einem der zahlreichen Stolpersteine des Films. Wenn man sieht, wie Peter sein Schwert vor sich hält wie einen Hockeyschläger, möchte man es ihm wegnehmen und ihn in die Schule zurückschicken. Und für Susan (Anna Popplewell) bleibt nicht mehr übrig als die Rolle der zunehmend unsympathischen Besserwisserin. Bei allem Wohlwollen gelingt es den vier Hauptdarstellern einfach nicht, den Film zu tragen. Das ist deshalb verhängnisvoll, weil es die einzigen Figuren des Films sind, die – zumindest potentiell – eine gewisse Tiefe und Entwicklungsfähigkeit aufweisen. Zwar bringt Tilda Swinton die furchteinflößende Macht der weißen Hexe effektiv auf den Punkt, ihre Rolle ist aber notwendigerweise so eindimensional, dass sie die entstehende Lücke nicht füllen kann. Die übrigen, größtenteils computeranimierten Figuren können das emotionale Gewicht der Handlung ebenfalls nicht tragen. Das gilt insbesondere für Aslan, der als klassischer weiser Mentor in erster Linie einschläfernd wirkt. Tatsächlich ist die eindringlichste Figur unter den computeranimierten Tieren Jadis’ Wolfshauptmann Maugrim, der immerhin das Charisma eines klassischen Bösewichts an den Tag legt.

Vor allen Dingen aber vermittelt der Film zu keinem Zeitpunkt den Ernst der Handlung, den man in der Eröffnungssequenz so deutlich spürt. Niemals stellt sich auch nur die Spur eines echten Bedrohungsgefühls für die vier Geschwister ein. Als der Weihnachtsmann Peter sein Schwert überrecht, erklärt er, dass es sich um ein Werkzeug, kein Spielzeug handele. Tatsächlich stellt sich aber das entgegengesetzte Gefühl ein: Die Schwerter des Films sind Spielzeuge, die Geschichte eine Kinderphantasie. Dem Film misslingt damit der selbstauferlegte Spagat zwischen bravem Kinderfilm und Fantasy-Epos: Er kann schlicht nicht die Intensität eines Herrn der Ringe erreichen, nicht einmal die der letzten beiden Harry-Potter-Filme. Dass einige der Szenen mit süßlichem Gesang vom Enya-Schlage durchtränkt sind, macht es auch nicht gerade besser...

All das bedeutet nicht, dass Narnia reine Zeitverschwendung wäre: Der Film hat seine magischen Momente, und dann und wann kann man sich sogar von ihnen forttragen lassen. Die Tricktechnik lässt kaum zu wünschen übrig (an einigen Stellen wirkt die Animation zu glatt), und die Faune und Zentauren sind herausragende, absolut überzeugende Schöpfungen. Die Erregung darüber, dass Narnia fundamentalchristliche Propaganda sei, ist nicht nachvollziehbar: Das bisschen christliche Allegorie, dass der Film enthält, ist eher Teil einer zusammengewürfelten Mythologie – hier wird niemanden eine Weltanschauung über den Schädel gezogen, sieht man mal vom Beharren auf familiären Werten ab, das aber beileibe keine Besonderheit dieses Films darstellt.

Wem die Kindheit durch die Narnia-Bücher versüßt würde, der wird auch im Film den einen oder anderen speziellen Moment wieder entdecken. Um wirklich die Magie und das Staunen der eigenen Kindheit wiederzuerwecken, ist diese Verfilmung allerdings – paradoxerweise – zu kindgerecht.

• Jakob Schmidt • ALIEN CONTACT

Siehe auch
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Credits

Originaltitel:The Chronicles of Narnia
The Lion, The Witch and the Wardrobe
deutscher Titel:Die Chroniken von Narnia
Der König von Narnia
Land und Jahr:USA, 2005
Regie:Andrew Adamson
Buch:Ann Peacock
Vorlage:C.S. Lewis,The Lion, the Witch and the Wardrobe
Kamera:Donald McAlpine
Schnitt:Sim Evan Jones
Jim May
Musik:Harry Gregson-Williams
Produktionsdesign:Roger Ford
Effekte:Dean Wright
Kostüme:Isis Mussenden
Maske:Paige Badenoch
Produktion:Mark Johnson
Philip Steuer
Koproduktion:Douglas Gresham
Ausführender Produzent:Andrew Adamson
Perry Moore
deutscher Kinostart:8.12.2005 (Buena Vista)
Länge:138 min.
FSK:ab 6 Jahre

Darsteller

Lucy Pevensie:Georgie Henley
Edmund Pevensie:Skandar Keynes
Peter Pevensie:William Moseley
Susan Pevensie:Anna Popplewell
White Witch:Tilda Swinton
Mr. Tumnus:James Mcavoy
Professor Kirke:Jim Broadbent
Ginarrbrik:Kiran Shah
Father Christmas:James Cosmo
Mrs. Pevensie:Judy Mcintosh
Mrs. MacReady:Elizabeth Hawthorne
Oreius:Patrick Kake
General Otmin:Shane Rangi
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