HandlungDer Arzt Dr. William Hartford und seine hübsche Frau Alice scheinen eine Bilderbuchehe zu führen. Sie haben ein wohlgeratenes Kind, sind nicht unvermögend und verstehen sich ausgezeichnet. Auf der Party ihres Geschäftsfreundes Dr. Ziegler plaudern sie mit Bekannten und Unbekannten und sind auch einem kleinen Flirt nicht abgeneigt. Alice genießt es, sich vom charmanten Ungarn Sandor Szavost umwerben zu lassen, hält seinen Verführungsversuchen jedoch stand. Bill wird von zwei jungen Models umschwärmt, doch bevor es zu einer möglicherweise gefährlichen Situation kommen kann, ruft Ziegler ihn zu Hilfe. Im Zimmer des Gastgebers liegt die splitternackte und bewußtlose Mandy, die sich offensichtlich durch Drogen außer Gefecht gesetzt hat, bevor es zu Intimitäten kommen konnte. Als Bill und Alice den Abend bei einem gemütlichen Joint Revue passieren lassen, konzentriert sich das Gespräch bald auf die Themen Treue und Eifersucht, doch es ist Alice, die Bill nun eine intensive Seitensprungphantasie beichtet. Mitten in dieser ehelichen Krisensituation wird Bill zu einem Todesfall in einer befreundeten Familie gerufen. Der alte Nathanson ist friedlich im Schlaf gestorben, und als Bill die trauernde Tochter Marion zu trösten versucht, gesteht sie ihm unvermittelt ihre glühende Liebe. Der Anstand bleibt gewahrt, weil kurz darauf Marions Verlobter Carl eintrifft. Doch die Serie der Versuchungen reißt nicht ab. Anschließend wird Bill auf der Straße von einer Nutte angesprochen, der es schließlich gelingt, ihn mit in ihre Wohnung zu nehmen. Und wieder wird Bill vor einer ehelichen Untreue bewahrt, als Alice sein Handy anruft und sich erkundigt, wo er so lange bleibt. Irgendwann landet Bill in einem Jazzclub, wo er den Pianisten Nick Nightingale wiedertrifft. Die ehemaligen Studienkollegen hatten auf Zieglers Party kurz miteinander gesprochen. Nick erzählt ihm nun, daß er in dieser Nacht wieder mit verbundenen Augen für eine geheimnisvolle Gesellschaft spielen soll und verrät Bill die Parole »Fidelio«. Bills Neugier treibt ihn schließlich zum herrschaftlichen Anwesen außerhalb der Stadt, wo er sich mit Maske und Paßwort tatsächlich Einlaß verschaffen kann. Hier wohnt er einer mystischen Zeremonie bei, in deren Verlauf sich ein Kreis nackter junger Frauen mit den vermummten Männern in die anliegenden Zimmer zurückzieht, um hemmungslose Orgien zu feiern. Eine der maskierten Frauen ermahnt Bill, schnellstens von diesem Ort zu verschwinden, weil ihm große Gefahr droht. Schließlich wird er als Nichteingeweihter entlarvt und vom Zeremonienmeister zur Rede gestellt. Die Frau, die Bill warnen wollte, erklärt sich bereit, seine Strafe auf sich zu nehmen. Bill wird entlassen, nachdem er geschworen hat, kein Wort über diese Zusammenkunft zu verlieren. Nun geraten die Dinge immer mehr aus den Fugen. Als er nach Hause kommt, erzählt seine Frau ihm von einem beunruhigenden erotischen Traum, in dem sie ihren Gatten mit fremden Männern betrügt. Dann erfährt Bill aus der Zeitung, daß Mandy an einer Überdosis gestorben ist und besucht ihren bleichen Körper im Leichenschauhaus. Ziegler, der ebenfalls an der Orgie teilgenommen hat, fordert Bill noch einmal auf, sich nicht in Dinge einzumischen, die ihn nichts angehen, beteuert aber, daß Mandys Tod nichts mit allem zu tun hat. Als Alice ihren Mann schließlich mit der Maske konfrontiert, die er an den Kostümverleih zurückzugeben versäumt hat, bricht er zusammen und gesteht ihr alles. Zum versprochenen Weihnachtseinkauf mit ihrer Tochter reißen sie sich mühsam zusammen, bis sie zur Erkenntnis gelangen, daß es trotz ihres scheinbar unstillbaren Dranges nach Untreue dennoch eine gemeinsame Basis gibt, auf der sie ihre Ehe fortsetzen können. |
![]() |
![]() |
|
ProduktionDie Geschichte dieses Films begann vor 30 Jahren, als Stanley Kubrick nach Fertigstellung von 2001 - Odyssee im Weltraum (2001: A Space Odyssey GB 1968) über einen Strohmann die Rechte an Arthur Schnitzlers Traumnovelle (1926) kaufte. Mit den ersten Drehbuchentwürfen des Autors Frederic Raphael war er jedoch unzufrieden, so daß das Projekt zunächst auf Eis gelegt wurde. Raphael veröffentlichte kurz darauf den Roman Who Were You With Last Night?, der Motive des Skripts enthält. Kubrick sprach erstmals 1973 öffentlicht darüber, seit längerem eine Verfilmung der Traumnovelle zu planen. Doch erst 20 Jahre später begannen die konkreteren Vorbereitungen des Projekts - nachdem Kubricks Ehefrau Christiane jahrelang strikt dagegen gewesen war. Obwohl die Handlung der Vorlage von Schnitzler, die im Wien der zwanziger Jahre spielt und deutlich von der Psychoanalyse Sigmund Freuds beeinflußt ist, ins New York der Neunziger verlegt wurde, hatte das Thema nichts von seiner Brisanz verloren. War es bewundernswerter Mut oder schlicht Ahnungslosigkeit, als Nicole Kidman und Tom Cruise - auch privat ein Ehepaar - 1994 zusagten, die Hauptrollen zu übernehmen, nachdem sie zu den ersten gehört hatten, die das fertige Drehbuch lesen durften? Jedenfalls erwiesen sich die Dreharbeiten, die am 4. November 1996 in den Londoner Pinewood Studios begannen, als erhebliche Belastung für das Schauspielerpaar. Daß Tom Cruise ein Magengeschwür bekam, lag sicherlich nicht nur daran, daß der Perfektionist Kubrick manche Szenen bis zu hundertmal wiederholen ließ. Trotz diverser Trennungsgerüchte scheinen Cruise und Kidman die Prüfungen schließlich überstanden zu haben. Auch für die übrigen Schauspieler waren die Dreharbeiten offenbar nicht unproblematisch. Nach sechs Monaten warf Harvey Keitel entnervt das Handtuch und wurde durch den Schauspieler und Regisseur Sydney Pollack in der Rolle des Dr. Ziegler ersetzt. Nach 15 Monaten waren die Dreharbeiten für Tom Cruise am 31. Januar 1998 vorläufig abgeschlossen. Doch Kubrick holte am 11. April noch einmal alle Darsteller zurück, um Szenen nachzudrehen, mit denen er unzufrieden war. Da Jennifer Jason Leigh bereits für David Cronenbergs Film eXistenZ (eXistenZ Kanada/GB 1998) zugesagt hatte, mußten ihre Szenen als Marion Nathanson mit Marie Richardson nachgedreht werden. Am 15. Juni 1998 konnten die Dreharbeiten nach insgesamt 17 Monaten endgültig abgeschlossen werden. Die Produktionskosten beliefen sich schließlich auf 65 Millionen Dollar. Um die Manhattan-Kulissen möglichst authentisch zu dekorieren, ließ Kubrick sogar originalen amerikanischen Müll in die englischen Studios einfliegen. Der Schnitt zog sich bis zum 3. März 1999 hin, und nur vier Tage später, am 7. März 1999, starb Stanley Kubrick. Terry Semel von Warner Bros. sprach noch in der Nacht vor seinem Tod mit dem Regisseur, der bei bester Laune und sehr zufrieden mit seinem Film gewesen sein soll. |
|
![]() |
|
KritikEyes Wide Shut - »Die Augen weit geschlossen« - ist der letzte Film von Stanley Kubrick, der ohne Zweifel zu den größten Filmregisseuren des zwanzigsten Jahrhunderts zählt. Der publikumsscheue Exzentriker und Perfektionist hatte sich bereits zu Lebzeiten zu einem Mythos stilisiert, indem er keinerlei Öffentlichkeit während der mehrjährigen Produktionsphase seiner Filme duldete. Stanley Kubrick starb vier Tage nach Fertigstellung von Eyes Wide Shut, was diesen Film in den mythisch verklärten Rang eines Vermächtnisses erhebt - und damit eine sachliche Kritik nahezu unmöglich macht.Kubricks Hauptwerk ist von den Themen Krieg (Dr. Strangelove, Full Metal Jacket) und Aggression (2001, Uhrwerk Orange, Shining) dominiert. In Eyes Wide Shut geht es um die Ehe, um die Frage, ob und wie Männer und Frauen zusammenleben können. Auch wenn dieses Sujet auf den ersten Blick vergleichsweise harmlos erscheint, ist sich Kubrick treu geblieben, weil er das Thema genauso angeht, wie es für seine anderen Filme typisch ist, nämlich mit erbarmungsloser Offenheit. In weiten Strecken erinnert Eyes Wide Shut an die Ehedramen von Ingmar Bergman, in denen ähnlich gründliche Autopsien einer Beziehung vollzogen werden. Die Botschaft, die Kubrick am Ende des Films vermittelt, wurde allerdings selten in dieser unverblümten Schärfe und Direktheit artikuliert. Männer und Frauen können sich niemals wirklich treu sein. Sie leben in der Gesellschaft anderer Menschen, in der sich ständig neue Beziehungen ergeben, die an einer ehelichen Beziehung zerren. Selbst wenn sich beide Partner redlich bemühen, nicht aktiv untreu zu werden, machen sich die trennenden Tendenzen in Form von Träumen, Phantasien oder Sehnsüchten bemerkbar. Die einzige Möglichkeit, mit diesen Tatsachen umzugehen, besteht darin, die Realität mit offenen Augen anzuerkennen. Es hat keinen Sinn, sich an realitätsferne Illusionen zu klammern. Ein Zusammenleben ist nur möglich, indem das Trennende akzeptiert wird - was in letzter Konsequenz wieder eine gemeinsame Basis einer Partnerschaft darstellt. Vor allem die amerikanischen Kritiker hatten gewisse Probleme mit Eyes Wide Shut, weil Kubrick fast keine Gelegenheit ausließ, nackte Frauenkörper in allen Lebenslagen zu zeigen - sogar auf der Toilette, beim Arztbesuch und als Leiche. So wurde das Werk als »Altmännerphantasie« geschmäht, obwohl die meisten Nacktszenen gar nicht in der US-Fassung auftauchen oder durch computergenerierte Statisten verdeckt wurden. Auch die britische Fassung wurde verändert, weil Hindu-Organisationen dagegen protestierten, daß während der Orgie aus dem Bhagavad-Gita zitiert wird. |
|
MedieninfoIm Fischer-Verlag erschien im September 1999 das Buch Eyes Wide Shut Raphael schrieb über seine Zusammenarbeit mit Kubrick das Buch Eyes Wide Open: A
Memoir of Stanley Kubrick Bernhard
Kempen |
|
|
| deutscher Titel: | Eyes Wide Shut |
| Originaltitel: | Eyes Wide Shut |
| Land und Jahr: | USA 1999 |
| Technik: | 35 mm / Farbe (DeLuxe) & sw DTS / Dolby Digital / SDDS |
| Regie: | Stanley Kubrick |
| Drehbuch: | Stanley
Kubrick Frederic Raphael |
| Vorlage: | Arthur Schnitzler, Traumnovelle (1926) |
| Kamera: | Larry Smith |
| Schnitt: | Nigel Galt |
| Effekte: | Effects Associate Ltd. The Computer Film Company (digitale Effekte) Garth Inns (Spezialeffekte) Charles Staffell (Rückprojektion) |
| Musik: | Jocelyn Pook (Originalmusik) György Ligeti (Musica Ricercata No. 2) Franz Liszt (Nuages Gris) Wolfgang Amadeus Mozart (Requiem) Dmitri Shostakovich (Jazz Suite No. 2) |
| Ausstattung: | Leslie Tomkins Roy Walker |
| Kostüme: | Marit Allen |
| Maske | Robert McCann |
| Produktion: | Hobby Films Pole Star Warner Bros. Stanley Kubrick Brian W. Cook (Co-Produzent) Jan Harlan (ausführend) |
| Uraufführung: | 13.7.1999 in Los Angeles |
| US-Kinostart: | 16.7.1999 |
| deutscher Kinostart: | 30.9.1999 (Warner) |
| deutscher Videostart: | 30.9.2000 |
| Länge: | 159 Minuten |
| | FSK ab 16 Jahre |
| Dr. Bill Harford: | Tom Cruise |
| Alice Harford: | Nicole Kidman |
| Helena Harford: | Madison Eginton |
| Roz, das Kindermädchen: | Jackie Sawiris (= Jackie Sawris) |
| Victor Ziegler: | Sydney Pollack |
| Ilona Ziegler: | Leslie Lowe |
| Nick Nightingale: | Todd Field |
| Bandleader: | Peter Benson |
| Zieglers Sekretär: | Michael Doven |
| Sandor Szavost: | Sky du Mont |
| Gayle Louise: | J. Taylor |
| Nuala Windsor: | Stewart Thorndike |
| Harris: | Randall Paul |
| Mandy / Amanda Curran: | Julienne Davis |
| Lisa, Dr. Harfords Sekretärin: | Lisa Leone |
| Lou Nathanson: | Kevin Connealy |
| Marion Nathanson: | Marie Richardson |
| Carl Thomas: | Thomas Gibson |
| Rosa, Hausmädchen der Nathansons: | Mariana Hewett |
| Pöbelnde Kids: | Dan Rollman Gavin Perry Chris Pare Adam Lias Christian Clarke Kyle Whitcombe |
| Domino: | Vinessa Shaw |
| Oberkellner des Café Sonata: | Florian Windorfer |
| Milich: | Rade Sherbedgia (= Rade Serbedzija) |
| Milichs Tochter: | Leelee Sobieski |
| Japaner: | Togo Igawa Eiji Kusuhara |
| Taxifahrer: | Sam Douglas |
| Hotelangestellter: | Alan Cumming |
| Marineoffizier: | Gary Goba |
| Mann am Tor: | Angus MacInnes |
| Butler: | Brian W. Cook |
| Geheimnisvolle Frau: | Abigail Good |
| Mann im roten Umhang: | Leon Vitali |
| Maskierte Partygäste: | Colin Angus Karla Ashley Kathryn Charman James DeMaria Anthony DeSergio Janie Dickens Laura Fallace Vanessa Fenton Georgina Finch Peter Godwin Joanna Heath Lee Henshaw Ateeka Poole Adam Pudney Sharon Quinn Ben De Sausmarcz (= Ben De Saumserez) Emma Lou Sharratt Paul Spelling Matthew Thompson Dan Travers Russell Trigg Kate Whalin |
| Kellnerin im Gillespies: | Carmela Marner |
| Sally: | Fay Masterson |
| Verfolger: | Phil Davies |
| Kellnerin im Sharkys: | Cindy Dolenc |
| Pförtnerin im Krankenhaus: | Clarke Hayes |
| Angestellter im Leichenschauhaus: | Treva Etienne |
| Besitzer des Coffee Shops: | Tres Hanley |
| Mann am Zeitungsstand: | Emilio D'Alessandro |
| Gast im Cafe Sonata: | Stanley Kubrick |