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Fantasia 2000

Fantasia 2000 • USA 1999


Ein Traum in Klängen und Farben

Handlung

Sechzig Jahre nach dem Zeichentrickklassiker Fantasia (Fantasia • USA 1940) entstand in den  Walt Disney Studios die Fortsetzung Fantasia 2000. Wieder wurden Werke der klassischen Musik von Disney-Zeichnern phantasievoll interpretiert. In den Überleitungen treten bekannte Stars wie Steve Martin, Itzhak Perlman, Quincy Jones, Bette Midler und Angela Lansbury auf. Es spielt das Chicago Symphony Orchestra unter der Leitung von James Levine.

Den Anfang macht Ludwig van Beethovens Symphonie Nr. 5, zu der abstrakte Schmetterlinge tanzen. Das phantastische Leben der Wale im Eismeer wird von Ottorino Respighis Pinien von Rom (Pini di Roma) begleitet. Die nächste Episode führt ins New York der vierziger Jahre - im Stil des Karikaturisten Al Hirschfeld und zu den Klängen von George Gershwins Rhapsody in Blue. Das 2. Klavierkonzert von Dimitri Schostakowitsch bildet den Hintergrund für Hans Christian Andersens Märchen »Der standhafte Zinnsoldat«. Der Karneval der Tiere von Camille Saint-Saens inspirierte die Zeichner zum Jo-Jo-Tanz der Flamingos. Nachdem Mickey Mouse noch einmal die Hauptrolle in Paul Dukas' Der Zauberlehrling spielt, kommt auch sein Rivale Donald Duck zum großen Fantasia-Auftritt. Zu den Klängen von Edward Elgars Pomp and Circumstance mimt er den überforderten Assistenten Noahs und verliert in den Wirren der Sintflut prompt seine geliebte Daisy aus den Augen. Den Abschluß bildet die Feuervogel-Suite von Igor Strawinsky, die durch eine Allegorie auf das alljährliche Wiedererwachen des Lebens illustriert wird.

 


Foto: Buena Vista

Foto: Buena Vista

Produktion

Seit der Fertigstellung von Fantasia (Fantasia • USA 1940) entwickelte Walt Disney immer neue Pläne für eine Fortsetzung oder Weiterführung seines Herzensprojekts. Kurz nach 1940 entstand eine Sequenz zu Claire de Lune von Claude Debussy, es gab Entwürfe für den Hummelflug, und Igor Strawinsky hatte unmittelbar nach einer Privataufführung der Frühlingsopfer-Sequenz die Rechte an seiner Feuervogel-Suite an Disney verkauft. Ursprünglich sollte jedes Jahr eine neue Zusammenstellung mit neuen und alten Sequenzen herauskommen, doch in den Jahren des Zweiten Weltkriegs ließ sich ein solches Projekt einfach nicht finanzieren. Mit Lachkonzert in Entenhausen (Make Mine Music • USA 1946) konnte Disney einige dieser Ideen im seinerzeit populären Swing-Stil umsetzen.

Erst nachdem sich Fantasia 1991 als Video-Verkaufsschlager erwiesen hatte, konnte Walts Neffe Roy E. Disney den Studio-Chef Michael Eisner überzeugen, eine Fortsetzung in Angriff zu nehmen. Zunächst sollte der Film Fantasia Continued heißen und jeweils zur Hälfte aus alten und neuen Sequenzen bestehen. Nach achtjähriger Produktionszeit entstanden sieben neue Episoden, die zusammen mit dem Zauberlehrling aus dem Original von 1940 als Fantasia 2000 in die Kinos gebracht wurden.

 


Foto: Buena Vista

Kritik

Fantasia war 1940 ein innovativer Meilenstein in der Geschichte des Zeichentrickfilms. Da mit Fantasia 2000 genau dasselbe Konzept verfolgt wurde, kann für die Neuauflage zwangsläufig nicht dasselbe gelten. Wer Fantasia kennt, weiß ziemlich genau, was man von Fantasia 2000 zu erwarten hat. Der Zauberlehrling wurde sogar original aus dem Werk von 1940 übernommen - und wirkt damit trotz aufwendiger Restaurierung wie ein Fremdkörper innerhalb des neuen Films, der in einem breiteren Format und mit besseren technischen Mitteln realisiert wurde.

Doch auch die übrigen Episoden sind ohne große Inspiration zusammengestückelt worden. Es gibt immer wieder schöne und witzige Momente, aber der Film kommt nicht recht als Gesamtkunstwerk zur Geltung. Kurzweiligen Disney-Spaß bieten die Flamingos im Karneval der Tiere und Donald Duck in Pomp and Circumstance, während die Rhapsody in Blue und »Der standhafte Zinnsoldat« passable Kurzgeschichten erzählen - mehr nicht. Beethovens Symphonie Nr. 5 ist einfach nur nichtssagend, während Der Feuervogel und die fliegenden (!) Wale in Pinien von Rom zwar einen gewissen Charme verbreiten, aber mehrfach die Grenze zum Kitsch überschreiten. Außerdem haben sich die Disney-Epigonen zu krampfhaft bemüht, eine Entsprechung zu jeder Sequenz aus dem Werk von 1940 zu finden - Beethoven statt Bach, Wale statt Dinosaurier, Flamingos statt Nilpferde und so weiter. Niemand hat sich getraut, das Fantasia-Konzept weiterzuentwickeln, während die wirklich kreativen Trickfilmer auf Medienkunstfestivals und in die dritten Fernsehprogramme verbannt werden.

Handwerklich ist Fantasia 2000 ein makelloses Disney-Produkt. Die klassische Zeichentricktechnik wurde an vielen Stellen behutsam mit Computergraphik unterstützt, ohne daß der Zeichentrick-Touch verlorengeht - zum Beispiel beim Zinnsoldaten, den Walen und den Massenszenen mit den Schmetterlingen.

Völlig überflüssig ist das Aufgebot der Stars, die zwischen den Sequenzen ihre Faxen machen dürfen. Ein durchgängige Moderation hätte den Gesamteindruck von Fantasia 2000 nur verbessern können.


Foto: Buena Vista

Medieninfo

Fantasia 2000 wurde am 17. Dezember 1999 in der New Yorker Carnegie Hall uraufgeführt, dazu spielte live das Philharmonia Orchestra. Ähnliche Premierenfeiern gab es in London, Paris und Tokio. Am Silvesterabend 1999 wurde der Film auch im Rahmen der Millenium-Gala im Pasadena Civic Center gezeigt. Der offizielle Filmstart war am 1.1.2000 in verschiedenen IMAX-Kinos auf der ganzen Welt - unter anderem im IMAX von Speyer. Erst im Sommer 2000 kam der Film auch als 35-mm-Kopie in die normalen Kinos.

Bernhard Kempen
Fotos: Buena Vista

Siehe auch:
Walt Disney (1901-1966) Amerikanischer Zeichentrickfilmer
Walt Disney - Die abendfüllenden Zeichentrickfilme
Disneys Meisterwerke auf DVD: Ein Streifzug durch Walt Disneys Schaffensperioden
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Credits

deutscher Titel: Fantasia 2000
Originaltitel: Fantasia 2000
Land und Jahr: USA 2000
Technik: Imax / 35 mm • Dolby Stereo
Produktionsleitung: Hendel Butoy
Regie: James Algar (Der Zauberlehrling)
Gaetan Brizzi
(Feuervogel-Suite)
Paul Brizzi
(Feuervogel-Suite)
Hendel Butoy (Pinien von Rom, Klavierkonzert Nr. 2)
Francis Glebas (Pomp and Circumstance)
Eric Goldberg
(Rhapsody in Blue, Karneval der Tiere)
Don Hahn
(Moderationen)
Pixote Hunt (Symphonie Nr. 5)
Drehbuch/Konzeption: Daniel Cooper (Pomp and Circumstance)
Carl Fallberg (Der Zauberlehrling)
Eric Goldberg (Karneval der Tiere)
Dean Gordon (Pinien von Rom)
Michael Humphries (Klavierkonzert Nr. 2)
Pixote Hunt (Symphonie Nr. 5)
Carl Jones (Feuervogel-Suite)
Susan McKinsey Goldberg (Rhapsody in Blue)
Irene Mecchi (Moderationen)
Perce Pearce (Der Zauberlehrling)
William Perkins (Pinien von Rom)
David Reynolds
(Moderationen)
Vorlage: Hans Christian Andersen, »Der standhafte Zinnsoldat«
Die Bibel, 1. Mose 6-9
Kamera: Tim Suhrstedt
Schnitt: Jessica Ambinder-Rojas
Lois Freeman-Fox
Julia Gray
Craig Paulsen
Greg Plotts
Produktionsdesign: Pixote Hunt
Effekte: David Bossert (Überwachung der visuellen Effekte)
Richard E. Hollander (Überwachung der visuellen Effekte)
Ted Kierscey (Überwachung der Spezialeffekte)
Thomas C. Meyer (CGI-Software)
Musik: Ludwig van Beethoven, Symphonie Nr. 5 c-moll, op 67
Ottorino Respighi, Pinien von Rom (Pini di Roma)
George Gershwin, Rhapsody in Blue
Dimitri Schostakowitsch, Klavierkonzert Nr. 2
Camille Saint-Saens, Der Karneval der Tiere
Paul Dukas, Der Zauberlehrling
Edward Elgar, Pomp and Circumstance, March Nr. 1
Igor Strawinsky, Feuervogel-Suite
Chicago Symphony Orchestra
Yefim Bronfman (Pianist, Klavierkonzert Nr. 2)
James Levine (Dirigent)
Ralph Grierson (Pianist, Rhapsody in Blue)
Bruce Broughton (Dirigent, Rhapsody in Blue)
Philadelphia Orchestra (Der Zauberlehrling)
Leopold Stokowski (Dirigent, Der Zauberlehrling)
Produktion: Donald W. Ernst
Roy E. Disney
(ausführender Produzent)
Uraufführung: 17.12.1999 (New York, Carnegie Hall)
IMAX-Kinostart: 1.1.2000
US-Kinostart 16.6.2000
deutsche Uraufführung: 1.1.2000 (IMAX Filmtheater Speyer)
deutscher Kinostart: 20.7.2000 (Buena Vista)
deutscher Videostart: 23.11.2000 Bestellen
Länge: 75 min.

  Darsteller:

Moderatoren: Steve Martin
Itzhak Perlman
Quincy Jones
Bette Midler
James Earl Jones
Penn Jillette
Teller
Angela Landsbury
Dirigenten: James Levine
Leopold Stokowski
Pianist: Ralph Grierson
Mickey Mouse (Stimme, Zauberlehrling): Walt Disney
Mickey Mouse (Stimme, Pomp and Circumstance): Wayne Allwine
Donald Duck (Stimme): Tony Anselmo
Daisy Duck (Stimme): Russi Taylor
Sopranistin (Pomp and Circumstance): Kathleen Battle
Erzähler (Einleitung) Deems Taylor

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