Credits | Handlung | Produktion | Kritik | Medieninfo | Dinosaurier-Sequenz
| Lexikon > Film |
|
Höre die Bilder, sehe die Musik
HandlungDieser wohl ungewöhnlichste Film aus den Walt Disney Studios präsentiert mehrere Zeichentrickpassagen, die durch klassische Musikstücke inspiriert wurden. Sie sind locker durch Überleitungen verbunden, in denen der Dirigent Leopold Stokowski das Pult betritt, Mickey Mouse ihm die Hand schüttelt und auch einmal die schüchterne Lichttonspur ins Bild rücken darf. Die erste Sequenz ist gleichzeitig die experimentierfreudigste, wenn nur abstrakte Formen zu Johann Sebastian Bachs Toccata und Fuge d-moll zu sehen sind. Es folgt die Nußknacker-Suite von Peter Tschaikowsky mit dem Tanz der Pilze. Nach dem Auftritt von Mickey Mouse zu den Takten des Ballettstücks Der Zauberlehrling (L'apprenti sorcier) von Paul Dukas nach der gleichnamigen Ballade von Johann Wolfgang von Goethe beginnt der Ausflug in die Erdgeschichte, die berühmte »Dinosaurier-Sequenz«, die mit dem Frühlingsopfer (Le Sacre du Printemps) von Igor Strawinsky unterlegt ist. Zur Symphonie Nr. 6 von Ludwig van Beethoven, der Pastorale, tummeln sich Zentauren und andere mythische Gestalten in einer idyllischen Landschaft. Der Tanz der Stunden von Amilcare Ponchielli wird mit umwerfender Komik von tanzenden Krokodilen und Nilpferden illustriert. Die dämonische Nacht auf dem kahlen Berge von Modest Mussorgsky geht nahtlos in den Zug der Nonnen zum Ave Maria von Franz Schubert über. Einige Kopien des Films enthalten außerdem eine Sequenz zu Claire de Lune von Claude Debussy, die für die Fortsetzung von Fantasia vorgesehen war. |
![]() |
ProduktionWalt Disney begann 1938 mit der Arbeit an seinem dritten abendfüllenden Film, der zunächst Concert Feature (»Konzertfilm«) heißen sollte und 1940 unter dem Titel Fantasia ins Kino kam. Das Grundkonzept für diesen Film entwickelte er bereits ab 1929 mit der Reihe Silly Symphonies, in der Bild und Musik zu einer künstlerischen Einheit verschmolzen wurden. Zum Ausgangspunkt für Fantasia wurde die von James Algar inszenierte Silly-Symphonies-Folge The Sorcerer's Apprentice (USA 1938), in der Mickey Mouse als verzweifelter Zauberlehrling auftritt (der Zauberer wurde übrigens auf den Namen »Yen Sid« getauft - Disney rückwärts gelesen). Der Dirigent Leopold Stokowski, der bereits an diesem Kurzfilm mitgearbeitet hatte, konnte dazu überredet werden, auch an Fantasia mitzuwirken. Er spielte die Musik mit dem Philadelphia Orchestra ein und steuerte sogar die Idee für den letztlichen Titel des Werks bei.
Insgesamt kostete Fantasia 2,28 Millionen Dollar, eine für damalige Verhältnisse enorme Summe. Die Premiere fand am 13. November 1940 im Broadway Theater in New York statt, wo der Film anschließend ein ganzes Jahr lang gezeigt wurde. Landesweit kam Fantasia erst 1942 in die Kinos, als die auf 83 Minuten gekürzten Kopien auch ohne »Fantasound«-System abgespielt werden konnten. In Deutschland wurde Fantasia erst 1952 uraufgeführt. |
|
KritikZum Zeitpunkt der Uraufführung war das Urteil der Kritiker zu Fantasia gespalten. Die einen lobten Disneys innovativen Ansatz, die anderen empfanden die Verbindung von klassischer Musik und niedlichen Zeichentrickfiguren als blasphemisch. Im Kino fand der Film nicht viele Zuschauer, aber für die Geschichte des Zeichentrickfilms und für Disney markierte das Werk einen gewaltigen Schritt nach vorn - nicht zuletzt durch die Unterstützung großer Namen wie Leopold Stokowski, Igor Strawinsky oder Oskar Fischinger (der die Bach-Sequenz mitgestaltete). Heute muß man ohne Einschränkung anerkennen, daß Walt Disney mit Fantasia seiner Zeit weit voraus war. Eine vergleichbare Kreativität entwickelte der Zeichentrickfilm erst wieder ab den sechziger Jahren. Fantasia ist ein eindrucksvolles - und äußerst unterhaltsames - Beispiel dafür, daß der Zeichentrickfilm durchaus den Ansprüchen eines erwachsenen Publikums gerecht werden kann. |
Anzeige |
MedieninfoWalt Disney plante bereits zu einem frühen Zeitpunkt eine Fortsetzung des Fantasia-Konzepts. Doch seine Idee, den Film jährlich mit neuen Episoden zu aktualisieren, scheiterte an finanziellen Problemen. Eine Sequenz zu Claire de Lune von Claude Debussy wurde von Samuel Armstrong fertiggestellt, aber für den Film nicht verwendet, auch wenn sie später gelegentlich als Abschluß von Fantasia aufgeführt wurde. Mit einer neuen Tonspur wurde sie unter dem Titel »Blue Bayou« noch einmal für die Produktion Lachkonzert in Entenhausen (Make Mine Music USA 1946) verwendet, sozusagen die »Swing-Version« von Fantasia. In diesem Film findet sich auch eine Zeichentrickumsetzung von Sergej Prokofjews Peter und Wolf, dirigiert von Leopold Stokowski. Erst nach der Wiederaufführung von Fantasia im Jahr 1956 - als »Fantasound« durch eine Vier-Kanal-Magnet-Tonspur ersetzt wurde - konnten die Produktionskosten des Werkes wieder eingespielt werden. 1969 wurde eine Szene herausgeschnitten, in der ein schwarzhäutiger Zentaur einem weißen die Hufe putzt. Nach Disneys Tod erlebte Fantasia in den frühen siebziger Jahren eine Renaissance beim jüngeren Publikum, das mit der Bilderwelt der Pop Art aufgewachsen war. 1977 drehte der italienische Zeichentrickfilmer Bruno Bozzetto mit Allegro non troppo (Allegro non troppo Italien 1977) eine gelungene Parodie auf Fantasia. 1982 kam Fantasia als erster Film mit digitalem Soundtrack in die Kinos, nachdem der Dirigent Irwin Kostal die Filmmusik noch einmal im Digital-Stereo-Sound eingespielt hatte. Zum fünfzigjährigen Jubiläum wurde 1990 eine weitere Neufassung erstellt, für die das Original-Negativ und die Musik von Stokowski digital restauriert wurden. Nach der sehr lukrativen Videoveröffentlichung im Jahr 1991 fiel der Startschuß für die Fortsetzung Fantasia 2000 (Fantasia 2000 USA 1999), die sechzig Jahre nach Fantasia fertiggestellt wurde. |
| deutscher Titel: | Fantasia |
| Originaltitel: | Fantasia |
| Land und Jahr: | USA 1940 |
| Technik: | Technicolor Fantasound/Dolby |
| Produktionsleitung: | Ben Sharpsteen |
| Regie: | James
Algar (Der Zauberlehrling) Samuel Armstrong (Toccata und Fuge, Nußknackersuite) Ford Beebe (Pastorale) Norm Ferguson (Tanz der Stunden) Jim Handley (Pastorale) T. Hee (Tanz der Stunden) Wilfred Jackson (Nacht auf dem kahlen Berge / Ave Maria) Hamilton Luske (Pastorale) Bill Roberts (Das Frühlingsopfer) Paul Satterfield (Das Frühlingsopfer) |
| Drehbuch/Konzeption: | Lee Blair (Toccata und Fuge) Phil Dike (Toccata und Fuge, Nacht auf dem kahlen Berge / Ave Maria) Otto Englander (Pastorale) Carl Fallberg (Der Zauberlehrling) Oskar Fischinger (Toccata und Fuge) Campbell Grant (Nacht auf dem kahlen Berge / Ave Maria) Joe Grant (Orchestersequenzen) Albert Heath (Nußknackersuite) Graham Heid (Nußknackersuite) Arthur Heinemann (Nacht auf dem kahlen Berge / Ave Maria) Dick Huemer (Orchestersequenzen) Bianca Majolie (Nußknackersuite) William Martin (Das Frühlingsopfer) John Fraser McLeish (Das Frühlingsopfer) Sylvia Moberly-Holland (Nußknackersuite) Perce Pearce (Der Zauberlehrling) Bill Peet (Pastorale) Erdman Penner (Pastorale) Elmer Plummer (Toccata und Fuge) Joseph Sabo (Pastorale) Webb Smith (Pastorale) George Stallings (Pastorale) Robert Sterner (Das Frühlingsopfer) Leo Thiele (Das Frühlingsopfer) Norman Wright (Nußknackersuite) |
| Vorlage: | Johann Wolfgang von Goethe (Der Zauberlehrling) |
| Musik: | Johann Sebastian Bach, Toccata und Fuge d-moll, BWV
565 Paul Dukas, Der Zauberlehrling Modest Mussorgski, Eine Nacht auf dem kahlen Berge Amilcare Ponchielli, La Gioconda: Tanz der Stunden Franz Schubert, Ave Maria Igor Strawinsky, Das Frühlingsopfer Peter Iljitsch Tschaikowsky, Nußknacker-Suite, op. 71a Ludwig Van Beethoven, Symphonie Nr. 6 F-Dur, op. 68, »Pastorale« Philadelphia Orchestra Leopold Stokowski (Dirigent, Orchestrierung Toccata und Fuge) |
| Spezialeffekte: | Daniel MacManus (Animationseffekte in Eine Nacht
auf dem kahlen Berge) Joshua Meador (Animationseffekte in Eine Nacht auf dem kahlen Berge) Miles E. Pike (Animationseffekte in Eine Nacht auf dem kahlen Berge) John F. Reed (Animationseffekte in Eine Nacht auf dem kahlen Berge) Gail Papineau (Kameraeffekte in Frühlingsopfer und Eine Nacht auf dem kahlen Berge) Leonard Pickley (Kameraeffekte in Frühlingsopfer und Eine Nacht auf dem kahlen Berge) |
| Produktion: | Walt
Disney Ben Sharpsteen |
| Uraufführung: | 13.11.1940 (New York) |
| US-Kinostart: | 10.4.1942 1956 (Fassung mit 4-Kanal-Magnetton) 1982 (Fassung mit digitalem Soundtrack) 5.10.1990 (rekonstruierte Fassung) |
| deutscher Kinostart: | 1952 (RKO) |
| deutscher Videostart: | 4.11.1991 (Euro Video) 1995 (Buena Vista) |
| Länge: | 120 min. (Originalfassung) 112 min. (deutsche Videofassung) |
| | FSK ab 12 Jahre |
| Darsteller: | |
| Dirigent: | Leopold Stokowski |
| Erzähler: | Deems Taylor |
| Erzähler (Fassung von 1982): | Hugh Douglas |
| Mickey Mouse (Stimme): | Walt Disney |
| Solistin (Ave Maria): | Julietta Novis |