Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges verschiffen die Nazis das Herz von Frankensteins Monster nach Hiroshima, wo es der Atombombe ausgesetzt wird. Weil das Organ daraufhin in der Gegend herumliegt, wird es angesichts der allgemeinen Nahrungsmittelknappheit von einem hungrigen Jungen verspeist. Das Bübchen wird riesengroß und bekommt die typische Karloff-Visage. Das Ungetüm zieht sich aufgrund seines friedfertigen Charakters in die japanische Flora zurück. Als unerklärliche Naturkatastrophen auftreten, schreibt man sie dem Riesen zu. Der freundliche amerikanische Wissenschaftler (Nick Adams), der das Monster betreut und nebenbei noch beim Wiederaufbau Hiroshimas hilft, ist jedoch ganz anderer Meinung. Denn es stellt sich heraus, daß ein urzeitlicher Drache namens Baragon der Übeltäter gewesen ist. Beide Titanen geraten sich wie üblich in die Haare und versinken in einer Erdspalte.

Frankenstein - der Schrecken mit dem Affengesicht (Furankenshutain tai Baragon J 1965) präsentiert wirklich Unglaubliches. Dieser Film von Inoshiro Honda - der ausnahmsweise nicht nach einem Skript von Sekizawa entstand, sondern von Kaoru Mabuchi geschrieben wurde - ist aufgrund seiner Versatzstücke aus klassischen Gruselstreifen ungewöhnlich für den japanischen Monsterfilm. Da gibt es herumkriechende Hände, dunkle Labors und blubbernde Säuren. Frankenstein ist nach King Kong das zweite nicht rein japanische Monster im Kaiju Eiga und stellt den Sieg Japans über die zwei größten Gefahren der westlichen Welt dar: die Nazis und die Atombombe. Das Ungeheuer vereint beide in sich, lebt aber friedlich am Fudschijama, bis es gar zur Rettung der japanischen Bevölkerung antritt. Ob man sich dieser Interpretation anschließen will, bleibt jedem selbst überlassen, jedenfalls bietet der Film allerbeste Unterhaltung. Interessant ist noch die Tatsache, daß es sich hier erstmals um eine echte japanisch-amerikanische Koproduktion zwischen der Toho und den American International Pictures handelte. Der A.I.P-Produzent Samuel Z. Arkoff hatte zwar schon an Godzilla und die Urweltraupen (Mosura tai Gojira J 1964) mitgemischt, aber nun begann eine langjährige Zusammenarbeit mit den Produzenten Henry Saperstein und Reuben Bercovitch. Damit wurde gleichzeitig eine rege Kinder-Land-Verschickung abgehalfteter US-Stars eingeläutet. Neben Nick Adams durften u. a. auch Joseph Cotten, Cesar Romero und Russ Tamblyn in japanischen Monsterschinken auftreten.
Tricktechnisch ist Eiji Tsuburaya wieder Erstaunliches gelungen, obwohl die Physiognomie von Baragon klar von Baran aus Daikaiju Baran (J 1958) geklaut wurde. Der Name des Monsters spielt gleichzeitig auf Baran (= Waran) und doragon (= Drache) an.
Apropos Diebstahl: Barugon hieß ein Ungetüm, welches ein Jahr später in der Gamera-Serie auftauchte. In der ursprünglichen Fassung kämpfte Frankenstein in Anlehnung an den SF-Film X 3000 - Fantome gegen Gangster (Uchu Daikaju Dogora J 1964) gegen einen Riesenoktopus, jedoch sind in der europäischen Fassung sämtliche diesbezüglichen Szenen entfernt worden und in der japanischen Version nur wenige erhalten geblieben. Die Effekte, die man schon im Kasten hatte, tauchten dann 1966 in Frankenstein - Zweikampf der Giganten (Furankenshutain no Kaiju Sanda tai Gaira J 1966) auf. Jahre später wurden die ursprünglichen Szenen in einer Neufassung wieder eingefügt. Die Vermenschlichung der Ungeheuer war fortgeschritten, indem man unverhohlen einen mutierten Homo sapiens als Protagonisten präsentierte.
Thomas Deist
| Originaltitel: | Furankenshutain tai Baragon |
| Alternativtitel: | Furankenshutain tai Chitei Kaiju Baragon |
| Übersetzung: | »Frankenstein gegen Baragon« »Frankenstein gegen das unterirdische Monster Baragon« |
| deutscher Titel: | Frankenstein - der Schrecken mit dem Affengesicht |
| US-Titel: | Frankenstein Conquers the World (1966) |
| Land und Jahr: | J 1965 |
| Technik: | Farbe, Mono |
| Regie: | Inoshiro Honda |
| Drehbuch: | Kaoru Mabuchi (= Takeshi Kimura) Jerry Sohl (US-Fassung) |
| Vorlage: | Mary Shelley,Frankenstein(1818) Reuben Bercovitch (Story) |
| Kamera: | Hajime Koizumi |
| Schnitt: | Ryohei Fujii |
| Effekte: | Eiji Tsuburaya (Effektregie) Akira Watanabe (Spezialeffekte) Teruyoshi Nakano (Effektregieassistenz) Kuichiro Kishida (Effektbeleuchtung) Teisho Arikawa (Effektkamera) Sokei Tomioka (Effektkamera) Hisashi Shimonaga (Toneffekte) |
| Musik: | Akira Ifukube |
| Ausstattung: | Takeo Kita |
| Maske: | Riki Konna |
| Produktion: | Toho Tomoyuki Tanaka Henry G. Saperstein Enterprises Reuben Bercovitch (ausführend) Henry G. Saperstein (ausführend) Samuel Z. Arkoff (ausführend, US-Fassung) James H. Nicholson (ausführend, US-Fassung) |
| Uraufführung: | 8.8.1965 |
| deutscher Kinostart: | 13.7.1967 |
| US-Kinostart: | 8.7.1966 |
| Länge: | 90 Minuten (japanische Fassung) 87 Minuten (deutsche Fassung) 87 Minuten (US-Fassung) |
| FSK: | ab 12 Jahre |
| Dr. Kawaji: | Tadao Takashima |
| Dr. James Bowen: | Nick Adams (US-Fassung) |
| Dr. Sueko Togami: | Kumi Mizuno |
| Mr. Kawai: | Yoshio Tsuchiya |
| Militärischer Berater: | Jun Tazaki |
| Polizeichef von Osaka: | Susumu Fujita |
| Wissenschaftler: | Takashi Shimura |
| Museumsleiter: | Nobuo Nakamura |
| Soldat: | Kenji Sahara |
| U-Boot-Commander: | Yoshifumi Tajima |
| Reporter: | Terunobu Nomura (= Kozo Nomura) |
| Fernsehdirektor: | Haruya Kato |
| Baragon: | Haruo Nakajima |
| Frankenstein: | Koji Furuhata |