HandlungAuf den Zorgel-Inseln experimentiert Dr. Kasumi (Tadao Takashima) mit dem Wetter, zum Wohle der Menschheit natürlich. Als die Versuche gänzlich aus dem Ruder laufen, steigen die Temperaturen an. Das bewirkt ein Riesenwachstum von Flora und Fauna. Und nebenbei wird auch noch ein gigantisches Ei ausgebrütet, dem Godzillas Sohn, eine »putzige« Hutzelechse namens Minya, entschlüpft. Alsbald wird der Kleine von gefräßigen Riesenheuschrecken und der Monsterspinne Spiga belagert. Natürlich taucht auf Kommando Godzilla auf, und nach einigen erzieherischen Maßnahmen hauen Senior und Junior die Gegner zu Klump. Um die Welt nicht in eine weitere (monströse) Katastrophe zu stürzen, kehrt Dr. Kasumi das Experiment einfach um und senkt die Temperaturen rapide. Eine Art Eiszeit bricht an, woraufhin Godzilla und Sohn in tiefen Winterschlaf verfallen.
KritikGodzillas achter Filmauftritt bedeutete gleichzeitig die zweite Regiearbeit Jun Fukudas. Endlich hatte sich die Toho getraut, den Kaiju Eiga gehörig auf die Schippe zu nehmen, eine Maßnahme, die angesichts der bisherigen Entwicklung längst überfällig war. Und Frankensteins Monster jagen Godzillas Sohn (Gojira no Musuko J 1967) präsentierte einen echten Hammer. Der Star der Show ist Godzillas Sprößling. Es ist eine wahre Wonne, die pädagogischen Lektionen von Godzilla zu erleben, wobei angemerkt sei, daß in Japan alle Monster grundsätzlich weiblich sind. In diversen Einzelgesprächen versucht die Riesenechse, dem Sprößling ihre erprobten Kampfestechniken beizubringen. Besonders gelungen ist die Sequenz, wo das Speien des Atomstrahls auf dem Lehrplan steht: Zunächst gelingt es Minya nur, dicke Rauchringe zu spucken, wonach ihm die erzürnte Mutter (in Deutschland: Vater) auf den Schwanz tritt und das gewünschte Ergebnis herauskommt. Die Konzeption Minyas ist herrlich; quasi als grauer »Riesengnom« mit einem viel zu großen Kopf und Kulleraugen hat er sowohl Lacher als auch Sympathie schnell auf seiner Seite. Sieht man diesen Film aus der heutigen Perspektive, drängt sich der leise Verdacht auf, Steven Spielberg hätte hier kräftig abgekupfert, als er an den Entwürfen für E. T. - der Außerirdische (E. T. - the Extra-Terrestrial USA 1982) saß. (Auch eine gewisse Ähnlichkeit zum Michelin-Männchen ist nicht abzustreiten, wie französische Godzilla-Fans festgestellt haben.) Die anderen Ungeheuer (Spiga und die Heuschrecken) waren »schauspielerlos« und wurden mittels unsichtbarer Drähte und Fernsteuerung bewegt. Apropos Spezialeffekte: erstmals hatte Eiji Tsuburaya mit Teisho Arikawa einen Helfer zur Seite. Hier deutete sich bereits an, was im weiteren Verlauf der Serie tricktechnisch traurige Realität werden sollte; die Kämpfe der Monstren wurden aus Kostengründen in die Botanik verlegt, weil es billiger und einfacher war, einen Wald im H0-Format zu bauen als eine ganze Stadt. Gojira no Musuko muß auch als Reaktion auf die wachsende Konkurrenz im eigenen Lande verstanden werden. Andere japanische Filmgesellschaften waren mit ihren Ungetümen längst auf den Kindermarkt vorgestoßen, so insbesondere Nikkatsu mit dem Babymonster in Gappa - Frankensteins fliegende Monster (Daikyoju Gappa J 1967). Da war es nur folgerichtig, daß die Toho den tolpatschigen Abkömmling ihres Flaggschiffes Godzilla ins Rennen schickte.
Thomas Deist
Godzillas Sprößling hatte zwei weitere Auftritte in Frankenstein und die Monster aus dem All (Kaiju Soshingeki J 1968) und Oru Kaiju Daishingeki (J 1969), bis er in den Siebzigern spurlos von der Bildfläche verschwand. In den Neunzigern durfte sich Godzilla dann über neuen Nachwuchs freuen, als »Bebigojira« in Gojira tai Mekagojira (J 1993) aus dem Ei schlüpfte.
| Originaltitel: | Gojira no Musuko |
| Alternativtitel: | Kaiju Shima no Kessen - Gojira no Musuko |
| Übersetzung: | »Godzillas Sohn« »Kampf auf der Monsterinsel - Godzillas Sohn« |
| deutscher Titel: | Frankensteins Monster jagen Godzillas Sohn Godzillas Sohn (TV) |
| US-Titel: | Son of Godzilla (1969) |
| Land und Jahr: | J 1967 |
| Technik: | Farbe, Breitwand, Mono |
| Regie: | Jun Fukuda |
| Drehbuch: | Shinichi Sekizawa Kazue Shiba |
| Kamera: | Kazuo Yamada |
| Schnitt: | Ryohei Fujii |
| Effekte: | Eiji Tsuburaya (Effektregie) Akira Watanabe (Spezialeffekte) Teisho Arikawa (Effektregie) Fumio Nakadai (Marionetten) Sokei Tomioka (Effektkamera) Kuichiro Kishida (Effektbeleuchtung) |
| Musik: | Masaru Sato |
| Ausstattung: | Takeo Kita |
| Produktion: | Toho Tomoyuki Tanaka |
| Uraufführung: | 16.12.1967 |
| Wiederaufführung: | 1.8.1973 |
| deutscher Kinostart: | 15.7.1971 |
| US-Fernsehpremiere: | 1969 |
| Länge: | 86 Minuten (Originalfassung) 65 Minuten (japanische Neufassung von 1973) 84 Minuten (US-TV-Fassung) 86 Minuten (deutsche Fassung) |
| FSK: | ab 12 Jahre |
| Dr. Kusumi: | Tadao Takashima |
| Goro Maki: | Akira Kubo |
| Saeko/Rieko Matsumiya: | Bibari Maeda (= Beverly Maeda) |
| Fujisaki: | Akihiko Hirata |
| Furukawa: | Yoshio Tsuchiya |
| Morio: | Kenji Sahara |
| Ozawa: | Kenichiro Maruyama |
| Tashiro: | Seishiro Kuno |
| Suzuki: | Yasuhiko Saijo |
| Navigator: | Susumu Kurobe |
| Pilot: | Kazuo Suzuki |
| Godzilla: | Haruo Nakajima Seiji Onaka |
| Minya: | »Little Man« Machan |