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Godzilla

Godzilla • USA 1998


Handlung

Bei den franzöischen Atomversuchen im Mururoa-Atoll werden die Eier von Leguanen radioaktiver Strahlung ausgesetzt. Einige Zeit später kommt es zu einer Reihe unerklärlicher Vorfälle. Im Pazifik gerät ein japanischer Tanker in Seenot, als die Wand des Schiffes von einer riesigen Klaue aufgerissen wird. Dann holt man den Wissenschaftler Dr. Niko Tatopoulos (dessen Nachname auf der zweiten Silbe betont wird, wie er immer wieder klarstellen muß) nach Panama. Zuvor hat Nick in der Umgebung von Tschernobyl Regenwürmer untersucht und festgestellt, daß sie durch die Strahlung bis zu 17 Prozent größer geworden sind. Er scheint der geeignete Mann für das anstehende Problem zu sein, denn über die Landenge von Panama führt eine Reihe von gigantischen Fußstapfen, die offenbar von einer Echse hinterlassen wurden.

Philippe Roaché, ein angeblicher französischer Versicherungsagent, geht der Sache ebenfalls nach. Als man den einzigen Überlebenden des Tankerunglücks fragt, was mit dem Schiff geschehen ist, antwortet er nur: »Gojira«. Auf Tahiti, wo das Wrack des Tankers angespült wurde, treffen Roaché und Tatopoulos erstmals aufeinander. Nachdem Nick und die Paläontologin Dr. Elsie Chapman eine Gewebeprobe untersucht haben, geht Dr. Chapman davon aus, daß es sich vermutlich um einen Allosaurus handelt, doch Nick erkennt sehr schnell, daß eine pazifische Echsenart zu gigantischen Ausmaßen mutiert sein muß.

In einem Fernsehbericht über die Vorfälle erkennt die etwas unbedarfte Audrey Timmonds aus New York ihre alte Jugendliebe Nick wieder. Sie arbeitet für den bekannten Fernsehreporter Charles Caiman, würde aber gerne selbst eine Karriere als Journalistin machen. Deshalb will sie die einmalige Chance nutzen, über Nick an hochaktuelle Informationen zu gelangen.

Derweil rückt die Bedrohung immer näher. Im Atlantik werden drei Fischkutter unter Wasser gezogen, als sich etwas in ihrem Schleppnetz verfängt. Dann hat ein alter Angler auf einem Pier vor Manhattan plötzlich einen riesigen »Fisch« an der Leine. Er kann sich gerade noch in Sicherheit bringen, als eine gewaltige Echse an Land steigt - Godzilla!

Das Monstrum hinterläßt eine Spur der Verwüstung und stört eine Wahlkampfrede des Bürgermeisters Ebert. Die Stadt wird hektisch evakuiert, das Militär rückt an, und man bildet einen Krisenstab in New Jersey. Als plötzlich wieder Ruhe herrscht, vermutet man, daß sich Godzilla in die U-Bahn-Tunnel von Manhattan zurückgezogen hat. Dann legt man mitten in der Stadt einen riesigen Haufen Fisch als Köder aus. Godzilla läßt sich tatsächlich davon anlocken und es sich schmecken, aber die leichte Artillerie kann nichts gegen das Ungetüm ausrichten.

Bei dieser Gelegenheit kann Dr. Tatopoulos eine Blutprobe nehmen und stellt fest, daß die Echse schwanger ist. Mittlerweile ist Audrey mit einem gefälschten Presseausweis bis zu Nick vorgedrungen. Während die beiden über ihre Beziehung reden, die Audrey während ihres gemeinsamen Studiums vor acht Jahren abgebrochen hatte, nimmt sie eine Videokassette mit geheimem Filmmaterial an sich. Nun scheint Audreys große Stunde gekommen, doch Caiman schneidet ihre Ansage heraus und gibt den Knüller als seine eigene Story aus. Nick hingegen wird wegen Verletzung der Geheimhaltungspflicht von Colonel Hicks, dem Leiter des Krisenstabs, gefeuert, worauf Roaché erneut Kontakt mit dem Wissenschafter aufnimmt und sich nun als französischer Geheimdienstagent zu erkennen gibt.

Als das Militär eine neue Fischfalle im Central Park auslegt, wittert Godzilla diesmal den Braten und ergreift die Flucht. Kampfhubschrauber nehmen die Verfolgung auf und liefern sich in den Straßenschluchten von Manhattan ein wildes Gefecht mit dem Monstrum, doch letztlich kann Godzilla die Piloten austricksen. Dann wird die Echse zum Ufer getrieben, wo sie sich mit einem Hechtsprung in Sicherheit bringt. Unter Wasser geht der Kampf jedoch sofort weiter. Nachdem Godzilla zwei der U-Boote mit ihren eigenen Waffen vernichten konnte, wird die Echse schließlich doch von einem Torpedo getroffen und sinkt verwundet zu Boden.

Roaché und Tatopoulos suchen unterdessen auf eigene Faust nach Godzillas Nest und finden schließlich im Madison Square Garden nicht zwanzig - wie Tatopoulos geschätzt hatte - sondern Hunderte von Eiern, die plötzlich auszuschlüpfen beginnen. Die Godzilla-Babys sind bereits unmittelbar nach der Geburt äußerst agil und interessieren sich für die Menschen, die so lecker nach Fisch stinken. Inzwischen sind auch Audrey und ihr Bekannter Victor »Animal« Palotti als Kameramann eingetroffen und müssen ebenso wie die französischen Agenten vor den hungrigen Bestien Reißaus nehmen. Schließlich hat Audrey die rettende Idee und schaltet sich vom Aufnahmestudio des Madison Square Gardens ins laufende Fernsehprogramm ein. Sie kann dem Publikum demonstrieren, daß Tatopoulos doch recht hatte, und fordert das Militär auf, die Arena zu sprengen.

Mit knapper Not können sie aus dem Gebäude flüchten, bevor die Bomben abgeworfen werden und Godzillas Brut in den Flammen vergeht.

Ist die Gefahr nun gebannt? Nein! Godzilla lebt und bricht aus der verwüsteten Arena hervor. Die zornige Echsenmutter erkennt die bösen Menschen, die ihre Babys auf dem Gewissen haben. Diese fliehen mit einem Taxi, worauf es zu einer neuen rasanten Verfolgungjagd quer durch Manhattan kommt.

Schließlich gelingt es ihnen, das Monstrum auf die Brooklyn Bridge zu locken, wo es sich in den Seilen der Brückenaufhängung verheddert. Nun haben die Düsenjäger freies Schußfeld und können Godzilla mit Raketen tödliche Wunden zufügen.

Nick und Audrey hören und sehen, wie die Herzschläge der Riesenechse verstummen und ihr Auge bricht ...

Ist der Alptraum jetzt vorbei? Vorerst ja, aber in den Trümmern des Madison Square Gardens ist ein Ei heil geblieben, aus dem ein Nachzügler schlüpft ...


Entschuldigung. Ist dieser Parkplatz noch frei?
[Foto: Columbia Tri-Star]
 

Vorgeschichte

In den fünfziger Jahren hatte die japanische Filmproduktionsgesellschaft Toho mit dem Monsterspektakel Godzilla (Gojira • J 1954) den Grundstock zu einem modernen Filmmythos gelegt. Bis 1975 brachte es die gigantische Hybride aus Raubsaurier und Fabeldrache, die mit Vorliebe japanische Städte verwüstete, auf 15 Filmauftritte. In den Achtzigern startete die Toho mit Godzilla - Die Rückkehr des Monsters (Gojira • J 1984) eine neue Godzilla-Serie, die 1995 nach insgesamt sieben Filmen eingestellt wurde.

Die Idee, das berühmte Japan-Monster nach Hollywood zu holen, ist nicht neu. Bereits vor dem japanischen Comeback des Monsters hatte es mit Godzilla: King of the Monsters (USA 1983) ein erstes, letztlich gescheitertes Projekt gegeben. Doch im Zuge der um 1990 einsetzenden Dinomanie standen die Sterne für einen neuen Versuch plötzlich wieder günstiger.

Nachdem es Steven Spielberg mit Jurassic Park (Jurassic Park • USA 1993) endgültig gelungen war, den Dinosaurierfilm für die große Leinwand salonfähig zu machen, stand einer amerikanischen Neuverfilmung des Godzilla-Mythos im Grunde nichts mehr im Weg. Der Produzent Robert Fried und TriStar Pictures hatten von der Toho die Lizenz erworben, und 1993 begannen auch die Verhandlungen zwischen dem deutschen Regie-Wunderkind Roland Emmerich und Sony. Zunächst verliefen sie recht schleppend, weil Emmerich das Projekt mehrmals ablehnte und immer wieder Tim Burton als Regisseur vorschlug, der geradezu prädestiniert schien, den japanischen Trash-Mythos angemessen zu würdigen. Doch die Produzenten waren überhaupt nicht von der Idee einer Genre-Parodie angetan, sondern wollten einen »richtigen« Monsterfilm machen. Daher beauftragte man zunächst den bewährten Actionregisseur Jan de Bont (Speed) mit der Vorbereitung des Projekts, das jedoch schnell wieder auf Eis gelegt wurde, als der Kostenvoranschlag für die Produktion auf 130 Millionen Dollar hinauslief. Die ursprüngliche Drehbuchfassung sah vor, daß Godzilla auf amerikanischem Boden gegen das Monster »Gryphon« antreten sollte.

Roland Emmerich hatte inzwischen mit Stargate (Stargate • USA 1994) und Independence Day (Independence Day • USA 1996) bewiesen, daß er hervorragend mit Großprojekten umgehen kann, ohne allzuviele Dollars zu verpulvern. Als man ihn erneut bedrängte, sagte er schließlich zu, die Regie für den Hollywood-Godzilla zu übernehmen.

Produktion

Die Dreharbeiten begannen am 3. Mai 1997 in New York. Als nur drei Tage später ein Tornado über Jersey City fegte, nutzte man die benachbarte Stadt in New Jersey als Filmkulisse und schob die Verwüstungen sozusagen Godzilla in die Schuhe. In Manhattan wurden immer wieder ganze Straßen abgesperrt und die Pendler über Radio auf die Umleitungen hingewiesen. Die Dreharbeiten fanden reges Interesse bei der Bevölkerung, doch da die Trickaufnahmen ausschließlich im Studio und am Computer entstehen sollten, bekamen die Zuschauer nicht mehr als aufgeschreckt herumlaufende Schauspieler und Statisten zu sehen. Die einzigen sichtbaren Monstren waren die bis zu 20 Meter hohen Kamerakräne, während die Statisten von Produktionshelfern mit Schildern und Megaphonen darüber informiert wurden, was Godzilla gerade tat. In besonderer Erinnerung blieb den New Yorkern der Berg aus stinkendem Fisch, mit dem das Monster im Film angelockt werden soll.

Da die Straßen von New York nur zwischen 20 und 6 Uhr abgesperrt werden durften, mußte man einige Manhattan-Szenen in Los Angeles nachdrehen. In Long Beach und den Studios von Sony und Universal entstanden die Sets der Brooklyn Bridge und der U-Bahn-Station an der 23rd Street. Die Bauten wurden von Emmerichs langjährigem Produktionsdesigner Oliver Scholl überwacht.

Anschließend flog das Drehteam nach Hawaii, das für die Schauplätze Tahiti, Panama und Jamaika herhalten mußte. Die Fußabdrücke Godzillas entstanden auf dem Gelände der Kualoa Ranch, nicht allzuweit vom Eingangstor mit der Aufschrift »Jurassic Park«, das Steven Spielberg dort hinterlassen hatte.

Einige weitere Szenen wurden in Oregon gedreht, und im April 1998 hatte man alle Aufnahmen im Kasten.


Deine Spuren im Sand ...
[Foto: Columbia Tri-Star]

Tricks

Für die aufwendigen Tricks versammelte Emmerich wieder das bewährte Team aus Independence Day (Independence Day • USA 1996) um sich. Für die Koordination der Effekte war Volker Engel verantwortlich, der für das Invasionsspektakel einen Oscar bekommen hatte. Patrick Tatopoulos, der die Aliens entworfen hatte, wurde mit dem Design von Godzilla betreut, das sich schließlich recht weit vom japanischen Original entfernte. Emmerich und sein Drehbuchautor und Mitproduzent Dean Devlin waren so sehr von Tatopoulos’ Entwürfen fasziniert, daß sie seinen Namen für die von Matthew Broderick verkörperte Hauptfigur verwendeten. Auch die Chefs der Toho waren sofort hellauf begeistert, als die Produzenten mit einer Modellfigur des neuen Godzilla nach Japan reisten, um das Einverständnis der Lizenzinhaber zu besorgen.

Mit der Ausführung der Tricks wurden mehrere Firmen betreut. Vision Arts erstellte die Konzeptmodelle, darunter ein zwei Meter großes Referenzmodell von Tatopoulos’ Godzilla, aus dem DataLabs dann ein Computermodell des Monsters berechnete. Das Compositing wurde von Sony Pictures Imageworks und Digiscope ausgeführt. Viewpoint DataLabs und SoftImage stellten die Software zur Verfügung. Emmerichs hauseigene Firma Centropolis Effects (CFX) schließlich sorgte unter der Leitung von Volker Engel für die Animation Godzillas - der von den Mitarbeitern liebevoll auf den Namen »Fred« getauft wurde.

Damit die Trickbilder in die real gefilmten Bilder einkopiert werden konnten, hatte man während der realen Dreharbeiten immer mit einer speziellen Videokamera aus Godzillas Blickwinkel gefilmt. Damit konnte der Bewegungsspezialist Joe Jackman in einem komplizierten Prozeß die räumliche Einordnung Godzillas berechnen. Mit einer neuentwickelten Software war es erstmals sogar möglich, Computerbilder in Szenen einzubauen, die mit Handkameras gedreht wurden.

Am Computer entstanden in erster Linie die Szenen, in denen Godzilla durch die Straßen von Manhatten stapft. Wenn dagegen nur ein Teil des Monstrums zu sehen ist, kamen häufig animatronische Puppen zum Einsatz, beispielsweise als Godzilla einen Lastwagen zwischen den Zähnen zermalmt. Im Gegensatz zu den wesentlich kleineren »echten« Dinosauriern in Jurassic Park (Jurassic Park • USA 1993) konnten die Monstermodelle hier nicht in Originalgröße nachgebaut werden, sondern mußten in jedem Fall miniaturisiert werden. Die Baby-Godzillas wurden hauptsächlich mit ferngesteuerten Puppen realisiert. Aber in einigen Szenen kamen auch Leute im Gummikostüm zum Einsatz - die einzige Referenz an die Machart der alten Godzilla-Filme. Doch auch viele dieser realen und animatronischen Szenen wurden schließlich am Computer noch einmal digital nachbearbeitet.

 

Kritik

Es dürfte kaum jemanden überraschen, daß Roland Emmerich einen technisch perfekt gemachten Schocker mit beeindruckenden Zerstörungsszenen, vielen kleinen Gags und Anspielungen und sogar einer Liebesgeschichte inszenierte. Godzilla (Godzilla • USA 1998) ist Hollywood pur für die ganze Familie. Die Handlung ist vorhersagbar und im Grunde völlig identisch mit zahllosen anderen Monsterfilmen. Natürlich herrscht zunächst allgemeines Rätselraten, bis der Wissenschaftler die Natur der Bedrohung erkennt, und natürlich wollen Regierung und Militär seinen Ratschlägen nur zögernd folgen. Natürlich wird das Monstrum am Ende besiegt, und natürlich lebt ein Teil der Bedrohung ganz zum Schluß weiter - um dem Publikum Lust auf eine Fortsetzung zu machen. Trotzdem macht dieser Film Spaß, wenn Godzilla zum x-ten Mal eine Großstadt und Emmerich nach Independence Day zum zweiten Mal New York in Schutt und Asche legt - und man anschließend aus dem Lichtspieltheater tritt und beruhigt feststellt, daß die wirkliche Welt keinen Schaden erlitten hat.

Darf man als Kritiker die Frage stellen, warum Godzilla sich von Polynesien ausgerechnet über die Landenge von Panama auf den Weg nach Manhattan macht? Warum zieht es das Monstrum mit untrüglichem Instinkt genau dorthin, wo es der Menschheit den größtmöglichen Schaden zufügen kann? Sollte das Reptil nicht lieber in der warmen Südsee bleiben, um sich ungestört zu vermehren? Es wäre noch denkbar, daß es zufällig nach Sidney oder Santiago de Chile verschlagen wird - aber was will es auf der anderen Seite des Globus im kalten, verregneten Manhattan? Die im Film gegebene Erklärung, im Dschungel der Großstadt könne es sich vor seinen Feinden verstecken, ist schlichtweg Unsinn.

Nein! Der Kritiker darf nicht fragen
[Foto: Columbia Tri-Star]

Die Antwort lautet natürlich, daß der Film unter Berücksichtigung all dieser Fragen recht langweilig geworden wäre. Godzilla mußte sich einfach irgendwann in New York austoben - etwas anderes wäre dem großen Grünen unangemessen. Godzilla ist ein Hollywood-Monsterfilm der Meisterklasse. Wer etwas anderes erwartet, wird enttäuscht sein, und zwar sowohl die Anhänger gehobener Filmkunst als auch die Fans der japanischen Godzilla-Filme.

Godzilla hat sich im Lauf seiner Filmkarriere mehreren äußeren Wandlungen unterziehen müssen, doch was Roland Emmerich und seine Crew daraus gemacht haben, läßt sich kaum noch mit dem wohl beliebtesten Filmdinosaurier aller Zeiten vergleichen. Die von Patrick Tatopoulos entworfene Bestie hat nun jede Ähnlichkeit mit einem Tyrannosaurus abgestreift. Außerdem wird im sehenswerten Vorspann deutlich gemacht, daß das Monster nicht mehr ist als ein durch radioaktive Strahlung mutierter Leguan. Das entsprechende Resultat ist ein wolkenkratzerhohes Geschöpf, das sich wahlweise auf zwei oder vier Beinen fortbewegen kann. Die größte Umgestaltung betrifft jedoch den Kopf, der keinerlei Ähnlichkeit mit dem Gesicht des klassischen Godzilla mehr aufweist. Es ist unverkennbar der Kopf einer Eidechse mit kleinen, seitlich liegenden Augen und einem merkwürdig vorgereckten, beinahe menschlichen Kinn. Das Monster hat buchstäblich sein Gesicht verloren; Godzilla ist nur noch ein Tier, mehr nicht.

Doch in anderer Hinsicht hat sich Roland Emmerich sehr sorgfältig auf die Ursprünge des japanischen Kaiju Eiga besonnen, wenn er keinen Zweifel an der oft diskutierten Beziehung zwischen Godzilla und dem Schrecken der Atombombe läßt. Auch wenn es zunächst unglaublich klingt, aber Godzilla ist unter dem Strich ein politisch engagierter Film, der sich keineswegs auf primitive Schwarzweißklischees reduzieren läßt. Auch wenn man die »Schuld« der Franzosen, durch deren umstrittene Atombombentests das Monster entstand, auf den ersten Blick als pauschale Verurteilung verstehen könnte, wird sie letztlich durch die sehr sympathische Figur des Philippe Roaché wieder ausgeglichen. Zudem verbündet sich der französische Geheimdienstagent mit dem griechischstämmigen Nick Tatopoulos, worauf sie gemeinsam einen schweren Fehler des amerikanischen Militärs wiedergutmachen. Und das »American Girl« Audrey Timmonds verhält sich nicht gerade vorbildlich, während ihr Begleiter Victor Palotti wesentlich vernünftiger handelt und sicher nicht zufällig einen italienischen Namen trägt. War Emmerichs Independence Day amerikanischer als Amerikaner sich heutzutage Filme zu machen getrauen, ist sein Godzilla beinahe das genaue Gegenteil. Insgesamt ist es schon fast dreist oder zumindest subversiv, wenn ein deutscher Regisseur einen amerikanischen Film dreht, in dem Manhattan durch ein Monstrum japanisch-französischer Herkunft verwüstet wird und eine Art »Europäische Union« die Weltmacht USA vor der totalen Katastrophe bewahrt.

Medieninfo

Bevor Godzilla am 19. Mai 1998 in den amerikanischen Kinos startete, wurde die Öffentlichkeit gezielt durch eine gigantische Werbemaschinerie vorbereitet. Zunächst wurden die neueren japanischen Godzilla-Filme für den Verkauf ins Ausland gesperrt - wobei nicht ganz klar wurde, ob man Konkurrenz oder mögliche Negativwerbung befürchtete. Zusätzlich sollte die Neugier durch das absolute Verbot, den neuen Godzilla abzubilden, und durch eine geschickte Trailer-Kampagne geweckt werden. Bereits im Herbst 1997 wurde ein Kurzfilm gezeigt, in dem ein Lehrer seine Klasse durch das Museum zum Skelett von Tyrannosaurus Rex führt, dem gewaltigsten Fleischfresser, der je auf Erden lebte. Dann erzittert die Erde, Staub rieselt von der Decke, und plötzlich bricht ein gigantischer Fuß durch das Museumsdach, um mühelos das winzige Saurierskelett zu zertreten. Durch das Loch im Dach ist noch zu sehen, wie am Himmel ein Echsenschwanz vorbeizieht. Dieser unverkennbare Seitenhieb auf Jurassic Park (Jurassic Park • USA 1993) wurde von Werbeslogans wie »Guess who’s coming to town« (»Rate mal, wer in die Stadt kommt«) und vor allem »Size Does Matter« (»Größe spielt doch eine Rolle!«) begleitet.

Inzwischen hat Hollywood längst zurückgeschlagen. Denn nicht zufällig fallen in Armageddon - Das jüngste Gericht (Armageddon • USA 1998) ausgerechnet Godzilla-Figuren den ersten Meteoriten zum Opfer, während kurz darauf Paris dem Erdboden gleichgemacht wird. Und George Lucas wirbt für seine neue Star-Wars-Trilogie mit dem Spruch »Plot Does Matter«, was sich frei mit »Es kommt sehr wohl auf die Handlung an« übersetzen läßt.

Nachdem der Film 125 Millionen Dollar gekostet hatte, zeigten sich die Produzenten sehr enttäuscht, daß er in der Startwoche »nur« knapp 56 Millionen Dollar einspielte. Obwohl auch das Merchandizing nicht den erwarteten Umsatz brachte, hat sich das Geschäft inzwischen mehr als rentiert. In Japan war der Film übrigens äußerst erfolgreich.

Die amerikanische Premiere fand am 18.5.98 statt, einen Tag vor dem offiziellen Kinostart, und zwar pikanterweise im Madison Square Garden. Zur Deutschland-Premiere in München waren Roland Emmerich und seine Schwester Ute Emmerich anwesend.

Die deutsche Romanfassung Godzilla von Stephen Molstad erschien im Goldmann Verlag - in einem älteren Verlagsprospekt waren übrigens »Nick Tatopolos mit Stephen Molstad« (!) als Autoren angegeben. Unter demselben Titel kam eine »Junior Novelization« von J. B. Gilmour im Kölner vgs-Verlag heraus. Bei Burgschmiet erschien das Buch The Making of Godzilla von Rachel Aberly und mit einem Vorwort vom Effektspezialisten Volker Engel. Wer noch mehr Geld ausgeben möchte, kann sich die bei epic/Sony Music erschienene CD mit der Filmmusik oder die monatlich veröffentlichte Comic-Reihe Godzilla - King of the Monsters aus dem Verlag Carlsen Comics zulegen. Und die Firma Bienengraeber/Ideal hat die Aktionsfiguren zum Film im Programm - von Fingerpuppen im Dreierpack (für Jungen ab vier Jahren) über eine »Baby Godzilla Figur«, die aus dem Ei schlüpft, bis hin zum »Gigantischen Godzilla mit Sound«, einer beweglichen Puppe mit 48 cm Höhe.

Gleichzeitig sind zu diesem Anlaß in Deutschland mehrere Bücher zur klassischen Godzilla-Serie erschienen - unter anderem der Schnellschuß Godzilla (München: Heyne, 1998) von Gernot Gricksch, Godzilla & Co. - Der inoffizielle Guide zum Anführer der großen Kinomonster (München: Bertler und Lieber, 1998) von Thomas Steck und Peter Leveringhaus, die fundierte Arbeit Monster aus Japan greifen an - Godzilla, Gamera und Co. (München: Belleville, 1998) von Jörg Buttgereit, und der mit seltenen Fotos illustrierte Band Godzilla - Gamera - Gappa. Die Geschichte der japanischen Monsterfilme (Berlin: Schwarzkopf & Schwarzkopf, 1998) von Detlev Claus und Rolf Giesen.

Außerdem erschien bei Starlight Video die »Monster Collection«, eine aufwendig gestaltete Edition mit zehn Klassikern (zum Teil mit neuen Titeln) aus der ersten Godzilla-Serie für insgesamt 198 DM.

Die Kaufkassette zu Godzilla ist bereits im Frühjahr 1999 erschienen. Außerdem ist für den Herbst 1999 die Ausstrahlung einer Zeichentrickserie auf SAT.1 geplant, in der es um die Gruppe H.E.A.T. und ihren Verbündeten Godzilla gehen soll.

Bernhard Kempen

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Siehe auch:
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Film-Index • Dinosaurier • Prähistorik
DinoMedia • Dinosaurier in Literatur, Film und anderen Medien
Prehistoric News • Magazin für prähistorische Motive in den Medien
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Credits

Originaltitel:Godzilla
deutscher Titel:Godzilla
Land und Jahr:USA 1998
Technik:35 mm / Technicolor • DTS / Dolby Digital / SDDS
Regie:Roland Emmerich
Drehbuch:Dean Devlin
Roland Emmerich
Vorlage:Ted Elliott (Story)
Terry Rossio
(Story)
Dean Devlin
(Story)
Roland Emmerich
(Story)
Kamera:Ueli Steiger
Peter Jochen Krause
(Second Unit)
Dylan M. Gross
(Luftaufnahmen)
Schnitt:Peter Amundson
David J. Siegel
Effekte:Sony Pictures Imageworks
Question Mark FX
Centropolis Effects
Mechanical Effects Warehouse
Patrick Tatopoulos Designs, Inc.
VisionArt
Cinema Production Services
Patrick Tatopoulos
(Überwachung und Godzilla-Entwurf)
Volker Engel
(Überwachung der visuellen Effekte)
Hans Metz
(mechanische Effekte)
Clay Pinney
(Überwachung der mechanischen Effekte)
Jerome Chen
(Sony - Überwachung der digitalen Effekte)
Carolin Quis
(Centropolis Effects - Überwachung der Computergraphiken)
Steffen M. Wild
(Centropolis Effects - Überwachung der Computergraphiken)
Steven T. Puri
(Leiter von Centropolis Effects)
Gary Hecker
(Toneffekte und Godzilla-Laute)
Frank Welker
(Toneffekte)
John Joyce
(Cinema Production Services - Modellbau)
Jeryd Pojawa
(Cinema Production Services - Modellbau)
Mark Ross-Sullivan
(Cinema Production Services - Modellbau)
Ken Swenson
(Cinema Production Services - Modellbau)
Michael Joyce
(Cinema Production Services - Überwachung des Modellbaus)
Musik:David Arnold
Ausstattung:Oliver Scholl
Kostüme:Joseph A. Porro
Maske:Zoltan
Titelsequenz:Daniel Hsu Accomando
Produktion:Centropolis Film Productions
Independent Pictures
TriStar Pictures
Fried Films
Dean Devlin
Roland Emmerich
(ausführend)
Ute Emmerich
(ausführend)
William Fay
(ausführend)
Kelly Van Horn
(Koproduzent)
Peter Winther
(Koproduzent)
Cary Woods
(co-executive)
Robert N. Fried
(co-executive)
Uraufführung:18.5.1998
deutscher Kinostart:10.9.1998 (Columbia Tristar)
deutscher Videostart:2.3.1999
Länge:135 Minuten

Darsteller

Dr. Niko Tatopoulos (Nick):Matthew Broderick (Uwe Büschen*)
Philippe Roaché:Jean Reno (Jeff Bay*)
Audrey Timmonds:Maria Pitillo (Alexandra Ludwig*)
Victor Palotti (Animal):Hank Azaria (Matthias Klie*)
Colonel Hicks:Kevin Dunn (Ivar Combrinck*)
Bürgermeister Ebert:Michael Lerner (Hartmut Neugebauer*)
Charles Caiman:Harry Shearer (Thomas Otto*)
Lucy Palotti:Arabella Field (Michele Sterr*)
Dr. Elsie Chapman:Vicki Lewis (Marietta Meade*)
Sergeant O’Neal:Doug Savant (Philipp Moog*)
Dr. Mendel Craven:Malcolm Danare (Kai Taschner*)
Gene, Eberts Assistent:Larry Goldman (Arnim André*)
Jean-Luc:Christian Aubert
Jean-Claude:Philippe Bergeron
Jean-Pierre:Frank Bruynbroek
Jean-Philippe:François Giroday
Ed:Nicholas J. Giangiulio
Murray:Robert Lesser
Alter Fischer:Ralph Manza
Gouverneur:Greg Callahan
General Anderson:Chris Ellis
Caimans Sekretärin:Nancy Cartwright
Admiral Phelps:Richard E. Gant
Leonard:Jack Moore
Jules:Steve Giannelli
Arthur:Brian Farabaugh
Lieutenant Anderson:Stephen Xavier Lee
Freddie:Bodhi Elfman
Jimmy:Rich Battista
Japanischer Schiffskoch:Lloyd Kino
Japanischer Tankerkapitän:Toshi Toda
Japanischer Mannschaftskapitän:Clyde Kusatsu
Japanischer Seemann:Masaya Kato
Kyle Terrington:Glenn Morshower
Apothekerin:Lola Pashalinski
WIDF Komoderator:Rob Fukuzaki
WKXI Moderator:Dale Harimoto
WFKK Moderator:Gary Cruz
Kapitän der Utah:Derek Webster
Leutnant auf der Utah:Stuart Fratkin
Besatzung der Utah:Frank Cilberg
Jason Edward Jones
Roger McIntyre
Kapitän der Anchorage:David Pressman
Besatzung der Anchorage:Robert Faltisco
Christopher Maleki
Scott Lusby
Alex Dodd
Apache-Piloten:Terence Winter
Kirk Geiger
Pat Mastroianni
Eric Saiet
Burt Bulos
Robert Floyd
Seth Peterson
F-18-Piloten:Jamison Yang
Nathan Anderson
Mark Munafo
Dwight Schmidt
Raven-Pilot:Dwayne Swingler
Offizier:Lawton Paseka
Soldat auf der Brücke:Greg Collins
Soldaten:James Black
Thomas Giuseppe Giantonelli
Paul Ware
Soldat im Flugzeug:Monte Russell
Funktechniker:Christopher Carruthers
Daniel Pearce
Mark Fite
Rodgers:Eric Paskel
Obdachlose:Leonard Termo
Lee Weaver
Späher:Joshua Taylor
Taxifahrer:Al Sapienza
Wachmann im Tunnel:Stoney Westmoreland
Waffenspezialist:Gary Warner
Polizist (New York):Ed Wheeler
Polizist (New Jersey):Bill Hoag
Gabelstaplerfahrer:Joe Badalucco jr.
Reporter:Jonathan Dienst
Benjamin V. Baird
Madeline McFadden
Julian M. Phillips
Raymond Ramos
*) dt. Synchron
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