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Das grosse Krabbeln

A Bug's Life • USA 1998


Handlung

Unter dem großen Baum auf einer Insel im kleinen Fluß liegt ein Ameisenhügel, dessen Bewohner den ganzen Sommer lang fleißig Nahrung sammeln - nicht nur für sich selbst, sondern auch für die Grashüpfer, die das Ameisenvolk einmal pro Jahr heimsuchen, um sich ihren Anteil von den Vorräten als »Schutzgeld« abzuholen. Doch diesmal kommt es zu einer Panne, als die tolpatschige Ameise Flik, die sich immer wieder mit ihren mechanischen Erfindungen und anderen verrückten Ideen unbeliebt gemacht hat, den aufgehäuften Futterberg in den Fluß rutschen läßt. Als die Grashüpfer-Gang mit ihrem Chef Hopper eintrifft, ist dieser natürlich sehr erzürnt und fordert, daß die Ameisen bis zum Ende des Sommers die doppelte Menge an Nahrung für sie beschaffen sollen.

Als Flik auf die Idee kommt, Hilfe zu holen, lassen die alte Königin und Prinzessin Atta ihn bereitwillig ziehen, denn auf diese Weise kann er keinen Unsinn anstellen, während die übrigen Ameisen neues Futter sammeln. Doch zunächst sieht es so aus, als wäre Fliks Plan von Erfolg gekrönt. In der »Stadt« - aus menschlicher Perspektive das Lebensmittellager unter einem Wohnmobil - trifft er auf den Flohzirkus des Entrepreneurs P. T. Floh. Deren legendäre Feuernummer ist zwar voll daneben gegangen, doch dann kann das Ensemble dem erbosten Publikum ein Schnippchen schlagen. Flik hingegen glaubt nun, eine erfahrene Söldnertruppe vor sich zu haben und engagiert den Zirkus zur Verteidigung seines Ameisenhaufens. Dort erkennen beide Seiten allmählich die Natur ihres Mißverständnisses: Königin und Prinzessin sind schockiert, daß Flik ihnen Zirkusartisten untergejubelt hat, und die Künstler ziehen entsetzt von dannen, weil sie sich niemals auf einen blutigen Kampf einlassen würden.

Dann droht das Prinzeßchen Dot zum Opfer eines hungrigen Vogels zu werden, worauf das gute Herz der Artisten siegt und sie den Vogel mit einem genialen Ablenkungsmanöver austricksen. Dieser Zwischenfall inspiriert Flik zum ebenso genialen Plan, aus Zweigen und Blättern einen Vogel zu bauen, der Hopper und seinen Spießgesellen einen furchtbaren Schrecken einjagen soll. Doch während der finalen Konfrontation kommt es erneut zu einer technischen Panne, als der Vogel in Flammen aufgeht. Trotzdem bleiben die Ameisen am Ende siegreich, als sie erkennen, daß die Grashüpfer nichts mehr gegen sie ausrichten können, wenn sie ihre Angst vor den nur vermeintlich stärkeren Insekten überwinden.


Abb.: Buena Vista

Produktion

Das grosse Krabbeln - im Original A Bug's Life - ist nach Toy Story (Toy Story • USA 1995) - der ebenfalls von Regisseur John Lasseter für die Trickfirma Pixar realisiert wurde - und nach dem Konkurrenzprodukt Antz (Antz • USA 1998) der dritte komplett computeranimierte Spielfilm. Nachdem in Toy Story erstmals Spielzeugfiguren zu virtuellem Leben erweckt wurden, lag es sozusagen in der Luft, es als nächstes mit Insekten zu probieren. Daher vermag es kaum zu überaschen, daß Das grosse Krabbeln fast gleichzeitig mit dem sehr ähnlichen Insekten-Trickfilm Antz produziert wurde, der nur wenige Monate früher in die Kinos kam.

Die Idee zu Das grosse Krabbeln wurde von John Lasseter und seinem Team bereits 1994 während der Endproduktion von Toy Story entwickelt. Ausgangspunkt war »Die Ameise und der Grashüpfer«, eine Fabel von Aesop, in der der Grashüpfer die Ameise um Futter bittet, die Ameise jedoch ablehnt, weil der Grashüpfer seine Zeit mit dem Geigenspiel vertrödelt hat, statt wie die fleißige Emse Futter für den Winter zu sammeln.

Das Produktionsteam trieb zunächst aufwendige Recherchen, um sich mit der Welt der Insekten vertraut zu machen, und drehte Vergleichsaufnahmen mit der »Bugcam«, einer winzigen Kamera, um beispielsweise Grashalme aus der Perspektive eines Insekts zu zeigen. Natürlich trieb man es mit dem Realismus nicht zu weit, sondern verpaßte den Ameisen menschlichere Hände und Gesichter und verzichtete vor allem auf die fremdartigen Facettenaugen. Im Gegensatz zu Antz stattete man sie außerdem mit nur vier Gliedmaßen aus. Bezeichnenderweise sind die bösen Grashüpfer etwas wirklichkeitsgetreuer geraten.

Da John Lasseter und seine Leute sich nicht mit dem zufriedengeben wollten, was sie in Toy Story erreicht hatten, konnte die Produktionszeit des neuen Films keineswegs verkürzt werden, obwohl inzwischen die zehnfache Rechnerkapazität und viermal schnellere Prozessoren zur Verfügung standen. Denn die Insekten und ihre natürliche Umgebung erforderten einen wesentlich höheren Aufwand als die Spielzeugfiguren im Kinderzimmer. Jeder Grashalm sollte sich realistisch bewegen, für die Massenszenen mit dem Ameisenvolk mußten völlig neue Programme entwickelt werden, und eine Figur wie die wabbelige Raupe Gustl stellte höchste Anforderungen an die Technik der Computeranimation. Der nicht sehr überzeugend geratene Vogel dagegen zeigt, wo auch heute noch die Grenzen der Möglichkeiten liegen.

Der Film wurde von insgesamt 60 Animatoren erstellt, von denen jeder innerhalb einer Woche eine Szene von drei bis fünf Sekunden Länge fertigstellen konnte. Das Rendering, also die Berechnung des fertigen Bildes, dauerte je nach Komplexität der Szene von 15 bis zu 100 Computerstunden. Diese Arbeit wurde in Pixars RenderFarm von 1000 Prozessoren bewältigt.

Kritik

Allein wegen der tricktechnischen Leistungen ist Das grosse Krabbeln in jedem Fall sehenswert. Ein direkter Vergleich mit Antz bleibt letztlich Geschmackssache, da beide Filme trotz des gleichen Themas - eine individuell veranlagte, tolpatschige Ameise rettet den Staat vor großer Gefahr durch böse Insekten - sehr unterschiedlich gestaltet sind. Während Antz eher ein Erwachsenenfilm ist und sich auf die intellektuelle Tradition von Woody Allen beruft, trägt Das grosse Krabbeln unübersehbar die Handschrift des an der Produktion beteiligten Walt Disney Studios. Die Ameisen wirken niedlicher, die Farben sind bunter, und der Humor ist direkter. Kurz: Das Zielpublikum ist eindeutig ein jüngeres. Die besten Gags finden sich übrigens im Abspann des Films, zu dem »verpatzte« Szenen gezeigt werden, als hätten die Dreharbeiten im Studio mit richtigen Schauspielern stattgefunden.

Die deutsche Synchronisation folgt dem derzeitigen Trend der Trickfilmbranche und wartet mit einer Reihe bekannter Namen auf, von denen Ottfried Fischer als Raupe Gustl (die im Original den schönen deutschen Namen Heimlich trägt) zweifelsohne die gelungenste Besetzung darstellt. Unverständlich bleibt die Entscheidung des Verleihers, den ansonsten treffenden deutschen Titel Das grosse Krabbeln in einer Schreibweise zu präsentieren, die weder der alten noch der neuen deutschen Rechtschreibung entspricht.


Abb.: Buena Vista

Medieninfo

Aus dem üblichen Merchandizing-Sortiment zum Film ragt in diesem Fall die Show It's Tough to Be a Bug (USA 1998) heraus. Sie wurde im Sommer 1998 als Hauptattraktion des neuen Animal Kingdom in der Walt Disney World in Orlando/Florida eröffnet und befindet sich direkt im großen »Tree of Life«, dem Wahrzeichen des Parks, der gleichzeitig Vorbild für den Schauplatz des Filmes war. Präsentiert von der Ameise Flik wird ein computeranimierter 3D-Film gezeigt, der den menschlichen Zuschauern die Welt der Insekten näherbringen soll - wozu sie natürlich »Spezialbrillen« benötigen. Die räumlichen Effekte werden durch reale Gimmicks unterstützt, wenn ein Käfer »Säure« ins Publikum spritzt, sich plötzlich Spinnen von der Decke abseilen oder man Krabbelviecher unter der Sitzfläche spürt. Ein beeindruckendes technisches Spektakel, in dem die Effekthascherei jedoch auf die Spitze getrieben wird und das auf keinen Fall für kleinere Kinder geeignet ist.

Bernhard Kempen

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Credits

Originaltitel: A Bug's Life
deutscher Titel: Das grosse Krabbeln
Land und Jahr: USA 1998
Technik: Computeranimation
CinemaScope / Technicolor
DTS / Dolby Digital / SDDS
Regie: John Lasseter
Andrew Stanton
(Co-Regie)
Drehbuch: Andrew Stanton
Donald McEnery
Bob Shaw
Story: John Lasseter
Andrew Stanton
Joe Ranft
(= John Ranft)
Kamera: Sharon Calahan
Schnitt: Lee Unkrich
Effekte: Glenn McQueen (Chef-Animator)
Rich Quade
(Chef-Animator)
Ash Brannon
(Technische Regie)
Eben Ostby
(Technische Regie)
Musik: Randy Newman
Ausstattung: Tia Kratter (Art Direktorin)
William Cone
(Produktionsdesign)
Produktion: Pixar
Darla K. Anderson
Kevin Reher
Uraufführung: 14.11.1998 (USA)
US-Kinostart: 25.11.1998 (USA)
deutscher Kinostart: 11.2.1999 (Buena Vista)
Länge: 96 Minuten (US-Fassung)
ca. 90 Minuten
(deutsche Fassung)
FSK o. A.

Sprecher

US-Sprecher deutsche Sprecher
Flik, die Ameise: Dave Foley Kai Wiesinger
Hopper, der Grashüpfer: Kevin Spacey Rufus Beck
Prinzessin Atta: Julia Louis-Dreyfus Madeleine Stolze
Prinzessin Dot: Hayden Panettiere Caroline Schwarzmeier
Königin der Ameisen: Phyllis Diller Elisabeth Volkmann
Fred, der Grashüpfer (Molt): Richard Kind Jan Odle
Slim, die Stabheuschrecke: David Hyde Pierce Fritz von Hardenberg
Gustl, die Raupe (Heimlich): Joe Ranft Ottfried Fischer
Franzi, der Marienkäfer (Francis): Denis Leary Ivar Combrinck
Manny, die Gottesanbeterin: Jonathan Harris Horst Raspe
Gypsy, die Motte: Madeline Kahn Katharina Lopinski
Chiwap & Chichi, die Pillendreher (Tuck & Roll): Michael McShane Michael McShane
Hartmut Neugebauer
Rosie, die Schwarze Witwe: Bonnie Hunt Susanne von Medvey
Dim, der Nashornkäfer: Brad Garrett Oliver Stritzel
P.T. Floh (P. T. Flea): John Ratzenberger Michael Rüth
Herr von Boden (Mr. Soil): Roddy McDowall Ulirch Frank
Dr. Flora Edie McClurg Monika John
Dorny (Thorny): Alex Rocco Peter Thom
Cornelius: David Ossman Günther Wolf

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