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Gwangis Rache

Valley of Gwangi • USA 1969


Handlung

Irgendwo in der mexikanischen Wildnis bricht ein Mann zusammen, flüstert geheimnisvoll den Namen »Gwangi« und gibt seinem Bruder ein zappelndes Etwas in einem Sack. Der Amerikaner Tuck Kirby ist nach Villarosa gekommen, um seine alte Freudin T. J. Breckenridge abzuwerben. Doch die ist ganz zufrieden mit ihrem Zirkusunternehmen, dessen Hauptattraktion ihr Sprung auf einem Pferd in einen Wasserbottich ist. Doch nun zeigt sie Kirby ihre neueste Attraktion, »El Diabolo«, ein Mini-Pferd, das sie in ihre Show einbauen will. Kirby erkennt das Tier als Eohippus, da er zuvor mit dem britischen Professor Bromley gesprochen hat, der in der Gegend die 50 Millionen Jahre alten Spuren dieses Urpferds gefunden hat und nach ebenso alten Menschenspuren suchen will. Bromley stiftet daraufhin die Zigeunerin und blinde Seherin Tia Zorina an, das Urpferd zu stehlen und es ins Verbotene Tal zurückzubringen. Alle heften sich an ihre Spuren und finden den Eingang zum Tal, einen schmalen Felsspalt. Dahinter bestaunen sie die bizarren Felsformationen, bis sie von einem Flugsaurier angegriffen werden, der den kleinen Lope vom Pferd reißt und ein Stück durch die Luft trägt, bis er zu Boden geht und ihm ein Cowboy das Genick bricht. Der Professor bestimmt das Tier als Pterodactylus. Als sie dann einen Struthiomimus auf einem Felsen entdecken, nehmen sie neugierig die Verfolgung auf, aber plötzlich kommt Gwangi - übrigens ein Allosaurus - hinter einem Felsen hervor und frißt das arme Tier. Nun beginnt die wilde Jagd, als die Reiter reißaus nehmen. Der Raubsaurier frißt das Pteranodon und entdeckt dann Professor Bromley, der sich in einer Höhle versteckt hat. Aber just in diesem Moment taucht ein Styracosaurus auf, doch es kommt noch nicht zum Kampf. Erst am nächsten versuchen die Cowboys, das urzeitliche Monstrum mit Lassos einzufangen. Als sie es fast haben, kommt erneut der Styracosaurus, worauf Gwangi sich losreißt und die beiden Giganten aufeinander losgehen. Nachdem Gwangi triumphiert, wendet er sich wieder den Cowboys zu, die das Tal verlassen. Auch der Saurier zwängt sich durch den Felsspalt, wird aber von einer Lawine ausgeknockt.

Nun sieht man endlich einmal, wie so ein Monster transportiert wird, nämlich gefesselt auf einem von Pferden gezogenen Wagen. »Gwangi the Great« soll nämlich in der städtischen Arena als neue Attraktion ausgestellt werden. Doch während ein Elefant vor dem Vorhang Kunststücke vorführt, löst der Zwerg, ein Vertrauter der Zigeunerin, die Befestigungen von Gwangis Käfig. Als der Vorhang dann von einem Ballon gehoben wird, zerfleischt Gwangi gerade den Zwerg. Die Menschen fliehen entsetzt, als das Monstrum sich nun aus dem Käfig befreit und erst einmal auf den Elefanten losgeht. Nachdem dieser besiegt ist, tobt es durch die Stadt, während alles in die große Kathedrale flüchtet. Gwangi stemmt sich rückwärts gegen die Kirchentür und verschafft sich Einlaß in die heiligen Hallen. Die folgenden Szenen stellen wirklich etwas Ungewöhnliches für den Saurierfilm dar, als das Monster nun durch das Kirchenschiff stapft und sein Gebrüll unheimlich widerhallt. Doch ein solches Sakrileg darf natürlich nicht ungestraft bleiben. Kirby verletzt es zunächst mit einer Fahnenstange und erschreckt es mit Orgelgedröhn, das er versehentlich auslöst. Der Schrecken wird schließlich gebannt, als Kirby die Kirche in Brand setzt und das Monster in der Feuersbrunst jämmerlich zugrunde geht, während die Menschen auf dem Platz zusehen.

Produktion

Gwangis Rache geht auf eine Idee von Willis O'Brien aus dem Jahre 1942 zurück, die erst sein Epigone Ray Harryhausen sieben Jahre nach dem Tod O’Briens angemessen umsetzen konnte. Wohl am berühmtesten ist die Tricksequenz, in der der Saurier von den Cowboys mit Lassos festgehalten wird. Die Animationsarbeit für diese Szene dauerte mehr als fünf Monate. Der Realfilm wurde dabei zunächst mit einem Jeep gedreht, auf dem ein fünf Meter hoher Pfahl stand, an dem die Lassos befestigt waren. Im Studio wurde der Jeep herausgeschnitten und durch den animierten Allosaurus ersetzt, wobei die Bewegungen der Seile in den zwei Bildteilen sehr sorgfältig aufeinander abgestimmt werden mußten. Der Elefant in der Arena ist übrigens auch eine animierte Figur. In Die Bestie aus dem Weltenraum (20 Million Miles from Earth • USA 1957) hatte Ray Harryhausen den Riesen Ymir ebenfalls gegen einen Elefanten antreten lassen, dort handelte es sich allerdings um einen echten Elefanten, der nur an einigen schwierigen Stellen durch ein Stop-Motion-Modell ersetzt wurde. Als Gegner für Gwangi war ursprünglich wieder ein echter Elefant vorgesehen gewesen, aber als in Spanien, wo der Film gedreht wurde, keiner aufzutreiben war, realisierte man ihn komplett in Stop Motion.

Kritik

Dieses Werk stellt eine außergewöhnliche Kombination von Monsterfilm und Western dar, doch das Drehbuch von William E. Bast umgeht sehr geschickt einen möglichen Stilbruch, indem das Motiv der Dinosaurier im Wilden Westen sorgfältig vorbereitet wird. Obwohl es zu Anfang kaum spektakuläre Szenen gibt, steigert sich der Film kontinuierlich und besteht zum Schluß fast zur Hälfte aus Trickaufnahmen - was für einen Stop-Motion-Film ungewöhnlich viel ist.

Übrigens irrt sich Professor Bromley, wenn er den Flugsaurier als Pterodactylus identifiziert, denn diese Spezies hatte eine Flügelspannweite von kaum mehr als einem Meter. Bei dem gezeigten Flugreptil handelt es sich vielmehr um ein Pteranodon.

Medieninfo

Als die Dreharbeiten nach insgesamt zwei Jahren abgeschlossen waren, hatte das Management der Produktionsfirma Warner Brothers gewechselt. Die neuen Verantwortlichen wußten nicht so recht, wie sie diesen Film vermarkten sollten, wodurch er nicht zu dem Erfolg wurde, den er verdient hatte. Angeblich sollen viele Leute den Eindruck gehabt haben, es handele sich bei Gwangi um irgendeinen synchronisierten Monsterfilm aus Japan, wodurch offenbar mancher potentielle Zuschauer abgeschreckt wurde. Inzwischen gilt Ray Harryhausens Gwangis Rache jedoch als Klassiker und Meisterwerk des Stop-Motion-Films.

Bernhard Kempen

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Credits

Originaltitel:The Valley of Gwangi
deutscher Titel:Gwangis Rache (Kino)
Die Rache der Dinosaurier
(Video)
Gwangis Rache - Das Tal der Dinosaurier
(TV)
Land und Jahr:USA 1969
Technik:Technicolor • Stop Motion • Mono
Regie:James O’Conolly
Drehbuch:William E. Bast
Julian More
(Mitarbeit)
Vorlage:Willis O'Brien,Gwangi(1942)
Kamera:Erwin Hiller
Schnitt:Henry Richardson
Effekte:Ray Harryhausen
Ausstattung:Gil Parrondo (art director)
Musik:Jerome Moross
Produktion:Warner
Morningside
Charles H. Schneer
Ray Harryhausen
(ass. prod.)
Uraufführung:1969
deutscher Kinostart:25.7.1969 (Warner)
Länge:96 Minuten
FSK:ab 12 Jahre

Darsteller

Tuck Kirby:James Franciscus
T. J. Breckenridge:Gila Golan
Champ Connors:Richard Carlson
Professor Bromley:Laurence Naismith
Tia Zorina:Freda Jackson
Carlos:Gustavo Rojo
Rowdy:Dennis Kilbane
Bean:Mario de Barros
Lope:Curtis Arden
Zwerg:Jose Burgos
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