HandlungDer deutsche Archäologie-Student Steffen Vogt findet bei Ausgrabungen in Israel ein Skelett, das Rätsel aufgibt. Der Tote hat einen Beinbruch mit Titanschrauben behandeln lassen. An den Zähnen finden sich Spuren von Amalgam. Die Karbon-Datierung ergibt jedoch, dass die Gebeine schon 2000 Jahre alt sind. Neben der Leiche liegt die Gebrauchsanleitung für einen Video-Camcorder, der sich bei Sony noch in der Entwicklungsphase befindet.
Steffen vermutet: Der Tote ist ein Zeitreisender, der Bilder von Jesus Christus machen wollte. Für diese These muss er sich von seinem Professor erst einmal Spott anhören. Schon bald wird aus der Kuriosität jedoch blutiger Ernst: Hinter Steffen sind auf einmal Killer und Handlanger her. Teils gehören sie zum Lukanier-Orden, einer Organisation, die aus der Inquisition des Vatikans hervorgegangen ist. Teils handeln sie im Auftrag des amerikanischen Industriellen John Kaun. Und sie glauben, dass Steffen von der Ausgrabungsstätte einen Brief des Toten mitgenommen hat. Das aber ist gar nicht der Fall. Um die Verfolger wieder loszuwerden, beschließt Steffen, die Kamera selbst zu finden, und das Geheimnis, dass die Killer offenbar schützen wollen, publik zu machen.
Zunächst muss er bei der israelischen Kommilitonin Sharon untertauchen. Mit ihr und ihrem Freund Yehoshua findet Steffen bald mehr heraus. Die Suche nach der Kamera führt zu einem Versteck in der Klagemauer. Und noch etwas gelingt dem Trio: John Kaun gerät in ihre Gewalt und packt aus. Seine Firma arbeitet an der Zeitmaschine, mit der der Tote in der nahen Zukunft zurück in die Zeit des Heilands reisen wird. Noch will er dies vor der Welt verbergen. Der Vatikan dagegen hat Angst davor, dass sich die Dinge in der Zeit Jesu nicht so abgespielt haben, wie sie in der Bibel stehen. Deshalb will er das Bekanntwerden des Videos verhindern. Steffens Professor und ein amerikanischer Student müssen dran glauben. Auch das Trio gerät in Gefahr. Am Ende hält Steffen den unglaublichen Fund in der Hand. Doch was er zu sehen bekommt, betrifft letztlich nicht die Kirche sondern ihn ganz persönlich ...
Es hätte alles so wunderschön sein können: Ein Romanautor, der tiefgründig und dennoch unterhaltsam schreiben kann; ein Buch, das zum Bestseller wird; und ein Fernsehsender, der aus populären Stoffen schmissige Fernsehspiele machen kann. Das letzte Element hat sich als schwächstes Glied in der Kette erwiesen.
Die Verfilmung des Jesus-Videos wird dem Buch nicht gerecht. Die actionreiche Verfolgungsjagd und die Menage à trois zwischen den drei heroischen Hauptfiguren sind die Klischees, aus denen die Handlung hauptsächlich gestrickt wurde - zu Lasten der ursprünglichen Geschichte. Interessant ist der Zweiteiler am Anfang und am Ende, wenn das faszinierende Zeitparadoxon in den Köpfen der Zuschauer Gestalt annehmen kann. Dazwischen wird um wenig viel Lärm gemacht. Für das, was Steffen am Ende in Händen hält, wäre der Aufhänger rund um Jesus Christus gar nicht nötig gewesen. Für Fans des Romans ist insbesondere das abweichende Ende ärgerlich.
Wenn es um die Science Fiction-Elemente geht, versucht der Drehbuch-Autor gar nicht erst, die mögliche Funktionsweise einer Zeitmaschine zu erklären. Stattdessen gibt es viel Geschwafel über weitere Paradoxa. Es findet aber keine konsequente Festlegung statt, ob eine Veränderung der Vergangenheit noch rückgängig gemacht werden kann oder alles schon immer festgelegt war. Der Film schwankt zwischen diesen beiden unvereinbaren Positionen hin und her. So wird die Geschichte so unlogisch wie vor ihr Terminator und andere bessere Werke.
Die unverbrauchten Darsteller überzeugen durch solides Spiel, können die Handlung aber nicht retten. Am Tiefpunkt angelangt ist der Film, wenn der routinierte Schauspieler Dietrich Hollinderbäumer versucht, als Deutscher einen amerikanischen Unternehmer darzustellen. Das klappt einfach nicht.
Der dringend notwendigen Fortentwicklung des deutschen Science Fiction-Films, so es ihn überhaupt gibt, hat dieses »Event-Movie« leider keinen Dienst erwiesen. Andreas Eschbach wird es dagegen nicht schaden. Der allgemeine Kommentar aus dem Publikum wird so sein, wie schon so oft: »Lies mal das Buch - das ist viel besser!«
Arno Behrend ALIEN CONTACT
| Titel: | Das Jesus Video |
| Land und Jahr: | D 2001 |
| Regie: | Sebastian Niemann |
| Buch: | Martin Ritzenhoff |
| Nach Motiven von: | Andreas
Eschbach Das Jesus Video |
| Kamera: | Gerhard Schirlo |
| Schnitt: | Moune Barius |
| Musik: | Egon Riedel |
| Erste Aufnahmeleitung: | Lars Bieroth |
| Dramaturgische Entwicklung: | Catarina Raacke |
| Szenenbild: | Matthias Müsse |
| Kostüme: | Janne Birck |
| Maske: | Georg Korpas Sylvia Fischer |
| Produktion: | Christian Becker Anita Schneider David Groenewold |
| Produktionsfirmen: | Rat Pack Filmproduktion GmbH German Film Productions in Zusammenarbeit mit Beta Film |
| Ausführende Produzenten: | Simon Happ |
| Produktionsleitung: | Thomas Rohde |
| Redaktion: | Katrin Holetzeck (Pro 7) |
| deutsche Fernsehpremiere: | Teil 1: 5.12.2002 (Pro 7) Teil 2: 6.12:2002 (Pro 7) |
| Länge: | Teil 1: 92 min. Teil 2: 92 min. |
| Steffen: | Matthias Koeberlin |
| Sharon: | Naike Rivelli |
| Yehoshua: | Manou Lubowski |
| Roland Jung: | Robinson Reichel |
| Professor Wilfort: | Heinrich Giskes |
| Scarfaro: | Hans Diehl |
| John Kaun: | Dietrich Hollinderbäumer |
| Mann mit der gebrochenen Nase: | Klaus Grünberg |
| Christopher: | Pierre Semmler |