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Liliom

Liliom • F 1934


Liliom, Rummelplatzausrufer mit Charme und Vitalität, dazu ein leichtsinniger und verspielter Vorstadt-Casanova, gibt seine Stellung auf einem Pariser Kirmesplatz auf wegen des Dienstmädchens Julie, das ein Kind von ihm erwartet. Zunächst überglücklich, versinkt er bald in Verzweiflung und läßt sich von einem Saufkumpan für einen Raubüberfall gewinnen. Als der Coup mißlingt, begeht Liliom auf der Flucht vor der Polizei Selbstmord. Zwei schwarz gekleidete Herren geleiten ihn vor das himmlische Kommissariat, wo Liliom seinen Prozeß bekommt. Filmaufnahmen werden als Beweismaterial vorgeführt, die demonstrieren, wie er grundlos seine Frau geohrfeigt hat. Dafür muß er sechzehn Jahre Höllenfeuer erleiden. Dann darf er einen Tag zurück auf die Erde, um seiner herangewachsenen Tochter etwas Gutes zu tun. Als Fremder spricht er sie an und schildert ihr den nie gekannten Vater als Taugenichts. Als sie sich weigert, das zu glauben, erregt er sich so, daß er unbeherrscht sein Kind ohrfeigt. Der Unterteufel triumphiert, die Engel haben es schon immer gewußt: Liliom ist ein unverbesserlicher Mensch! Erneute Strafe droht, doch die Tränen von Mutter und Tochter, die der Erinnerung an Liliom gelten, fallen auf die Waage der himmlischen Gerechtigkeit und geben den Ausschlag zu seinen Gunsten.

»Liliom ist ein leichtgewichtiges Gegenstück zu dem tiefergehenden, mit dem Geist der deutschen Romantik beschwerten Stummfilm Der müde Tod: In Form der Legende wird die Frage gestellt, ob die Macht der Liebe den Tod besiegen kann.« (Michael Töteberg, Fritz Lang). Auf seinem Weg ins Exil Hollywood machte Fritz Lang gewissermaßen auf der Durchreise in Paris Station und drehte nach dem erfolgreichen Boulevardstück des gebürtigen Ungarn Franz Molnar (1878-1952, wie Lang ebenfalls Emigrant in USA) diese Filmversion. Die irdische Handlung wurde nach Paris verlegt, die 'himmlischen' Verhältnisse mit viel Witz und Ironie als Spiegelbild den irdischen gleichgesetzt. So entspricht die Aufnahmestation im Himmel bis ins Detail der Polizeiwache auf Erden. Der Himmelswärter, Mürrisch, fertigt in typischem Bürokratenverhalten die Neuankömmlinge ab. Die berühmteste Szene des Films ist die von unten aufgenommene Sequenz, in der die schwarzgekleideten Himmelsboten Liliom unterfassen und mit ihm in den Himmel aufsteigen. Diese Szene regte Jean Cocteau zu seinem Film Orpheus (F 1949) an. Erwähnenswert auch, daß die Rolle des mystischen Scherenschleifers von Antonin Artaud gespielt wurde, dem surrealistischen Schriftsteller, dem Schöpfer des 'Theaters der Grausamkeit'.


Foto: Berlinale

Als der Film Ende 1984 zum ersten Mal in bundesdeutsche Kinos kam, war die Aufnahme unterschiedlich. Für Josef Schnelle vom FILMDIENST »wirkt dieser Film heute - im guten Sinne antiquiert und modern zugleich«. Er sei ein vielschichtiges Kinoerlebnis nicht nur - aber ganz besonders auch - für Freunde des Filmschaffens von Fritz Lang, sei formal meisterlich zwischen getragenem Sturnmfilmmelodram und kunstvoller Tonfilmkollage inszeniert. Winfried Günther vom EPD FILM dagegen hält den Streifen nicht nur für den schwächsten, sondern auch für den untypischsten Lang-Film. »Ansonsten schlägt leider das dem Film zugrunde liegende Theaterstück voll durch, dergestalt, daß theatralische Situationen, bühnenmäßig gespielt, als solche belassen und abphotographiert werden, ohne daß sie mit zum Sujet gemacht oder wirklich filmisch gestaltet würden... Mit verquälter Anstrengung, aber zäher Beharrlichkeit spielt der Film, vom nächtlichen Rendezvous Lilioms und Julies im Park bis zur Begegnung Lilioms mit seiner Tochter, eine solche Szene nach der anderen oft in langen Einstellungen, die einem nichts davon ersparen, durch; sie ersparen einem vor allem auch nichts von der oft reichlich penetranten Kraftmeierei Charles Boyers und der noch penetranteren maskenhaften Leidensmiene Madeleine Ozerays sowie dem steinerweichenden Leidenstimbre in deren Stimme - da haben die fast durchweg besseren Nebendarsteller, allen voran Alcover und Florelle, keine Chance mehr, ein Gegengewicht zu schaffen... Es hat bei den Autoren, die über Lang schrieben, nicht an Versuchen gefehlt, thematische Querverbindungen zu anderen Lang-Filmen, für den Regisseur charakteristische Motive an Liliom aufzuzeigen. Das (ist u. a.) die starke Bedeutung des Schicksalhaften und auch der letztendliche Triumph der Liebe, welcher, ebenso wie der Übertritt von der irdischen in die jenseitige Sphäre, auf den Müden Tod zurückverweist... Der ohne qualifizierenden Zusatz angestellte Vergleich zwischen Liliom und dem Müden Tod hat auf der Ebene der sinnlichen Erscheinung der Filme etwas geradezu Albernes... Das ist wirklich Filmexegese von hinten durch die Brust ins Auge.«

Quintessenz: Den Film muß man gesehen haben!

Ronald M. Hahn/Volker Jansen/Norbert Stresau © 1986
Lexikon des Fantasy-Films

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Credits

Originaltitel:Liliom
Deutscher Titel:Liliom
Land und Jahr:F 1934
Regie:Fritz Lang
Buch:Fritz Lang
Robert Liebmann
Vorlage:Ferenc Molnár
Kamera:Rudolph Maté
Louis Née
Musik:Jean Lenoir
Franz Waxman
Produktion:SAF Fox-Film
Erich Pommer
Deutsche Uraufführung:17.3.1973
Länge:120 Minuten

Darsteller

Liliom:Charles Boyer
Julie:Madeleine Ozeray
Mme. Moscat:Florelle
Dreher:Robert Arnoux
Seemann:Roland Toutain
Hollinger:Alexandre Rignault
Kommissar:Henri Richaud
Polizist:Richard Darencet
Scherenschleifer:Antonin Artaud
Detektiv:Raoul Marco
Alfred:Alcover
Arbeiter:Léon Arvel
Kassierer:René Stern
Mme. Menoux:Maximilienne
Marie:Mimmi Funés
Zigarettenverkäuferin:Viviane Romance
die himmlische Stenotypistin:Mila Parély
und:Rosa Valetti
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