Der Manchurian KandidatUS-Major Bennett Marco hat den Krieg um Kuwait überlebt. Jahre nach seinem Einsatz in der Wüste wird er von einem anderen Veteranen angesprochen, den Alpträume plagen. Immer wieder sieht er, wie Marcos früherer Stellvertreter, Sergeant Raymond Shaw, zwei Kameraden ermordet. Marco wiegelt ab, rät dem Mann zu einer psychologischen Behandlung und verschweigt, dass er selbst die gleichen Alpträume hat. Sein Misstrauen erwacht erst richtig, als er einen Mikrochip findet, der am Rücken unter seiner Haut eingepflanzt ist. Langsam dämmert ihm, dass er, Shaw und die anderen Angehörigen ihrer Truppe während einer kurzzeitigen Gefangenschaft im Irak einer Gehirnwäsche unterworfen gewesen sein könnten. Bei seinem Arbeitgeber, der Army, schenkt dieser These niemand Glauben. Also macht sich Marco selber auf die Suche nach Beweisen. Es gelingt ihm, Shaw zu treffen, und ihm einen ebenfalls eingepflanzten Chip aus dem Körper zu entfernen.
Shaw ist schon lange nicht mehr der rangniedrige Offizier von damals. Unterstützt und gelenkt durch seine Mutter, einer einflussreichen Senatorin, steigt er zum Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten auf. Schon bald sieht der Zuschauer, was Ben Marco nur ahnt. Shaw wird in einer Geheimkammer in seiner Suite ständig von seinen einstigen Peinigern aufs Neue das Gehirn »gewaschen«, damit er unter der Kontrolle einer fremden Macht bleibt. Als Marco Shaws Rivalen um die Kandidatur ins Vertrauen zieht, begeht der mögliche zukünftige Vize-Präsident sogar ferngesteuert Morde, um die Manipulation an seinem Hirn zu decken. Marcos wenige Unterstützer und Kronzeugen sterben oder verschwinden. Der Feind hat offenbar einen weiblichen Spitzel auf ihn angesetzt. Erst sehr spät merkt der Major, dass auch ihm eine klar definierte Rolle in der Verschwörung zugedacht ist ...

Foto: UIP
Langsam muss man sich fragen, was am Kalten Krieg und seinen paranoiden Filmstoffen eigentlich so attraktiv ist. Jagd auf Roter Oktober, Puppet Masters und Der Anschlag sind Beispiele für Verfilmungen, die erst nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und damit zu spät produziert worden sind. Möglicherweise ist der Zuschauer dankbar für die klaren Fronten jener Jahre. Jetzt also ein Remake von Botschafter der Angst, eines Filmes aus dem Jahr 1962, mit dem der Filmdienst seinerzeit massiv ins Gericht ging: »Versuche kommunistischer Agenten, auf legalem Wege an die Macht zu kommen, auf den Kopf gestellte McCarthy-Methoden, Präparierung von Mittelsleuten wider Willen durch Gehirnwäsche das alles wird zu einer mysteriösen Kolportagegeschichte vermengt, die Glaubwürdigkeit und Sachlichkeit zugunsten faustdicker Polemik über Bord wirft. Dabei bedient man sich einer Typologie, die bestenfalls für Groschenheft-Niveau reicht.«
Die Regie des jungen John Frankenheimer war aber wohl trotzdem gut genug, um Jonathan Demme zu einem Remake zu bewegen. Diesmal allerdings haben die Macher vermieden, ein bestimmtes Land als manipulatives »Reich des Bösen« darzustellen, auch wenn dies anfangs so scheint. Das macht letztlich den Unterschied zwischen einem billigen Propagandastück und einem intelligenten Thriller aus. Der ungeschickt wirkende deutsche Titel rechtfertigt sich übrigens durch einen Konzern, der »Manchurian« heißt. Nein auch heute muss man nicht glauben, dass es Politiker gibt, die durch Gehirnwäsche und im Hirn eingepflanzte Chips ferngelenkt werden. Regie und Besetzung können uns diese Horror-Story aber gruselig glaubwürdig verkaufen. Gleichzeitig zeigt das Drehbuch die Grenzen solcher Manipulationen auf.
Denzel Washington überzeugt als verunsicherter und paranoider Veteran. Liev Schreiber präsentiert den Raymond Shaw stets präzise, gleichgültig, ob er das Muttersöhnchen oder der rhetorisch brillante Volkstribun sein muss. In jeder Hinsicht dominant ist aber Meryl Streep als intrigante, machtbesessene und mehr als fürsorgliche Politikermutter. Jedes Lachen von ihr ist eine wohlgezielte Attacke, jeder sorgfältig formulierte Satz ein sicherer Stoß durch die Verteidigung des Gegners. Die stets auf sensible Frauen abonnierte Vorzeige-Mimin Hollywoods demonstriert in diesem Film, wie bösartig sie sein kann, und erzeugt damit kein Amüsement, sondern eine kapitale Gänsehaut. Bruno Ganz überrascht nebenbei mit kurzen, aber brillanten Auftritten als deutscher Wissenschaftler.
Dieses Remake stellt, im Gegensatz zu vielen anderen, eine Verbesserung des ursprünglichen Films dar. Er vermeidet das nationale Pathos seines Vorgängers und kann auch sonst eine weniger tendenziöse Sicht der Dinge präsentieren. Und wer weiß vielleicht wird man, wider Erwarten, für die im Film enthaltene Warnung noch dankbar sein müssen.
Arno Behrend ALIEN CONTACT
| Originaltitel: | The Manchurian Candidate |
| deutscher Titel: | Der Manchurian Kandidat |
| Land und Jahr: | USA/GB 2004 |
| Regie: | Jonathan Demme |
| Buch: | Daniel Pyne Dean Georgaris |
| Kamera: | Tak Fujimoto |
| Schnitt: | Carol Littleton Craig Mckay |
| Musik: | Rachel Portman Wyclef Jean |
| Produktionsdesign: | Kristi Zea |
| Kostüme: | Albert Wolsky |
| Produktion: | Scott Rudin Tina Sinatra Ilona Herzberg Jonathan Demme |
| Ausführende Produzenten: | Scott Aversano |
| deutscher Kinostart: | 11.11.2004 (UIP) |
| Länge: | 129 min. |
| | FSK ab 12 Jahre |
| dt. Synchron | ||
| Marco Bennett: | Denzel Washington | Leon Boden |
| Eleanor Prentiss Shaw: | Meryl Streep | Dagmar Dempe |
| Raymond Shaw: | Liev Schreiber | Marco Kröger |
| Thomas Jordan: | Jon Voight | Hans W. Bussinger |
| Rosie: | Kimberly Elise | Anke Reitzenstein |
| Al Melvin: | Jeffrey Wright | Bernd Schramm |
| Colonel Howard: | Ted Levine | Jan Spitzer |
| Richard Delp: | Bruno Ganz | Bruno Ganz |
| Dr. Atticus Noyle: | Simon Mcburney | Oliver Rohrbeck |
| Jocelyn Thomas: | Vera Farmiga | Christin Marquita |
| Laurent Tokar: | Robyn Hitchcock | Andreas Hosang |
| Colonel Garret: | Miguel Ferrer | Michael Telloke |
| David Donovan: | Jude Ciccocella | Ernst Meinke |
| Robert Arthur: | Tom Stechschulte | Bodo Wolf |
| Mark Whiting: | Dean Stockwell | |
| Robert Arthur: | Tom Stechschulte |