HandlungIn den zentralafrikanischen Pangani-Bergen erforscht die Biologin Dr. Ruth Young das Leben einer Herde Gorillas. Ihre kleine Tochter Jill hat sich mit einem Gorillababy namens Joe angefreundet, das deutlich schneller als seine Artgenossen heranwächst. Das Drama beginnt, als eines Nachts die Wilderer Strasser und Garth Jagd auf die Herde machen. Joe beißt dem bösen Strasser im Kampfgetümmel zwei Finger ab, doch am Ende sind Joes Gorillamutter und Dr. Young tot.
Zwölf Jahre später ist Jill zu einer hübschen jungen Frau herangewachsen, die in einem Dorf nahe der Pangani-Berge lebt, um die Arbeit ihrer Mutter weiterzuführen. Der amerikanische Zoologe Gregg OHara kommt in die Gegend, um der Legende über einen hier lebenden Riesengorilla nachzugehen. Als seine Helfer einen Leoparden einfangen, bricht plötzlich ein gigantischer Gorilla durchs Unterholz und befreit das Tier aus dem Käfig. Mit ihren Jeeps nehmen sie die Verfolgung des Ungetüms auf, das sie jedoch austrickst und die Fahrzeuge zertrümmert. Danach muß OHara seine Suche ohne einheimische Helfer fortsetzen.
Schließlich steht er dem über vier Meter großen Riesenaffen erneut gegenüber, und diesmal kann nur die plötzlich auftauchende Jill ihn vor dem Zorn des Gorillas retten. Gregg erfährt schließlich von ihr, daß sie ihren großen Freund Joe vor neugierigen Forschern und Profiteuren schützen will. Er versucht sie nun davon zu überzeugen, daß Joe in einem bewachten Reservat am sichersten wäre, und nach langem Hin und Her erklärt sie sich einverstanden, Joe in ein Freigehege nach Los Angeles zu bringen.
Der Leiter des Instituts, Dr. Harry Ruben, entzieht Jill entgegen der Abmachungen die Aufsicht über Joe, was sich bitter rächt, als Joe mit Harry »Verstecken spielen« will. Zähneknirschend muß er einsehen, daß nur Jill den Giganten besänftigen kann.
Als der Großwildjäger Strasser davon erfährt, lebt sein alter Haß wieder auf. Er ist auf der Party anwesend, bei der Joe der Öffentlichkeit vorgestellt werden soll. Als Joe seinen alten Widersacher wiedererkennt und von ihm zur Weißglut gereizt wird, will er sich an ihm rächen und zertrampelt das Gästezelt, bevor er durch einen Betäubungsschuß ruhiggestellt werden kann - ohne daß Jill oder die anderen etwas von den Zusammenhängen ahnen.
Deshalb gehen sie arglos auf Strassers Angebot ein, Joe in ein privates Gehege nach Simbabwe zu bringen, bevor er möglicherweise auf gerichtlichen Beschluß eingeschläfert wird. Doch Joe kann sich aus dem Truck befreien und läuft in den Straßen von Los Angeles Amok. Zunächst kann der Gorilla seinen Verfolgern entkommen, doch auf einem Rummelplatz kommt es schließlich zur großen Entscheidung ...
Als sich vor einigen Jahren der Disney-Studiochef Joe Roth und der Produzent Ted Hartley, der 1989 die alte Filmfirma RKO reaktiviert hatte, trafen, beschlossen sie, sich gemeinsam an eine Neuverfilmung des Klassikers Panik um King Kong (Mighty Joe Young USA 1949) zu wagen. Damals war der Riesenaffe mit Stop-Motion-Tricks von Willis OBrien - der erstmals einen gewissen Ray Harryhausen als Assistent beschäftigte - realisiert worden, und die Story von Ernest B. Schoedsack und Ruth Rose war im Grunde nicht mehr als ein Nachschlag auf den sechzehn Jahre zuvor entstandenen King Kong und die weiße Frau (King Kong USA 1933) gewesen.
Für das Remake sollten natürlich modernste Tricktechniken zum Einsatz kommen, und so stand von Anfang an fest, daß Rick Baker für die Überwachung des Riesengorillas verantwortlich sein sollte. Baker ist in der Filmbranche als der führende Experte auf diesem Gebiet bekannt und entwarf die Menschenaffen für Gorillas im Nebel (Gorillas in the Mist USA 1989), lieferte allerdings mit King Kong (King Kong USA 1976) eine weniger überzeugende Arbeit ab. Um nicht denselben Fehler zu begehen, wurden die Probleme bei der Darstellung eines Gorillas in Überlebensgröße diesmal durch sorgfältigere Abstimmung verschiedener Tricktechniken gelöst.
Für
Mein großer Freund Joe wurden drei lebensgroße, teilweise per Hydraulik
bewegliche Modelle in stehender, sitzender und schlafender Haltung gebaut. Acht
Perückenmacher waren zehn Monate lang damit beschäftigt, die Haare an den Kostümen zu
befestigen. Für die Augen hatte man bisher einfache Glaskugeln benutzt, doch diesmal
verwendete man gewölbte Hornhaut, die viel realistischer wirkt, zumal Joe eine breite
Palette an Emotionen zeigen sollte.
Wenn sich der gesamte Affe durchs Bild bewegen mußte, schlüpfte der Affendarsteller John Alexander in ein Gorillakostüm und trat in Kulissen auf, die im Maßstab 1 zu 2,5 verkleinert waren - zum Beispiel wenn Joe die Humvee-Geländewagen oder die Einrichtung des Partyzeltes demoliert. Zumeist wurde er aus verzerrter Perspektive und mit verlangsamter Geschwindigkeit - 32 statt 24 Bilder pro Sekunde - gefilmt. Einige Szenen entstanden vor der Blue Screen, damit sie später ins fertige Bild einkopiert werden konnten. Eine dieser Blue Screens war 15 mal 80 Meter groß - vermutlich die größte, die jemals für einen Film verwendet wurden. Außerdem stellte die Firma Eastman Kodak neuartiges Filmmaterial zur Verfügung, mit dem der lästige Flimmereffekt verschwand, der vor allen an den feinen Haaren auftritt.
Am Computer wurden insgesamt 110 Blue-Screen-Aufnahmen nachbearbeitet und 23 Szenen vollständig animiert. Die Programmierer von Dream Quest entwickelten unter der Leitung von Hoyt Yeatman eine ganz neue Software namens »Yeti«, mit dem sich erstmals Haare lebensecht computeranimieren ließen.
Die Effekte beanspruchten eine Produktionszeit von zwei Jahren, eine Investition, die sich zumindest für Rick Baker lohnte, da seine Arbeit erneut für den Oscar nominiert wurde, den er bereits fünfmal erhalten hat.
Altmeister Ray Harryhausen, der an den Tricks der Originalverfilmung mitgearbeitet hatte, wurde mit einem Cameo-Auftritt eine besondere Reverenz erwiesen. Auf der Party hat er einen kurzen Dialog mit Terry Moore, die 1949 die Rolle der Jill Young gespielt hatte. Harryhausen begutachtete natürlich auch die Arbeit der heutigen Tricktechniker, die ihn sehr beeindruckt haben soll.
Der ursprünglich vorgesehene Drehort Afrika wurde aus technischen und logistischen Gründen verworfen. Statt dessen entschied man sich für das Kualoa Valley auf der Hawaii-Insel Oahu, die seit Jurassic Park (Jurassic Park USA 1993) immer wieder für exotische Dschungelschauplätze herhalten muß. Im Juni 1997 kehrte das Drehteam nach Los Angeles zurück, wo unter anderen die Außenaufnahmen vor dem berühmten »Graumans Chinese Theater« und am Hollywood Boulevard entstanden. In Long Beach wurde eigens für den Film der Vergnügungspark »Palisades Ocean Park« samt Riesenrad konstruiert, das schließlich Feuer fängt und umstürzt. Diese sorgfältig vorbereitete Katastrophe ereignete sich am 17. August 1997 und wurde von insgesamt 16 Kameras gefilmt.
Mein großer Freund Joe ist ein Kinomärchen für die ganze Familie - spannend, witzig, tragisch, streckenweise rührend bis rührselig - eine Mischung aus Monsterfilm und ökologischem Engagement, das »fehlende Glied« zwischen King Kong und Gorillas im Nebel. Die Geschichte ist dieselbe wie in King Kong, eine Love Story zwischen junger Frau und mißverstandenem Monster - die Schöne und das Biest. Es kommt gar zu Eifersuchtsszenen, wenn Gregg sich in Jill verliebt und Joe verärgert die Stirn runzelt. Tricks und Hauptdarsteller sind gleichermaßen sehenswert und überzeugend. Das Happy-End ist typisch für eine Disney-Produktion, hingegen ungewöhnlich für einen Monsterfilm. Regisseur Ron Underwood, der bereits in seinem Debüt Im Land der Raketenwürmer (Tremors USA 1990) ein Trash-Thema mit verblüffender Stilsicherheit inszenierte, machte auch dieses Werk zu einem Monsterfilm mit ungewöhnlicher emotionaler Bandbreite.
Bernhard Kempen Fotos: Buena Vista
| Originaltitel: | Mighty Joe Young |
| deutscher Titel: | Mein großer Freund Joe |
| Land und Jahr: | USA 1998 |
| Technik: | Computeranimation CinemaScope / Technicolor Dolby Digital |
| Regie: | Ron Underwood |
| Drehbuch: | Mark Rosenthal Lawrence Konner |
| Vorlage: | Ernest B. Schoedsack (Story+Regie) Ruth Rose (Drehbuch): Panik um King Kong (Mighty Joe Young USA 1949) |
| Kamera: | Donald Peterman Oliver Wood |
| Schnitt: | Paul Hirsch |
| Effekte: | Rick Baker
(Entwurf und Realisation von Joe, Make-up) Voni Hinkle (Spezielle Make-Up-effekte) Hoyt Yeatman (Leitung der visuellen Effekte) Dreamquest Images Industrial Light & Magic (Visuelle Effekte und Computeranimation von Joe) |
| Musik: | James Horner |
| Ausstattung: | Michael Corenblith |
| Kostüm: | Molly Maginnis |
| Produktion: | Disney Ted Hartley Tom Jacobson (ausführend) Gail Katz (ausführend) Mark Lisson (co-ausführend) Gary Stutman (co-ausführend) |
| US-Kinostart: | Weihnachten 1998 (USA) |
| deutscher Kinostart: | 1.7.1999 (Buena Vista) |
| Länge: | 111 Minuten |
| | FSK o. A. |
| Jill Young: | Charlize Theron |
| Joe Young: | John Alexander |
| Gregg O'Hara: | Bill Paxton |
| Strasser: | Rade Serbedzija |
| Garth: | Peter Firth |
| Harry Ruben: | David Paymer |
| Cecily Banks: | Regina King |
| Kweli: | Robert Wisdom |
| Pindi: | Naveen Andrews |
| Dr. Baker: | Lawrence Pressman |
| Dr. Ruth Young: | Linda Purl |
| Vern: | Geoffrey Blake |
| Jack: | Christian Clemenson |
| Jason: | Cory Buck |
| Jasons Mutter: | Liz Georges |
| Commander Gorman: | Richard Riehle |
| Mann auf der Party: | Ray Harryhausen |
| Frau auf der Party: | Terry Moore |