HandlungDas »Million Dollar Hotel« steht in einem heruntergekommenen Viertel von Los Angeles und beherbergt das gesamte Spektrum gescheiterter menschlicher Existenzen. Eines Morgens steigt der junge Tom Tom aufs Dach, nimmt Anlauf und springt in den Tod. Dieses Ereignis nimmt Tom Tom zum Anlaß, seine Geschichte zu erzählen, die damit beginnt, daß er Eloise kennenlernt und sich in sie verliebt. Die junge Frau irrt barfuß durch die Stadt, verschlingt stapelweise Bücher und behauptet von sich, daß sie gar nicht existiert. Dann tritt Agent Skinner vom FBI in die Lobby des Hotels, weil kurz zuvor der Junkie Izzy Goldkiss vom Dach in den Tod stürzte - oder gestürzt wurde. Zumindest Izzys reicher Vater will nichts von einem Selbstmord wissen und drängt Skinner, einen Mordschuldigen zu finden. Doch die Hotelbewohner halten zusammen, vor allem der Späthippie Dixie, der behauptet, als fünfter Beatle für die Erfolge der »Fab Four« verantwortlich zu sein, organisiert den Widerstand. Während der Indianer Geronimo in Untersuchungshaft genommen wird, versuchen Dixie und Co. die Teerbilder Izzys an einen Kunsthändler zu verkaufen. Irritierende Wahrheiten kommen ans Licht, bis sich der Kreis schließt und Tom Tom eines Morgens aufs Dach des Hotels steigt ...
1995 ging der deutsche Regisseur Wim Wenders wieder in die USA, wo er bereits zu Anfang der Achtziger einige Filme gedreht hatte, obwohl die Zusammenarbeit mit dem Produzenten Francis Ford Coppola nicht gerade harmonisch verlaufen war. Wenders erstes Projekt war das Science-Fiction-Drehbuch The Billion Dollar Hotel, das auf eine Idee des U2-Sängers Bono zurückgeht. Doch von den großen Hollywood-Companys war keine bereit, das Projekt zu finanzieren. Schließlich gelang es dem Regisseur, unter anderem von Bono und Mel Gibson die benötigen acht Millionen Dollar Produktionskosten zusammenzukratzen, und Autor Nicholas Klein verlegte die Handlung in die sehr nahe Zukunft. Auch aus dem ursprünglich geplanten Titel wurden einige Nullen gestrichen, so daß The Million Dollar Hotel nach Wenders recht erfolgreichen Filmen Am Ende der Gewalt (The End of Violence USA 1997) Buena Vista Social Club (Ry Cooder & The Buena Vista Social Club D/USA 1999) endlich realisiert werden konnte.

Milla Jovovich und Mel
Gibson
Mit Filmen wie Paris, Texas (D/F/USA 1984) oder Der Himmel über Berlin (D 1987) hat Wim Wenders einen ganz eigenen Weg eingeschlagen. Obwohl seine Wurzeln im deutschen Autorenfilm liegen und er sich bewußt den Konventionen des Hollywood-Kinos verweigert, ist sein Werk durchaus für ein größeres Publikum geeignet. Wenders ist sozusagen der Actionfilmer unter den intellektuellen Regisseuren. Auch mit The Million Dollar Hotel ist ihm ein ungewöhnlicher Spagat zwischen einem Krimi mit amerikanischer Starbesetzung und einer unkonventionell erzählten, tiefschürfenden Abhandlung über die menschliche Existenz gelungen. Die Schauspieler sind auf jeden Fall sehenswert: Jeremy Davies als kindlich-naiver Verrückter, Milla Jovovich als rätselhafte Elfe, Peter Stormare als komischer Heiliger und Mel Gibson als tougher Freak (seit der Amputation eines dritten Arms kann er sich nur noch mit Stützkorsett und Halskrause bewegen). Das Irritierende an diesem Film ist das Fehlen von Linearität und eindeutiger Kausalität. Letztlich geht es gar nicht um die Suche nach dem Mörder, sondern um das Eintauchen in einen Traum, der erstaunliche Bilder aus den Tiefen der menschlichen Seele zutage fördert. Die eigentlichen Fragen lauten: Wer ist Izzy, der nur in einer einzigen kurzen Szene erscheint? Gibt es ihn wirklich (»is he«)? Hat er Kunst (»art«) oder Teer (»tar«) produziert? Warum will Tom Tom irgendwann nur noch Tom genannt werden? Gibt es ihn ein- oder zweimal? Und warum spielt der Film ausgerechnet im Jahr 2001? - Wer von einem Kinobesuch nicht unbedingt solide Hausmannskost erwartet, wird im Million Dollar Hotel bestens bedient werden.
Mit Wenders The Million Dollar Hotel wurde am 9.2.2000 - einen Tag vor dem offiziellen Kinostart - der Wettbewerb der 50. Internationalen Filmfestspiele Berlin eröffnet. [bk]
| Originaltitel: | The Million Dollar Hotel |
| deutscher Titel: | The Million Dollar Hotel |
| Land und Jahr: | USA/D 2000 |
| Regie: | Wim Wenders |
| Drehbuch: | Bono Nicholas Klein Wim Wenders |
| Idee: | Bono |
| Kamera: | Phedon Papamichael |
| Schnitt: | Tatiana S. Riegel |
| Effekte: | Nastuh Abootalebi (digitale Effekte) Thomas Tannenberger (Produzent der visuellen Effekte) Dominik Trimborn (Inhaus-Koordinator) |
| Musik: | U2 Brian Eno |
| Produktionsdesign: | Robbie Freed Bella Serrell (art director) Tiffany Payne (set decorator) |
| Produktion: | Bono Bruce Davey Ulrich Felsberg (ausführend) Nicholas Klein Deepak Nayar Wim Wenders |
| Uraufführung: | 9.2.2000 Berlin (50. Internationale Filmfestspiele Berlin) |
| deutscher Kinostart: | 10.2.2000 (Concorde) |
| Länge: | 122 Minuten |
| | FSK o. A. |
| Tom Tom: | Jeremy Davies |
| Eloise: | Milla Jovovich |
| Agent Skinner: | Mel Gibson |
| Dixie: | Peter Stormare |
| Geronimo: | Jimmy Smits |
| Jessica: | Gloria Stuart |
| Charley Best: | Donal Logue |
| Vivian: | Amanda Plummer |
| Joc: | Richard Edson |
| Reporter: | Ezra Buzzington |
| Geschäftsmann: | Phil Hawn |
| Doll Lady: | Susan Jordan |
| David Stifel | |
| Bono |