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»OVERWHELMING!Nicht mal Ed Wood mochte Robot
Monster: »In den Tagen von 3-D gab es einen Film, der nur, weil er in 3-D war, im
Paramount Theater in Hollywood lief, einem richtigen Erstaufführungstheater. Der Streifen
bekam aber nur eine Vorstellung, dann wurde er aus dem Verkehr gezogen - bis das Fernsehen
ihn nahm. Angeblich handelte es sich um ein Science-Fiction-Stück, aber Science (oder
Fiction) war allein die Tatsache, daß der Film überhaupt gemacht wurde. Dieser
sogenannte Produzent läuft noch heute durch Hollywood und zieht den Finanziers das Geld
für einen Mist aus der Tasche, der niemals aufgeführt wird.«
»Suppose I were a man, would you treat me like a man?« -
»Wie kann ich den Leuten nur beibringen, daß ich diesen Mist nicht geschrieben habe?«
klagt Autor Wyott Ordung, ein dekorierter Kriegsveteran. »Denken Sie sich nur, wie das
mein Ego verletzt hat. Ich war im Kino die Woche, als der Film rauskam, und hinter mir
saß jemand, der tönte: 'Ich würd ja gern mal den Autor sehen und ihm den Hals
umdrehen.' Und als ich aus dem Kino kam, hörte ich, wie der Theaterleiter zur
Popcornverkäuferin sagte: 'Wenn ich wüßte, wer der Autor ist, würd ich ihn glatt am
nächsten Telefonmast aufhängen.' Folgendes war passiert: Al Zimbalist, der Produzent -
und das ist jetzt ungelogen! - hatte einen Verwandten, der ihm noch 500 Dollar schuldete.
Dem befahl er, mein Skript umzuschreiben, dann würde er die 500 Piepen vergessen.
Bewußter Mensch, der übrigens in der Möbelbranche arbeitete, schrieb 60 Prozent meines
Manuskripts um. Ich hab es hinterher nicht wiedererkannt.«
Angefangen hatte Ordungs Leidensgeschichte mit dem Besuch des »Regisseurs« Phil Tucker. Ordung erinnert sich daran, als sei es gestern gewesen: »Er kam zu mir nach Hause mit seiner Frau Francine und sagte: Ich hab da eine Idee für einen Film, die du für mich aufschreiben sollst. Der Titel ist Googie-Eyes. Worauf sich Francine einmischte und sagte: Wyott, es ist ihm ernst damit. Er hat mir was von einer Komödie erzählt, einer Monsterkomödie. Phil, sagte ich, da bist du bei mir an der falschen Adresse. Aber Phil ließ sich nicht aus der Ruhe bringen: Also, dieser Googie-Eyes-Typ, der mit den großen Glupschaugen ... Francine unterbrach - und so begann Robot Monster: Wyott, Phil will einen Film machen über die letzten vier Menschen, die nach einem Atomkrieg auf der Erde sind. Ich entgegnete, das sei nicht unbedingt komisch. Besonders, wenn du zu denen gehörst, die dabei draufgegangen sind! Genau das hab ich ihm letzte Nacht zu erklären versucht, pflichtete Francine mir bei. Aber Phil sagte nur: Ro-Man. Was zum Teufel ist das jetzt schon wieder - ein Ro-Man? wollte ich wissen. Laut Phil war es die Kurzform für Robot-Man. Okay, sagte ich, und wie sieht der aus? Phil: Ich weiß nicht. - Schon drei Tage später machten wir einen Test in 3-D. Ich besorgte die Darsteller - und Phil trug eine Trillerpfeife um den Hals. Richtig Regie führen konnte er nämlich nicht; alles, was er konnte, war pfeifen. Ich will jetzt nicht verächtlich über diesen Mann reden ... was ich sagen will, ist ... Um ein Beispiel zu geben, Phil sagte: Okay, wenn ich jetzt pfeife, bedeutet das - Action! Ich zog mir selbst ein Monsterkostüm für den Test über. Das heißt, eigentlich war es nur eine Feuerwehruniform mit einem Goldfischglas und einer Fernsehantenne darauf. Darin stakste ich herum und streckte meine Finger aus, um den 3-D-Effekt auszuprobieren, und Phil blies auf seiner Trillerpfeife und schrie Action! und Cut!« Das letzte, was Ordung von Tucker hörte, war, daß der Test »absolut großartig« verlaufen sei. Geld hat er für seine Mitwirkung keins bekommen, sieht man mal von den 50 Cent ab, die ihm, als er total blank war, der Verkauf des Original-Drehbuchs an Larry Edmunds Filmbuchladen auf dem Hollywood Boulevard brachte.
Phil Tucker stellte sich das Monster, das den Überlebenden an den Kragen will, als »eine Art Roboter« vor: »Ich sprach mit mehreren Leuten, von denen ich wußte, daß sie Robotkostüme hatten, aber das wäre alles zu teuer gekommen. Also dachte ich mir: Du kennst doch George Barrows, den Gorillamann. Wenn sie einen Gorilla für einen Film brauchten, riefen sie George an, denn er besaß sein eigenes Kostüm und kriegte dann dafür 40 Dollar pro Tag. Ich sagte mir: Ich weiß, daß George umsonst für mich arbeiten wird. Ich werd ihm einen Taucherhelm aufsetzen - und das muß dann reichen!«
Robot Monster, mit dem späteren Jerry-Cotton-Darsteller George Nader in der männlichen Hauptrolle, hat laut Tucker nicht mehr als 16.000 Dollar gekostet. »Auch heute noch bin ich fest davon überzeugt, daß es für so einen geringen Betrag niemand hätte besser machen können. Für das Budget und für die kurze Drehzeit, glaub ich, hab ich was Großes geleistet ... Was Low-Budget-Filme angeht, war es in diesem Jahr meiner Meinung nach der herausragende Film.« Die Kritiker waren da freilich ganz anderer Ansicht. Ihr Verdikt traf den damals 26jährigen Tucker so hart, daß er sich zeitweise in der psychiatrischen Abteilung des Veterans Administration Hospital in West Los Angeles verkroch und sogar einen Selbstmordversuch unternahm - nicht ohne vorher einen pathetischen Abschiedsbrief an eine örtliche Zeitung geschickt zu haben, deren eiligst entsandter Reporter ihn dann mit einer Überdosis Schlaftabletten auffand. So konnte er sogar noch weitere Filme verbrechen: The Cape, Canaveral Monsters und Space Jockey: »Meine anderen Filme sind okay, aber dieser Space Jockey - nun, der war echt Scheiße. Ich würd sogar sagen, daß ist möglicherweise der schlimmste Film, der je gemacht wurde.« (Leider ist das Werk verschollen, und so können wir den Anspruch nicht rechtfertigen.) Später tauchte Tucker als Postproduction-Mitarbeiter von Dino De Laurentiis' King Kong-Desaster wieder aus der Versenkung auf.
Rolf Giesen
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Das Buch zur Web-Site: Rolf Giesen und Bernhard Kempen: Invasion des Wahnsinns Die schlechtesten Science-Fiction-Filme |
| Originalitel: | Robot Monster |
| Land und Jahr: | USA 1953 |
| Regie: | Phil Tucker |
| Drehbuch: | Wyott Ordung |
| Kamera: | Jack Greenhalgh |
| Musik: | Elmer Bernstein |
| Spezialeffekte: | Jack Rabin |
| Produktion: | Al Zimbalist im Auftrag des Astor-Filmverleihs |
| Länge: | 63 Min |
| Roy: | George Nader |
| Ro-Man: | George Barrows |
| Johnny: | Gregory Moffett |
| Alice: | Claudia Barrett |
| Professor: | John Mylong |