Serenity Flucht in neue WeltenMal Reynolds bringt die fünfköpfige Besatzung seines Raumschiffs Serenity mehr schlecht als Recht durch, indem er Waren zwischen den kargen äußeren Kolonien verschiebt und dann und wann als Auftragskrimineller aushilft. Der einzige Grund, warum die machthabende Planetenallianz ihn noch nicht vor Gericht gestellt hat, besteht darin, dass er ein viel zu kleiner Fisch ist. Das ändert sich, als er den flüchtigen Simon Tam aufnimmt, der seine Schwester River aus einem Hochsicherheitslabor der Regierung befreit hat. Dort hatte man das Wunderkind einer psychischen Tortur unterzogen, um ihr Potential als Geheimwaffe auszuloten. Bald haben Mal und seine zusammengewürfelte Crew einen fanatischen Allianzkiller auf den Fersen, der dafür sorgen will, dass die Geheimnisse, die River möglicherweise erfahren hat, auch solche bleiben. Mal bleibt nur die Flucht nach vorne. Doch der Schlüssel zu Rivers gefährlichem Wissen liegt mitten im Territorium der Reaver-Menschen, die von ihrem Leben am Rande des bekannten Raums in mörderischen Wahnsinn getrieben worden sind ...

Foto: UIP
Die Entstehungsgeschichte von Serenity ist außergewöhnlich: 2002 lief Firefly, eine SF-Serie vom Buffy-Schöpfer Joss Whedon, im amerikanischen Fernsehen an, wurde aber bereits nach vierzehn produzierten Folgen wieder abgesetzt. Auf DVD erwies die Serie sich dann als Renner und brachte ein aktives Fandom hervor so dass Whedon schließlich die Universal-Studios überzeugen konnte, mit Serenity eine Kinofortsetzung der Serie zu produzieren, bei der er selbst als Drehbuchautor und Regisseur fungierte.
Der Film ist, wenn auch nicht ganz so offensichtlich wie die Serie, ein SF-Western-Hybrid, in dem die »Äußeren Kolonien« ganz unverhohlen die westliche Frontier repräsentieren. Die entsprechenden stilistischen Anachronismen sind Geschmackssache. Es lohnt sich auf jeden Fall, erste Irritationsgefühle zu überwinden und Film (und Serie) eine Chance zu geben denn Serenity besticht nicht nur mit Whedons knappen und trockenen Wortwitz, er basiert auch auf einer waschechten SF-Grundidee, die zur Abwechslung einmal NICHT lautet: »Wir leben in einer Scheinwelt« oder »Außerirdische greifen die Erde an«.
Das Raumschiff Serenity wird gleich bei seinem ersten Auftritt als rostiges Stück Flickwerk vorgestellt, neben dem sogar Han Solos Millennium Falcon geleckt aussehen würde. In einer filmisch eleganten, schnittfreien Einführungssequenz kriegen wir die sichtlich bewohnten Innenräume des Schiffs zu sehen und lernen die Besatzung kennen. Dieser streitende, auf den ersten (und zweiten) Blick absolut dysfunktionale Haufen verleiht dem Film seinen Charme. Alle neun Hauptfiguren der Serie Firefly tauchen auch im Film auf, und Whedon gibt allen ihre denkwürdigen Momente. Das funktioniert, weil er ihre jeweiligen Eigenheiten in knappen Dialogen effektiv auf den Punkt bringt. Dabei hat er keine Angst vor Klischees - allerdings kriegt bei ihm jeder allzu klassische Ausspruch einen zusätzlichen Dreh, der meistens nicht nur ein Lacher ist, sondern auch zu Charakterisierung der Figuren beiträgt. Das durchgehend starke Ensemble profitiert dabei deutlich von der gemeinsamen Serienerfahrung so uneinheitlich die Raumschiffcrew ist, so eingespielt sind ihre Darsteller. Besonders Alan Tudyk (der im Film leider eher im Hintergrund bleibt) spielt den gutmütigen Piloten Wash mit humorvollem Understatement. Adam Baldwin macht aus jedem einzelnen Oneliner des archetypischen großen Mistkerls Jayne Cobb einen Lacher, und Summer Glau spielt die Rolle der psychotischen River Tam mit einer Mischung aus schlafwandlerischer Eleganz und tiefster Verzweiflung. Nur Morena Baccarin professionelle (und hochangesehene) Prostituierte Inara wirkt im Film ein wenig überflüssig und ist nach einer einzigen guten Szene in erster Linie mit Hinterherlaufen beschäftigt.

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Thematisch stellt Serenity eine Art Anti-Star-Trek dar: Die mächtige Allianz, vor der die Antihelden des Films auf der Flucht sind, erinnert in ihrem Ziel, eine »bessere Menschheit« zu erschaffen, nicht von ungefähr an die Föderation. Gleichzeitig zitiert Whedon das, wovon er sich abgrenzt, mit liebevoller Ironie. So erinnert der erste Blick auf die Serenity deutlich an die andächtige Inszenierung der Enterprise: nur dass die Andacht hier rüde durch einen Hardwareschaden unterbrochen wird. Im Finale stellt Whedon dann wirkungsvoll unter Beweis, dass in seinem SF-Universum nicht nur die Technik pannenanfällig ist, sondern auch beim Heroismus nicht immer alles nach Plan verläuft. Mal und seine Crew setzen ihr Leben nicht unbedingt täglich für die gute Sache aufs Spiel wenn sie es tun, dann ist die Lage ernst, die Folgen unabsehbar...
Action und Spezialeffekte überzeugen ebenfalls: Hier werden zwar keine neuen Maßstäbe gesetzt, aber alles, was Handlung und Spannung zuträglich ist, ist vorhanden und gelungen, und einige der Kampfszenen sind sogar herausragend zu nennen. Auch hier findet Whedon Gelegenheit, Stil und Charakter seiner Figuren zu definieren. Die eine wirklich große Effektsequenz gegen Ende des Films knallt dann nach all der relativen Bemessenheit umso mehr Hier hat man wirklich das Maximum aus dem Budget rausgeholt.
So viel Lob kommt natürlich von einem ohnehin schon bekehrten Firefly-Fan aber auch die Schwachpunkte des Films sollen nicht verschwiegen werden. Zum einen dürften die vielen Figuren manche Nichtkenner der Serie verwirren, insbesondere, da Whedon sich nicht für eine »zweite Hauptfigur« nach Mal entscheidet, sondern alle zum Zug kommen lässt für zwei Stunden ist das schlicht und einfach ein bisschen zu viel. Ähnliches gilt für die Handlung, der es zwar gelingt, die wichtigen Stränge der Serie schlüssig zusammenzuführen, die dadurch aber auch ein wenig überladen wirkt. Im Endeffekt wäre die Fortsetzung als Fernsehserie Firefly besser gerecht geworden. Der Film muss den einen oder anderen Kompromiss zuviel schließen, um das Serienkonzept auf zwei Stunden einzudampfen. Die beste Möglichkeit, den Filmgenuss zu steigern, besteht deshalb auch darin, sich vorher die Serie aus der Videothek zu holen. Vierzehn Folgen sind schnell gesehen.
Wer die Möglichkeit dazu hat, sollte sich übrigens die englische Originalversion ansehen, da die deutsche Synchronisation an vielen Stellen einfach zu schwerfällig ist, um den Humor des Films einzufangen.
Jakob Schmidt ALIEN CONTACT
| Originaltitel: | Serenity |
| deutscher Titel: | Serenity Flucht in neue Welten |
| Land und Jahr: | USA 2005 |
| Regie: | Joss Whedon |
| Buch: | Joss Whedon |
| Kamera: | Jack N. Green |
| Schnitt: | Lisa Lassek |
| Musik: | David Newman |
| Produktionsdesign: | Barry Chusid |
| Kostüme: | Ruth E. Carter |
| Produktion: | Barry Mendel |
| Ausführender Produzent: | Christopher Buchanan David Lester Alisa Tager |
| dt. Buch und Dialogregie: | Simon Jäger |
| deutscher Kinostart: | 24.11.2005 (UIP) |
| Länge: | 119 min. |
| | FSK ab 16 Jahre |
| dt. Synchron | ||
| Mal: | Nathan Fillion | David Nathan |
| Zoe: | Gina Torres | Tanja Geke |
| Wash: | Alan Tudyk | Robin Kahnmeyer |
| Inara: | Morena Baccarin | Melanie Hinze |
| Jayne: | Adam Baldwin | Tobias Kluckert |
| Kaylee: | Jewel Staite | Ursula Hugo |
| Simon: | Sean Maher | Kim Hasper |
| River: | Summer Glau | Julia Ziffer |
| Shepherd Book: | Ron Glass | Jürgen Kluckert |
| The Operative: | Chiwetel Ejiofor | Tobias Meister |
| Mr. Universe: | David Krumholtz | Julien Haggège |
| Dr. Matthias | Michael Hitchcock | F.O. Schenk |