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Shining

The Shining • GB 1979


Handlung

Aufnahmen aus einem Hubschrauber: Flach jagt er über die glatte Fläche eines Bergsees, überfliegt eine kleine Insel, fliegt an Abgründen vorbei, verfolgt einen Volkswagen auf seiner Fahrt durch die herbstliche Bergwelt Colorados, erreicht das Ziel der Reise - das Overlook Hotel in den Rocky Mountains, eine riesige Nobelherberge der Jahrhundertwende. Im Winter steht das Monstrum leer, eingeschneit und abgeschnitten von der Außenwelt. Für die notwendigen Wartungsarbeiten wird alljährlich ein Hausmeister engagiert. Jack Torrance, ein Mann um die vierzig, sicheres, freundliches Auftreten, bewirbt sich um den Job; er sucht die Ruhe, um ein Buch zu schreiben. Dezent macht ihn der Manager auf einen Vorfall im letzten Winter aufmerksam: Der damalige Hausmeister habe die Einsamkeit nicht ertragen können, er habe beide Töchter, seine Frau und sich selbst umgebracht. Jack hält sich und seine Familie für physisch und psychisch stark genug.

Am letzten Tag der Saison, als Jack, seine Frau Wendy und sein sechsjähriger Sohn Danny das Hotel besichtigen, entdeckt der farbige Koch, daß der kleine Danny genau wie er selbst über eine Gabe verfügt, die er »Shining« nennt: das »Zweite Gesicht«, die Fähigkeit zur außersinnlichen Wahrnehmung. Danny kann Gedanken lesen und übertragen, er wird von Visionen heimgesucht, von denen er jedoch nicht weiß, ob sie sich auf Vergangenes oder Zukünftiges beziehen. Danny hat einen Begleiten namens Tony in sich, der mit ihm, aus ihm, mit verfremdeter Stimme spricht. Verwaltung und Dienstpersonal verlassen das Hotel. Danny kann mit seinem Dreirad durch die menschenleeren, langen Flure brausen. Gelegentlich trifft er die beiden kleinen blonden Zwillingsmädchen. Es dauert nicht lange, da liegen diese in ihrem Blut. Andere blutige Szenen: die Türen des Aufzugs öffnen sich; ein nicht enden wollender roter Strom reißt Möbel mit sich, überschwemmt den Korridor und dann die Kamera. Das geheimnisvolle Zimmer 237: Woher stammen die Würgemale, als Danny das Zimmer verläßt? Jack will nach dem Rechten sehen. Er begegnet einer schönen nackten Frau, die sich schnell in ein halbverwestes Etwas verwandelt. Jack flüchtet sich in Jähzorn, Zynismus und Psychoterror. Die Grenzen zwischen Realität und Alptraum sind verschwommen, für die Beteiligten und die Zuschauer nicht mehr eindeutig zu bestimmen. Wendy, die einzige »Normale«, sieht sich hilflos dem Gespensterreigen ausgeliefert und reagiert mit zunehmender Panik.

»Kubrick legt viele falsche Fährten aus, und hinter jedem Schrecken lauert ein weiterer, noch maßloserer ... Der wirkliche Horror spielt sich in den Köpfen der Figuren ab. Im furchtbarsten Moment des Films fließt kein Blut ... zersplittert keine Tür unter den Schlägen einer Axt. Im furchtbarsten Moment des Films entdeckt Wendy, daß ihr Mann monatelang nur einen einzigen kindischen Satz auf dem Maschine getippt hat, in endlosen typographischen Variationen: All work and no play makes Jack a dull boy*. Hunderte von Blättern sind mit diesem Wörtern gefüllt: Chifften der Auflösung.« (Hans-Christoph Blurutenberg, DIE ZEIT).
*) deutsche Fassung: »Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen.«

Der »dull boy« sitzt derweil an einer Bar des Hotels, führt in einer imaginären vollbesetzten Barlandschaft imaginäre Gespräche mit dem Barkeeper und dem Kellner. Der rät ihm, Danny zur Raison zu bringen, weil er Kontakt zur Außenwelt geknüpft habe. Der Rest ist nackter Terror! Jack geht auf Wendy los, die ihn in ihrer Verzweiflung mit dem Baseballschläger niederschlägt und den Bewußtlosen in eine Vorratskammer zerrt, die sie vom außen verriegelt. Später befreit sich Jack, wütet mit einer Axt; diabolisches Grinsen, der tierische Schrei »Heeere Comes Johnny«; Wendys Messerattacke gegen Jacks Hand. Ein Snowcat nähert sich dem Hotel. Der Koch, von Danny »herbeigerufen«, läuft in die Empfangshalle. Jack rammt ihm die Axt in die Brust. Danny verläßt sein Versteck und rennt aus dem Hotel hinüber in das Labyrinth, das den Gästen des Hauses im Sommer als Wandelgarten dient. Jack schaltet die Tiefstrahler ein und folgt Dannys Fußspuren im Schnee. Im Irrgarten geht Danny ein Stück in den eigenen Fußspuren zurück, versteckt sich mit einem Sprung in einem Nebengang, so daß Jack in die Irre geht. Der eigenen Spur folgend, läuft Danny aus dem Labyrinth. Zusammen mit Wendy besteigt er das Snowcat. Nach mehreren Startversuchen springt es endlich an. Sie fahren davon. Jack hört im Labyrinth die Geräusche des Motors. Er hat die Orientierung total verloren. Jack schreit. Die Kälte tut ihr Übriges. Jack sitzt, die Axt in den Armen, mit bleckenden Zähnen und verdrehten Augen erfroren im Schnee. Langsam fährt der Blick unter den Klängen eines Foxtrotts mit Partygemurmel durch den Korridor des verlassenen Hotels. An der Wand vom dem Ballsaal hängen Fotografien. Auf einer ist inmitten einer festlichen Gesellschaft der strahlend junge Jack Torrance zu sehen. Bildunterschrift: Overlook Hotel Ball 4. Juli 1921.

Kritik

Im Gegensatz zur literarischen Vorlage, in der Autor Stephen King mehr als die Hälfte des Buches benutzt, um den Leser langsam auf den Horror vorzubereiten, setzt Kubrick andere Schwerpunkte und deutet schon nach fünf Minuten an, daß sich da eine Katastrophe größeren Ausmaßes anbahnt. Zu den Abweichungen des Films äußerte sich Kubrick in einem CINEMA-Interview: »Ich hatte mich bereits sehr früh dazu entschlossen, das Ende der Geschichte zu verändern. Im Buch brennt das große Hotel zum Schluß einfach ab. Das erschien mir zu konventionell ... Wir waren zu dem Ergebnis gekommen, daß die Filmversion ein raffinierteres Ende mit einem visuellen Effekt haben sollte. So sind wir auf die Idee gekommen, daß Jack Torrance sich im verschneiten Irrgarten verläuft ... Im Buch gibt es viele wundervoll spannende Szenen, wie etwa die Bäume in dem natürlichen Irrgarten, die in Formen von großen Tiere zurechtgestutzt sind. Durch die Windbewegungen locken sie ihre Opfer an. Das habe ich aber aus der Geschichte gestrichen, weil es auf der Leinwand nur wie ein billiger Effekt ausgesehen hätte. In meinem Film gibt es keine sich von selbst öffnenden, knarrenden Türen, keine Gerippe, die aus Schränken fallen ..., keine überlangen Schatten oder andere melodramatische Horroreffekte. Der Film erzählt ganz einfach die Geschichte einer Familie, die langsam in den Wahnsinn treibt.«

Die amerikanischen Kritiken waren so katastrophal, daß es zum absoluten Fehlstart des Films kam (mittlerweile erwies sich der Film in den USA als einer der kassenträchtigsten Kubrick-Filme überhaupt). Daraufhin kürzte Kubrick den Film für den europäischen Einsatz immerhin um rund 26 Minuten. Dieser gewaltige Eingriff führte zwar zu einen wesentlichen Straffung der Erzählmasse, gleichzeitig aber such zu einigen Ungereimtheiten. Trotzdem feierte ein Großteil der deutschen Filmkritik Kubricks Shining mit griffigen Worten:

»Der endgültige Horrorfilm« (DER SPIEGEL); »Klassischer Horror in moderner Umgebung« (Rolf Thissen, FILMBEOBACHTER); »Symphonie des Grauens« (Hans-Christoph Blumenberg, DIE ZEIT). Daß es auch andere Stimmen gab mit durchaus einleuchtenden Argumenten, beweist Hans Gerhold vom FILMDIENST: »Kubricks Ausflug ins Horrorgenre ist keineswegs das 'horror movie to end all horror movies' geworden, sondern eine von einem formalen Elefanten geborene inhaltliche Maus ... Die in diesem Inhalt manifesten Motive - das 'old dark house', das zweite Gesicht, der Prozeß des Wahnsinnigwerdens und Situationen von Klaustrophobie - sind in Shining plakativ und ohne rechte Entwicklung nebeneinandergestellt ... Die Musik ersetzt bei ihm die unheimliche Situation und soll den Greuel erzeugen, der in den Bildern trotz aller Schock-Elemente nicht vorhanden ist. So hängt sein Film über weite Strecken durch und ist weder eine Studie des Wahnsinns noch eine konsequent durchgehaltene Vision des zweiten Gesichts ... und erst im Finale kommt so etwas wie dann aber kaum mehr berührende Spannung auf ... Diese Irrgarten-Sequenzen, die als Seelenlabyrinth zu bezeichnen zuviel Ehre für Shining wäre, sind denn als auch das beste an Kubricks bombastischen Inszenierung, deren künstlerischer Ego-Trip noch lange keine überzeugende Reise durch das Land des Schreckens und des Wahnsinns ausmacht.«

Unumstritten bleibt die schauspielerische Leistung: das überzeugende Spiel des Kindes (Danny Lloyd), die trefflich besetzte Mutter (Shelley Duvall) und ein hoffnungslos überschätzter Jack Nicholson, der mit seiner grinsenden Visage nicht nur einmal den Bogen überspannt.

Ronald M. Hahn/Volker Jansen © 1985/89
Lexikon des Horrorfilms

Siehe auch:
Stanley Kubrick (1928-1999) Amerikanisch-Britischer Filmregisseur und Produzent
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Lieferbare Titel mit dem Stichwort Shining
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Credits

Originaltitel: The Shining
deutscher Titel: Shining
Land und Jahr: GB 1979
Regie: Stanley Kubrick
Buch: Diane Johnson
Stanley Kubrick
Vorlage: Stephen King
Kamera: John Alcott
Schnitt: Ray Lovejoy
Musik: Wendy Carlos
Rachel Elkind
Produktion: Hawk Films
Robert Fryer
Jan Harlan
(ausführend)
Stanley Kubrick
deutsche Uraufführung: 16.10.1980
Länge: 119 Minuten
FSK ab 16 Jahre
Prädikat: besonders Wertvoll

Darsteller

Jack Torrance: Jack Nicholson
Wendy Torrance: Shelley Duvall
Danny Torrance: Danny Lloyd
Hallorann: Scatman Crothers
Ullman: Barry Nelson
Grady: Philip Stone
Lloyd: Joe Turkel
Ärztin: Anne Jackson
Durkin: Tony Burton
Watson: Barry Dennen
und: Lia Beldam
Billie Gibson
David Baxt
Manning Redwood
Lisa Burns
Louise Burns
Robin Pappas
Alison Coleridge
Burnell Tucker
Jana Sheldon
Kate Phelps
Norman Gay

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