Signs - ZeichenAn einem zunächst ganz normalen Morgen entdeckt der Farmer, Witwer und ehemalige Geistliche Graham Hess in einem seiner Maisfelder einen 200 Meter weiten Kornkreis. Die Fläche ist Teil eines komplizierten Musters im Getreide, das nur aus großer Höhe erkannt werden kann. Zunächst glauben Hess und sein Bruder Merril an einen Scherz. Doch die rätselhaften Muster breiten sich auf der ganzen Welt aus. Schließlich werden auch massenweise Ufos gesichtet, die in Formation fliegen.
Während sich Grahams altkluger Sohn Morgan aus Mystery-Büchern Wissen über Außerirdische anliest, fühlt sein Vater die Bedrohung näher rücken. Er beobachtet in der Nacht eine seltsame Gestalt, die von einem neu entstandenen Kornkreis flüchtet. In einem benachbarten Farmhaus durchlebt Hess eine seltsame Begegnung der Dritten Art, auch wenn er das Alien, das in einer Besenkammer eingesperrt ist, gar nicht zu sehen bekommt, nur eine fremdartige Hand.
Die Lage eskaliert. Das von der Familie Hess vernagelte Haus wird in der Nacht von Aliens umstellt, die sich Zugang verschaffen wollen. Ausgerechnet in dieser Situation erleidet Morgan einen asthmatischen Anfall. Gerade als es den Anschein hat, dass die Fremden wieder abgerückt sind, kann doch noch einer ins Haus gelangen. In diesem Moment stellt sich heraus, dass die Familie Hess besser auf die Invasion vorbereitet ist, als ihr selber bewusst war ...

Foto: Buena Vista
Stell Dir vor, die große Invasion kommt, und du sitzt in einem abergläubischen Kuhdorf. Auf diesen Nenner lässt sich M. Night Shyamalans Film bringen. Dem gefeierten Regisseur ist es im dritten Anlauf gelungen, einen schlechten Film zu machen. Nach wie vor gilt: Wer die Pointe von The Sixth Sense verrät, gehört lebenslänglich eingesperrt! Doch schon Unbreakable fiel gegen den Vorgänger deutlich ab. Aber selbst der Schlusspfiff dieses Werkes hat noch einigen Leuten gefallen. Diesmal allerdings erzählt Shyamalan seinem Publikum, dass der liebe Gott eine - wenn auch klägliche - außerirdische Invasion auf die Beine stellt, nur um ein verirrtes Schaf zurück in die Herde zu bringen. Und das ist schon reichlich lächerlich.
Am Anfang ist Graham Hess ein Mann, der vom Glauben abgefallen ist, ein verbitterter Ex-Pfarrer, der den grausamen Unfalltod seiner Frau nicht verkraften kann. Mel Gibson charakterisiert diese Person durch ein hölzernes, zurückhaltendes Spiel und trifft damit durchaus den richtigen Ton. Ziel der Handlung ist es, Hess zu seinem Glauben zurückzuführen, und zwar durch »Wunder«, die Gott beweisbar erscheinen lassen, obwohl er doch will, dass wir an ihn glauben, ohne ihn beweisen zu können.
Bei all dem geht es irreführenderweise nicht um Kornkreise. Sie sind nur ein populärer Aufhänger, um die schwache Geschichte zu transportieren. Es geht auch nicht darum, wie eine außerirdische Invasion tatsächlich ablaufen könnte. Das, was diese mit unvorstellbarem technischen Aufwand Lichtjahre weit gereisten Wesen auf der Erde veranstalten, bewegt sich auf dem Niveau einer zünftigen Kneipenprügelei. Mit den comichaft umgesetzten Angstphantasien eines Roland Emmerich in Independence Day hat das alles nichts zu tun. Ein Vergleich lässt sich eher zur wenig werkgetreuen Verfilmung von H. G. Wells' Krieg der Welten ziehen, an deren Ende der liebe Gott alles richten muss. Was aber ist von außerirdischen Invasoren zu halten, die sich von einer abgesperrten Besenkammer oder einem vernagelten Fenster aufhalten lassen? Sie laufen durch einen ernst gemeinten Film und sind schlechterdings ein Witz. Der Film hat ein paar starke Momente, wenn es Shyamalan in bewährter Manier gelingt, eine düstere Atmosphäre zu schaffen. Und die Figuren sind überzeugend und humorvoll charakterisiert. Das alles reicht aber nicht, um die grundsätzliche Schwäche des Drehbuchs auszugleichen. Es spricht nicht gerade für einen Film, wenn die Zuschauer anschließend im Foyer des Kinos alternative Enden entwerfen, die sich allesamt besser ausnehmen würden. Aber nein: Die Außerirdischen erweisen sich nicht als Kinder, entflohene Sträflinge oder Graffiti-Sprayer ihrer Zivilisation. Die Hauptperson hat alles nicht bloß nur geträumt oder sich in Wahnvorstellungen ausgemalt. Und die Mitglieder der Familie Hess sind auch nicht getarnte außerirdische Kundschafter, die irrtümlich glauben, sie seien ganz normale Menschen. Das wahre Ende dieses Films ist unendlich banaler und für jeden leidenschaftlichen Science-Fiction-Fan eine zwangsläufige Enttäuschung. Es mag schon sein, dass ein originell denkender Regisseur versuchen sollte, andere, unprätentiöse Zugänge zu einem häufig verarbeiteten Thema zu finden. Dabei sollte er aber noch Geschichten entwickeln können, die das Publikum gefangen nehmen. Nach diesem Film muss man den Eindruck haben, dass M. Night Shyamalan seinem gelungenen Überraschungs-Coup aus The Sixth Sense verzweifelt und erfolglos hinterherläuft.
Arno Behrend ALIEN CONTACT
| Originaltitel: | Signs |
| Deutscher Titel: | Signs - Zeichen |
| Land und Jahr: | USA 2002 |
| Regie: | M. Night Shyamalan |
| Buch: | M. Night Shyamalan |
| Kamera: | Tak Fujimoto |
| Schnitt: | Barbara Tulliver |
| Musik: | James Newton Howard |
| Ausstattung: | Larry Fulton |
| Kostüme: | Ann Roth |
| Visuelle Effekte: | Eric Brevig Stefen Fangmeier |
| Produktion: | M. Night Shyamalan Frank Marshall Sam Mercer |
| Ausführende Produzenten: | Kathleen Kennedy |
| deutscher Kinostart: | 12.9.2002 (Buena Vista) |
| Länge: | 105 min. |
| FSK: | ab 12 Jahre |
| Prädikat: | Wertvoll |
| Graham Hess: | Mel Gibson |
| Merrill Hess: | Joaquin Phoenix |
| Morgan Hess: | Rory Culkin |
| Bo Hess: | Abigail Breslin |
| Officer Paski: | Cherry Jones |
| Ray Reddy: | M. Night Shyamalan |
| Colleen Hess: | Patricia Kalember |
| SFC Cunningham: | Ted Sutton |
| Tracey Abernathy: | Merritt Wever |
| Mr. Nathan: | Lanny Flaherty |
| Mrs. Nathan: | Marion Mccorry |
| Lionel Prichard: | Michael Showalter |