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Sky Captain and the World of Tomorrow

Sky Captain and the World of Tomorrow • USA/GB 2004


Handlung

Wir schreiben das Jahr 1939. Das Luftschiff Hindenburg III landet in New York. An Bord: ein nervöser Wissenschaftler, der seinem Kollegen Dr. Walter Jennings eine beunruhigende Nachricht hinterlässt. Jennings wendet sich an die Chronicle-Reporterin Polly Perkins. Diese recherchiert schon lange über das mysteriöse Verschwinden internationaler Wissenschaftler. Jennings kann ihr noch erklären, dass ein »Dr. Totenkopf« hinter diesen Vermisstenfällen steckt und auch er selbst in Gefahr schwebt. Dann wird die Stadt von Robotern angegriffen.

Die metallenen Kolosse schweben schwerelos vom Atlantik heran, bevor sie alles unter ihren schweren Füßen zermalmen. Die New Yorker Polizei holt den Elite-Piloten Joe Sullivan, genannt »Sky Captain«, zu Hilfe. Mittels seiner mit allerlei technischem Schnickschnack ausgestatteten Maschine kann er mehrere der Kolosse stoppen und einen fangen. Es stellt sich heraus, dass die Roboter es auf die Stromgeneratoren der Stadt abgesehen haben. Ähnliche Raubzüge, bei denen es um Öl, Gas oder weitere Maschinen geht, werden von Robotern in zahlreichen Ländern unternommen, unter anderem in Großbritannien, Frankreich und Deutschland.

Als Sullivan zu seinem Stützpunkt zurückkehrt, wird auch dieser von den Robotern überfallen. Der Ingenieur Dex Dearborn kann die Herkunft der Funksignale feststellen, mit denen die feindlichen Automaten gesteuert werden, bevor er von ihnen entführt wird. Sullivan folgt der Spur nach Nepal. Polly Perkins, die eine ehemalige Geliebte des Flieger-Asses ist, heftet sich an seine Fersen, um weiter ihre Story zu verfolgen. Im Himalaya angekommen, geraten beide in einer Höhle voller Sprengstoff in Gefahr. Sullivan muss einen Kampf gegen eine geheimnisvolle asiatische Frau bestehen. Weitere Hinweise führen das Heldenpaar schließlich zu einer geheimnisvollen Insel und zu einer schwebenden Plattform der Royal Air Force über dem Meer. Dort hat eine weitere Ex-Geliebte Sullivans das Kommando. »Franky« Cook steht an der Spitze einer weiblichen Pilotenstaffel. Mit Flugzeugen, die sich bei Bedarf in U-Boote verwandeln können, schleusen die Damen Polly und Sullivan in Dr. Totenkopfs Zentrale, wo die düsteren Absichten des Erfindergenies endlich offenbar werden ...


Foto: UIP

Kritik

Dies ist sicher der erste halbwegs gelungene Science-Fiction-Film, der sich nicht nur mit überholten technischen Visionen befasst, sondern – anders als etwa Star Wars – die Handlung auch zeitlich in der Vergangenheit ansiedelt. Dabei ist Sky Captain keine Alternativwelt-Geschichte, die auf ausgefeilten historischen Spekulationen fußt, sondern lediglich ein amüsierter Blick auf die großen Erwartungen vergangener Zeiten. Er verfolgt damit jene Richtung weiter, die mit dem misslungenen Film Liga der außergewöhnlichen Gentlemen nur angerissen worden ist.

In Science Fiction – Die illustrierte Enzyklopädie hat John Clute die Pulp-SF-Reihe G8 and His Battle Aces (1933–1945) von Robert J. Hogan vorgestellt und erklärt: »Heute würde [der Agent und Pilot] G8 in einer Alternativwelt des Ersten Weltkrieges leben, in der alles möglich ist. In den Dreißiger Jahren redete man den Leuten ein, die Deutschen verfügten über eine unglaubliche SF-Waffensammlung – von Raketen bis zu genetisch manipulierten Fledermäusen.« Sky Captain greift genau diese längst vergangene Pulp-Epoche wieder auf. Nachdem Autor und Regie-Neuling Kerry Conran über Jahre hinweg sechs Minuten seines geplanten Projekts als Computeranimation auf seinem Rechner zusammengestückelt hatte, zeigten sich der spätere Hauptdarsteller Jude Law und Produzent Jon Avnet begeistert. Nach Angaben des Verleihs ist das fertige Werk der erste mit Schauspielern besetzte Spielfilm, der vollständig computeranimiert ist. Alle Aufnahmen mit den Akteuren fanden vor Blue-Box-Hintergründen statt.

Conran hat zahlreiche Stilmittel der Dreißiger wieder aufleben lassen, um den Futurismus dieser Zeit nostalgisch in Szene zu setzen. Das beginnt mit der Film-Noir-Verteilung von Hell und Dunkel, die streckenweise den Eindruck erweckt, der Film sei überhaupt nur in Grau- und Brauntönen gedreht. Flugzeuge fliegen über beschriftete Ausschnitte von Landkarten. Die Gesichter erschreckter und flüchtender Personen werden transparent über die Bilder der angegriffenen Stadt gelegt. Funkwellen erscheinen als sich ausbreitende konzentrische Kreise. Dazu kommt die Technik, von der manche Menschen jener Jahre glaubten, sie würde irgendwann zu unserem Alltag gehören: tauchfähige Jagdflugzeuge, schwebende Flughäfen sowie Transportplattformen und Riesenroboter, die der Schwerkraft trotzen. Mit ihrer Darstellung wären alle Produktionsfirmen der dreißiger Jahre überfordert gewesen. Sky Captain kann deshalb auch nicht als Parodie bestimmter Science-Fiction-Filme gesehen werden. Denn die hat es so nie gegeben. Er wirkt eher wie ein Film, den das Publikum jener Jahre gerne gesehen hätte. Der Retro-Stil wird konsequent und liebevoll durchgehalten, bis hin zur Gestaltung des Abspanns. Als Autor hat Conran nicht nur die Optik an Hollywoods Klassiker angelehnt, sondern sogar typische Schwächen damaliger Drehbücher imitiert. Oft wissen die Personen viel mehr, als sie eigentlich wissen können oder ziehen aus einer dürren Faktenlage abenteuerliche Schlussfolgerungen, die sich dann als korrekt erweisen. Trotzdem ist der schwierig zu fassende Film eher eine Hommage als eine Komödie – eine Hommage sowohl an die Filme der Dreißiger als auch an die frühe Pulp-Science-Fiction und ihre visionäre Frische.

Das Ergebnis lässt den amüsierten Betrachter allerdings die meiste Zeit merkwürdig unberührt. Keine Frage – Ästhetik, Dekor und die technische Fantasie der Macher sind mehr als einen Blick wert. Das wohlgefällige Staunen allein kann das Publikum aber nicht in die an sich temporeiche Geschichte hineinziehen. Es stellt sich die Frage, ob die Distanz, die zwischen Film und Publikum bleibt, durch die Eigenheiten des Plots verursacht wird – durch die Sicherheit, das den tollkühnen Hauptfiguren ja eh nichts passieren wird, durch die erdrückende Dominanz der verblüffenden Bilder oder durch die Tatsache, dass diese nostalgisch geschilderte Welt mit der unseren auch in einer unbestimmten Zukunft nichts zu tun haben wird. Alle diese Theorien bieten mögliche Erklärungen an, warum man sich von der Geschichte nicht mitgerissen fühlt – so lange, bis Angelina Jolie das Deck ihrer fliegenden Festung betritt. Erst zu diesem späten Zeitpunkt, als die finale Konfrontation mit den Mächten des Bösen kurz bevorsteht, entfaltet der Film vorübergehend die packende Dynamik, die er schon vorher hätte haben sollen. Allein mit ihrer virilen Präsenz schafft es Jolie, den Zuschauer mit auf die Reise durch eine völlig hanebüchene Handlung zu nehmen. Der Einsatz der von ihr und ihren Kameradinnen gesteuerten Amphibien-Flugzeuge bildet den Höhepunkt des Films, obwohl das so von den Machern sicher nicht vorgesehen war.

Die Oscar-Preisträger Jude Law und Gwyneth Paltrow sind dagegen für die sonstige Sterilität des Werkes verantwortlich. Wie auch alle übrigen Figuren bleiben sie derartig blass und konturlos, dass eine Identifikation kaum möglich ist. Die den klassischen Screwball-Comedies entlehnten Dialoge bleiben aufgesetzt. Paltrows Ausstrahlung kommt nicht an die ihrer Vorbilder Katharine Hepburn oder Lauren Bacall heran. Law verfügt nicht über die physische Anziehungskraft, mit der Clark Gable die Rolle hätte tragen können. Andere Hollywood-Größen dagegen könnten diesem Vergleich durchaus standhalten. Offenbar ging es bei der Besetzung nur um die Vereinbarkeit der optischen Oberflächen. Um das Spiel hat sich Regisseur Conran wohl kaum Gedanken gemacht. Dabei wären kräftig gezeichnete Charaktere, wie man an Jolies Beispiel sieht, durchaus in der Lage, dem Publikum auch die absurdesten Geschichten zu verkaufen.

Dass dies in Sky Captain nicht richtig gelingt, ist schade, denn der Film verfügt über einen bestechenden Einfallsreichtum. Sehr geschickt ist beispielsweise die Szene, in der sich Polly Perkins in einem Kino mit dem ängstlichen Dr. Jennings trifft. Die kunterbunten Technicolor-Bilder von Der Zauberer von Oz, die an die abgebildete Leinwand geworfen werden, lassen die grau in braun gehaltenen Einstellungen drum herum geradezu realistisch erscheinen.

Dass die Beschäftigung mit vergangener Science Fiction im Kino zunimmt, kann einen nachdenklich stimmen. Zunächst einmal wird damit nur widergespiegelt, was die vielen Liebhaber klassischer SF an ihrem Hobby fasziniert. Man kann sich aber auch fragen, was die heutigen Zukunftsvisionen der Frische und dem Optimismus des »Goldenen Zeitalters« entgegenzusetzen haben. Sie können ihre Themen zwangsläufig nicht mit der Naivität früherer Zeiten behandeln. Bliebe also nur, die weitgehend ungehobenen Schätze der modernen SF-Literatur möglichst beeindruckend umzusetzen. Material ist wahrlich genug vorhanden. So gesehen kann die nostalgische Ausrichtung von Sky Captain and the World of Tomorrow für andere Filmemacher als Herausforderung verstanden werden.

Arno BehrendALIEN CONTACT

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Credits

Originaltitel: Sky Captain and the World of Tomorrow
deutscher Titel: Sky Captain and the World of Tomorrow
Land und Jahr: USA/GB 2004
Regie: Kerry Conran
Buch: Kerry Conran
Kamera: Eric Adkins
Schnitt: Sabrina Plisco
Musik: Edward Shearmur
Produktionsdesign: Kevin Conran
Visual Effects Supervisor: Scott E. Anderson
Produktion: Jon Avnet
Marsha Oglesby
Sadie Frost
Jude Law
Ausführende Produzenten: Aurelio De Laurentiis
Raffaella De Laurentiis
Bill Haber
Ko-Produktion: Hester Hargett-Aupetit
Brooke Breton
deutscher Kinostart: 18.11.2004 (UIP)
Länge: 107 min.
FSK ab 12 Jahre
Prädikat: wertvoll

Darsteller

    dt. Synchron
Polly Perkins: Gwyneth Paltrow Katrin Fröhlich
Sky Captain: Jude Law Florian Halm
Dex Dearborn: Giovanni Ribisi Philipp Brammer
Kaji: Omid Djalili Christoph Jablonka
Franky Cook: Angelina Jolie Claudia Urbschat-Mingues
Dr. Walter Jennings: Trevor Baxter Norbert Gastell
Dr. Jorge Vargas: Julian Curry Erich Ludwig
Dr. Kessler: Peter Law Karl-Heinz Krolzyk
Wissenschaftler: Jon Rumney Franz Rudnick
Creepy: Khan Bonfils Ole Pfennig
Sekretärin: Nancy Crane Beate Pfeiffer
Dr. Totenkop:f Laurence Olivier Claus Brockmeyer

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