The Time MachineDer frischgebackene Professor Alexander Hartdegen wandelt auf Freiersfüßen. Wenn er im New York des späten 19. Jahrhunderts nicht ausgefallene Theorien ersinnt, denkt er an seine reizende Angebetete Emma. An dem Tag jedoch, als sie im verschneiten Central Park seinen Heiratsantrag annimmt, werden sie von einem Straßenräuber überfallen. Den symbolträchtigen Verlobungsring wollen sie beide nicht hergeben. Es kommt zu einem Handgemenge. Aus der Waffe des Räubers löst sich ein Schuss, der Emma tötet.
Vier Jahre später glaubt Hartdegen einen Weg gefunden zu haben, mit dem Trauma fertig zu werden. Aus zahlreichen vollgeschriebenen Tafeln, vergoldeten Messingrohren und geheimnisvollen Bestandteilen hat er eine Zeitmaschine gebaut. Mit ihr reist er zum Unglückstag zurück. Es gelingt ihm ohne Schwierigkeiten, Emma vor dem Räuber zu retten, aber kurz darauf wird sie von einer Kutsche überfahren und stirbt erneut. Hartdegen spürt, dass er gegen ein logisches Gesetz anrennt, das er jedoch nicht versteht. Also beschließt er, in die Zukunft zu reisen, um sich dort Rat zu holen.
Im Jahr 2030 macht er Rast. Das elektronische Informationssystem eines Museums kann ihm auch nicht weiterhelfen. Sieben Jahre weiter in der Zukunft wird New York durch eine gewaltige Katastrophe zerstört. Hartdegen wird durch die Ereignisse ohnmächtig und taumelt mit der aktivierten Maschine 800.000 Jahre in die Zukunft.
Der Hudson River hat sich über die Jahrtausende tief in die Landschaft geschnitten. An den Steilhängen des daraus entstandenen Canyons leben die Eloi. Hartdegen wird von ihnen aufgenommen. Die Eloi Mara und ihr junger Sohn Kalen »adoptieren« ihn. Das scheinbar friedliche, ursprüngliche Leben der Eloi ist, wie sich herausstellt, ständig bedroht. Sie werden von den Morlocks gejagt und verspeist, einer anderen menschlichen Rasse, die unter der Erde überlebt hat. An ihre Wehrlosigkeit haben sich die Eloi längst gewöhnt. Als Mara von den Morlocks geholt wird, folgt Hartdegen ihr in den Untergrund. Das immer noch aktive Informationssystem aus dem einstmaligen Museum weist ihm den Weg. Endlich kann er auch seine Frage nach der Unveränderbarkeit der Vergangenheit beantworten.
Hartdegen trifft auf den Anführer der Morlocks, kämpft gegen ihn und muss mit seiner Maschine flüchten. In einer noch ferneren Zukunft erkennt er, dass die Morlocks das Land zugrunde richten werden. Statt der Vergangenheit will er jetzt die Zukunft ändern. Im letzten Kampf gegen die Morlocks setzt er seine Maschine als Waffe ein und nimmt damit in Kauf, in der ihm fremden Zukunftswelt der Eloi zu stranden.

Foto: Warner Bros.
In seinem Roman Die Zeitmaschine (The Time Machine 1895) ging es H. G. Wells um die Zuspitzung des Klassenkampfes zwischen Proletariat und Kapital. Die Morlocks sind darin die unterirdisch hausenden Nachfahren der Arbeiter, die immer schon die lebenswichtigen Maschinen bedienten. Die Eloi dagegen wurden negativ geschildert, als verwöhnte, dekadente, lebensunfähige Abkömmlinge der herrschenden Klasse.
Diese Charakterisierung konnte den Produzenten in Hollywood wohl nicht gefallen. Die erste Verfilmung des Romans, Die Zeitmaschine (The Time Machine USA 1960), von George Pal stellte die Verhältnisse auf den Kopf. Jetzt wurden auf einmal die armen, harmlosen Eloi von den fiesen Morlocks als Fressfutter gehalten. Der Film bildete so die Angst der Besitzenden vor dem Hass der Besitzlosen ab. Das Remake setzt diesen Trend fort: Die verfolgten Eloi sind jetzt nicht mehr die anämischen, blondhaarigen Menschen aus der ersten Fassung, sondern ein gesund wirkendes Volk, das von Afroamerikanern abstammt. Der Anführer der Morlocks dagegen ist ein Bleichgesicht vor dem Herrn. So wird interessanterweise auf die amerikanische Sklavenzeit zurückgegriffen.
Die Handlung von London nach New York zu verlegen, ist ein Stilbruch. Es stimmt schon, dass sich zukünftige Ereignisse an der Weltmetropole Nr. 1 besser exemplarisch vorführen lassen, besser als je zuvor. Trotzdem die europäischen Wurzeln der Science Fiction sollten jenseits des Atlantiks nicht einfach so vereinnahmt werden.
Für diesen Film wurde der zeitreisende Protagonist mit einer neuen, romantischen Motivation ausgestattet, als ob Neugier auf zukünftige Entwicklungen nicht genug sei, um eine Zeitmaschine zu bauen. Das Projekt, die geliebte Frau durch einen Zeitsprung vor dem Tode zu bewahren, wurde nicht in Wells Romanvorlage, sondern in einem viel späteren Science-Fiction-Roman packend geschildert: Bob Shaws The Two-Timers (1968). Wells namenloser Held war dagegen noch gänzlich unromantisch. Den Tod seiner Begleiterin bei den Eloi nahm er relativ gelassen hin. Bereits im ersten Kinofilm konnte dieser Teil der Handlung dem Publikum zuliebe nicht mehr so bleiben.

Foto: Warner Bros.
The Time Machine verdankt viel der exzellenten Ausstattung von Oliver Scholl und den starken Bildern. Die Dekors des 19. Jahrhunderts wurden mit viel Liebe zum Detail entwickelt. Die Holzkonstruktionen der Eloi sind prachtvoll. Schließlich hält auch die Maschine den Erwartungen stand. Kaum zu glauben, dass Hartdegen dieses goldglänzende, kompakte Maschinchen allein gebaut haben soll. Die Morlock-Monstren sind ebenfalls sehr plastisch und schaurig geraten.
Der hagere Guy Pearce glänzt als besessen arbeitender Wissenschaftler, der über den Schmerz seines persönlichen Verlusts hinauswachsen muss. Orlando Jones gibt als Avatar des Informationssystems eine witzige Vorstellung ab. Als Anführer der Morlocks ist Jeremy Irons in einer völlig untypischen Rolle gewohnt brillant. Tapfer spielt er gegen ein Make-up an, das ihn aussehen lässt, als wäre er der Rocky Horror Picture Show entsprungen. Samantha Mumba bleibt als Mara dagegen blass.
Die neue Fassung der Time Machine korrigiert nicht die alte, was die werkgetreue Umsetzung des Buches betrifft. Sie ist eine gelungene Neuauflage mit etwas mehr romantischem Zuckerguss, nicht mehr und nicht weniger. Konnte George Pal sein Publikum noch mit einem Atomkrieg im Jahr 1966 schocken, musste Regisseur Simon Wells jetzt mit einer aktuelleren möglichen Katastrophe aufwarten. Es wäre möglich, dass der neue Film mehr Zuschauer dazu verleitet, sich auch mit dem Buch zu befassen. Dann hätten sich die Ausgaben für dieses nicht unbedingt sensationelle Remake doch gelohnt.
Arno Behrend ALIEN CONTACT
| Originaltitel: | The Time Machine |
| Deutscher Titel: | The Time Machine |
| Land und Jahr: | USA 2001 |
| Regie: | Simon Wells |
| Buch: | John Logan |
| Vorlage: | H. G. Wells, Die Zeitmaschine (The Time Machine, 1895) |
| Kamera: | Donald M. McAlpine |
| Schnitt: | Wayne Wahrman |
| Musik: | Klaus Badelt |
| Produktions-Design: | Oliver Scholl |
| Kostüme: | Deena Appel Bob Ringwood |
| Visuelle Effekte: | James E. Price |
| Spezialeffekte: | Matt Sweeney |
| Morlock-Effekte: | Stan Winston |
| Produktion: | Walter F. Parks David Valdes John Logan (Co-Produktion) Laurie McDonald (ausführend) Ron Leibovit (ausführend) Jorge Saralegui (ausführend) |
| deutscher Kinostart: | 21.03.2002 (Warner) |
| Länge: | 96 Min. |
| | FSK ab 12 Jahre |
| Prof. Alexander Hartdegen | Guy Pearce |
| Mara | Samantha Mumba |
| Morlock-Führer | Jeremy Irons |
| Vox | Orlando Jones |
| Dr. David Philby | Mark Addy |
| Emma | Sienna Guillory |
| Mrs. Watchit | Phyllida Law |
| Kalen | Omero Mumba |