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stille Örtchen:

Murray Leinster

Unternehmen Zeittunnel

The Time Tunnel • 1967

Senator Clark vom US-Kongreß besichtigt das Geheimprojekt Tick-Tack, um sich über die Verwendung von Steuergeldern in Höhe von mehreren hundert Millionen Dollar zu informieren. Den Wissenschaftlern unter der Leitung von Admiral Kirk ist es soeben gelungen, mit Hilfe einer nicht näher beschriebenen Maschinerie ein Kaninchen in die Vergangenheit zu befördern. Kurz darauf schreitet man zum ersten »Menschenversuch«, und der draufgängerische Wissenschaftler Tony Newman bricht in die Vergangenheit auf. Man kann ihn nicht wieder zurückholen, hält aber mit einer Funkverbindung Kontakt zu ihm. Tony stellt nach einigen Schwierigkeiten fest, daß er am 31. Mai 1889 in der Nähe der amerikanischen Stadt Johnstown gelandet ist. In der Gegenwart findet man heraus, daß an dieser Stelle ein Damm brechen wird und eine Flutwelle 5000 Menschen das Leben kostet. Daraufhin dreht Tony durch und versucht, die Menschen zu warnen. Doch niemand hört auf ihn, weil es schon oft falschen Alarm gegeben hat. Schließlich wird er verhaftet und als vermeintlicher Irrer eingesperrt. Ein zweiter Zeitreisender, Doug Phillips, startet, um Tony zu retten, denn die Flutwelle ist schon unterwegs. Die Basis schafft es schließlich, die beiden aus der Gefahrenzone zu holen, versetzt sie nun jedoch in die Zeit des Wilden Westens in der Nähe von Dodge City. Dort werden sie Zeuge der Schlacht von Adobe Walls, wo 1874 eins der größten Indianergemetzel stattfand, und helfen eifrig mit, die Eingeborenen zu töten, um ihre eigene Haut zu retten. Inzwischen hat die Basis ein neues Gerät entwickelt, das sich nicht nur durch die Zeit, sondern auch durch den Raum bewegen kann. Man rettet die beiden erneut, trifft aber wieder nicht die Gegenwart. Sie werden in die Zukunft versetzt, und an dieser Stelle wird es richtig albern: Außerirdische sind in St. Louis gelandet und haben mittels einer Druckwelle alles Lebende vertrieben. Darauf transportieren die beiden mit ihrem Raum-Zeit-Gefährt einen großen Gesteinsbrocken und lassen ihn aus tausend Fuß Höhe auf das fremde Raumschiff fallen, das dadurch prompt zerstört wird. (Diese Szene ist übrigens auf dem deutschen Titelbild von Stephan wiedergegeben.) Zum Schluß landen Tony und Doug wieder glücklich in der Basis, und Senator Clark ist von den Vorzügen des Zeittunnels überzeugt.

Unternehmen Zeittunnel ist nicht gerade ein Glanzlicht der Science Fiction, aber der erste Teil des Romans liest sich durchaus flüssig. Der Autor Murray Leinster schrieb diesen Titel nach der im Vorjahr gestarteten Fernsehserie Time Tunnel (The Time Tunnel • USA 1966-67) von Irwin Allen. Der Anfang ist nahezu identisch mit der Pilotfolge Wiedersehen mit der Vergangenheit / Rendezvous mit der Vergangenheit (Rendevouz with Yesterday), doch dann landen die Helden Tony Newman und Doug Phillips nicht an Bord der Titanic, sondern im Jahr 1889 in Johnstown/Pennsylvania, »mehr als ein Jahrhundert entfernt« (wie es auf S. 27 heißt). Das deutet daraufhin, daß Leinster die Gegenwart nicht mit 1978 wie in der Serie, sondern später ansetzt. Daraufhin weicht der Roman immer stärker von der Fernsehserie ab, bis die Zeitreisenden am Ende gar in die Gegenwart zurückkehren, während die Serie ihre Spannung daraus bezieht, daß die beiden Forscher in den »endlosen Korridoren der Zeit« verlorengehen. Daher ist zu vermuten, daß Leinster den Roman nach einem sehr frühen Drehbuchentwurf der Pilotfolge verfaßte. (Als Detail am Rande sei erwähnt, daß die Figur des Sergeant Jiggs bei Leinster noch nicht auftaucht.) Andererseits repräsentiert die Auswahl der Zeitepisoden - zwei historische Epochen und ein zaghafter Ausflug in die Zukunft - ziemlich genau das Konzept der Fernsehserie. Allenfalls die Adobe-Walls-Episode weist vage Parallelen zu den Time-Tunnel-Folgen Die letzte Patrouille (The Last Patrol) oder Das Massaker (Massacre) auf.

Leinster arbeitet insbesondere die Idee aus, daß die Zeitreisenden die Vergangenheit gar nicht verändern können, denn es stellt sich immer wieder heraus, daß ihre Einmischung im Einklang mit den historischen Tatsachen steht (die Leinster offenbar sehr sorgfältig recherchiert hat). So retten sie die junge Julie Bowen vor der Johnstown-Flut, die sich daraufhin als Großmutter von Senator Clark erweist. Mögliche Zeitparadoxa lösen sich somit durch die Eigendynamik der Geschichte auf.

Dieser Titel ist übrigens nicht identisch mit Leinsters Roman Time Tunnel (ohne The!), der bereits 1964 erschien und aus dem Irwin Allen vermutlich die Inspiration für die Fernsehserie Time Tunnel (The Time Tunnel • USA 1966-67) bezog. Die Novelization The Time Tunnel kam 1967 in den USA mit zwei unterschiedlichen Titelbildern auf den Markt - eins griff noch einmal das Motiv der konzentrischen Kreise auf, die das Cover des Romans von 1964 zierten (und die wie eine Vorwegnahme des Fernseh-Zeittunnels wirken), das andere zeigt die Zeittunnel-Kulissen der TV-Serie. Der Roman kam 1968 in deutscher Übersetzung als Unternehmen Zeittunnel in der Heftroman-Reihe Terra Nova heraus, genauso wie die Fortsetzung Unternehmen Zeittransport (Timeslip! • 1968).

Ausgaben
Murray Leinster: The Time Tunnel (New York: Pyramid, 1967
Fortsetzung
Siehe auch
Fernsehserie: Time Tunnel (The Time Tunnel • USA 1966-67)
Leser-Service
Lieferbare Titel mit dem Stichwort Murray Leinster

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