Kinder werden älter und eines Tages erwachsen - mit dieser erschreckenden Erfahrung
werden auch Woody, Buzz Lightyear und die anderen Spielzeuge des kleinen Andy
konfrontiert. Plötzlich gibt es wichtigere Dinge im Leben als eine Cowboypuppe mit
abgerissenem Arm, die schließlich beim Garagenverkauf in die schmierigen Hände des
widerlichen Spielzeugsammlers Al gelangt. Doch Woody muß sich mit einer weiteren
erschreckenden Erkenntnis auseinandersetzen: Er ist nicht allein. Er ist Teil eines
Spielzeugsets, zu dem das Pferd Bully, das Cowgirl Jessie und der mürrische Goldgräber
Stinke-Piet gehören. Und er war einst der Star der kurzlebigen Fernsehserie Woody's
Roundup. Während Weltraumheld Buzz Lightyear die anderen Toys aus Andys Kinderzimmer
in ein waghalsiges Kommandounternehmen führt, um Woody aus Als Klauen zu befreien, steht
der Cowboy vor einer schwierigen Entscheidung. Soll er darauf hoffen, daß Andy ihn
irgendwann wieder liebhat, oder sich mit Jessie, Bully und Stinke-Piet an ein
Spielzeugmuseum in Tokio verkaufen lassen?
Mit Toy Story (Toy Story USA 1995), dem ersten vollständig computeranimierten Spielfilm, revolutionierte Regisseur John Lasseter die Filmgeschichte. Eine Fortsetzung stand für die Walt Disney Studios und die Trickfirma Pixar somit außer Frage. Ursprünglich war geplant, den zweiten Teil wie in der Trickfilmbranche mittlerweile üblich nur auf Video herauszubringen, doch dann entschied man sich - nicht zuletzt wegen des Erfolges von Lasseters Das grosse Krabbeln (A Bug's Life USA 1998) - auch Toy Story 2 ins Kino zu bringen. Unter den 250 Mitarbeitern dieser Produktion waren natürlich viele, die auch schon am ersten Teil mitgewirkt hatten, darunter Andrew Stanton, dessen Drehbuch zu Toy Story für den Oscar nominiert wurde, und Randy Newman, der erneut für die Musik sorgte. Lasseters Co-Regisseure Lee Unkrich und Ash Brannon hatten vier Jahre zuvor noch als Cutter bzw. Chef-Animator für Pixar geabeitet. Die Grundzüge der Geschichte, vor allem der Garagenverkauf und der Spielzeugsammler, waren bereits in der Entwicklungsphase des ersten Films diskutiert worden. Die eigentliche Story-Entwicklung begann im Frühjahr 1996.
Natürlich wurde die Tricktechnik für Toy Story 2 - der vierte vollständig computeranimierte Spielfilm überhaupt - weiter perfektioniert. Diesmal wurden deutlich mehr Schauplätze eingesetzt, die virtuelle Kamera wurde beweglicher, und die Mimik sowie die Interaktion von Figuren und Gegenständen wurden sichtlich verbessert. Obwohl ein erheblicher Aufwand getrieben wurde, um Menschen und Tiere lebensechter zu animieren, zeigt sich immer noch allzu deutlich, daß genau hier die große Schwäche der Computeranimation liegt. Am aufwendigsten waren kurioserweise die Schwarzweißszenen von Woody's Roundup, die als Marionettenspiel im Stil der fünfziger Jahre komplett mit Fäden und künstlichen Kratzern im Filmmaterial realisiert wurden. Toy Story 2 kostete insgesamt 100 Millionen Dollar - dreimal soviel wie der erste Teil und bis dato das höchste Budget für einen Trickfilm.
Mit Toy Story 2 ist dem Team um John Lasseter etwas gelungen, was im Filmgeschäft die große Ausnahme darstellt. Man hat es nämlich tunlichst vermieden, mit neuen, spektakulären Effekten zu protzen, sondern nahtlos das fortgeführt, was schon die Stärke des ersten Teils war: eine märchenhafte, aber stets glaubwürdige Story mit sorgfältig ausgearbeiten Charakteren. Die Spielzeugfiguren handeln keineswegs mechanisch, sondern mit nachvollziehbaren Motiven, was sich vor allem am Familienkonflikt zeigt, in den der arme Woody gerät. Auch die Verstocktheit des alten Goldgräbers Stinke-Piet, der immer noch in seiner Originalverpackung steckt und niemals erleben durfte, wie es ist, von einem Kind geliebt zu werden, beweist ein Einfühlungsvermögen der Autoren, wie es selbst im Realfilm nicht selbstverständlich ist. Gewürzt mit zahllosen Anspielungen und kleinen Gags - unter anderem ein Gastauftritt von Barbie - ist Toy Story 2 ein äußerst unterhaltsames und vergnügliches Kinoerlebnis.

[Abb.: Pixar]
Toy Story 2 spielte in den USA bereits nach fünf Tagen über 81 Millionen Dollar ein. Wenig später rückte der Titel auf Platz zwei der erfolgreichsten Animationsfilme in den USA. Im Kino gab es als besonderen Leckerbissen noch einmal den Pixar-Klassiker Luxo Jr. (USA 1986) als Vorfilm zu Toy Story 2 zu sehen.
| Originaltitel: | Toy Story 2 |
| deutscher Titel: | Toy Story 2 |
| Land und Jahr: | USA 1999 |
| Technik: | Computeranimation |
| Regie: | John
Lasseter Lee Unkrich Ash Brannon |
| Drehbuch: | Andrew Stanton Rita Hsiao Doug Chamberlin Chris Webb |
| Story: | John
Lasseter Peter Docter Ash Brannon Andrew Stanton |
| Kamera: | Sharon Calahan |
| Schnitt: | Edie Bleiman David Ian Salter Lee Unkrich |
| Effekte: | Glenn McQueen (Leitung Animation) Eben Ostby (Leitung Modeling) Don Schreiter (Leitung Rendering) |
| Musik: | Randy Newman Klaus Lage (deutsche Songs) |
| Produktionsdesign: | William Cone Jim Pearson |
| Produktion: | Disney Pixar Karen Robert Jackson Helene Plotkin Sarah McArthur (ausführend) |
| Uraufführung: | 13.11.1999 in Los Angeles |
| US-Kinostart: | 19.11.1999 |
| deutscher Kinostart: | 3.2.2000 (Buena Vista International) |
| Länge: | 92 Minuten |
| | FSK o. A. |
| US-Sprecher | deutsche Sprecher | |
| Woody: | Tom Hanks | Peer Augustinski |
| Buzz Lightyear: | Tim Allen | Walter von Hauff |
| Jessie: | Joan Cusack | Carin C. Tietze |
| Stinky Pete the Prospector / Stinke-Piet: | Kelsey Grammer | Erik Schumann |
| Mr. Potato Head / Charlie Naseweis: | Don Rickles | Hartmut Neugebauer |
| Slinky Dog: | Jim Varney | Gerd Potyka |
| Rex: | Wallace Shawn | Ernst Wilhelm Lenik |
| Hamm/Specki: | John Ratzenberger | Michael Rüth |
| Bo Peep / Porzellinchen: | Annie Potts | Alexandra Mink |
| Al McWhiggin: | Wayne Knight | Rainer Basedow |
| Andy: | John Morris | Karim el Kammouchi |
| Mrs. Davis: | Laurie Metcalf | Maria Böhme |
| Mrs. Potato Head / Charlotte Naseweis: | Estelle Harris | Inge Solbrig |
| Sergeant: | R. Lee Ermey | Reinhard Brock |
| Barbie: | Jodi Benson | Alexandra Schneider |
| Restaurator: | Fred Maire | |
| Wheezy: | Hans-Georg Panczak | |
| Imperator Zurg: | Thomas Piper | |
| Aliens: | Ulrich Frank Bernd Simon Ulf-Jürgen Wagner |