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Die Unglaublichen - The Incredibles

The Incredibles • USA 2004


Handlung

Bob Parr ist unglücklich. Einst war der gutmütige Riese »Mr. Incredible« ein unverwundbarer Superheld mit übernatürlich starken Muskeln. Niemand konnte ihn in die Knie zwingen - bis ein paar neidische und undankbare Subjekte sich einen Spaß daraus machten, ihn ständig grundlos zu verklagen. Um die horrenden Prozesskosten zu vermeiden, musste die Regierung das Auftreten von Superhelden verbieten. Bob ist zusammen mit seiner Frau untergetaucht. Helen Parr alias »Elastigirlû verfügt über einen beliebig dehnbaren Körper - der ihr nunmehr nur noch beim Fensterputzen zugute kommt. Violetta, die Tochter des Paares, kann sich unsichtbar machen, Sohn Dash extrem schnell rennen. Beide müssen diese Fähigkeiten unterdrücken und machen ständig frustriert Rabatz. Als Bob seinen ekligen Chef durch ein paar Wände wirft, verliert er auch noch seinen Job. Da kommt ihm ein interessantes Angebot gerade recht.

Eine geheimnisvolle Organisation heuert »Mr. Incredible« an, um einen durchgedrehten Roboter-Prototypen wieder einzufangen. Trotz Speckrollen kann der abgehalfterte Retter an alte Erfolge anknüpfen. Bei einem seiner geheimen Einsätze kommt Bob jedoch den bösen Absichten seiner Auftraggeber auf die Spur. Die Kampfroboter haben schon mehrere ehemalige Superhelden getötet. Dahinter steckt ein alter Widersacher, der mit Mr. Incredible noch eine Rechnung offen hat. Aus seiner sehr üblen Situation kann der nur entkommen, weil ihm der Rest der Familie zu Hilfe eilt. Und schon bald müssen sich alle vier Helden einer übermächtigen Gefahr stellen ...


Foto: Buena Vista

Kritik

Die Idee zu diesem Film kam Zeichner Brad Bird, als er sich gerade in einer Midlife-Crisis befand. Gesegnet mit Weib und Kind verlor er plötzlich seinen Job. Was, so fragte sich Bird, würde wohl ein Superheld in derselben Situation tun? Die einstmalige Depression des Zeichners verleiht diesem Animationsfilm eine gelegentliche Ernsthaftigkeit, die man so nicht erwartet hätte. Dem Time-Magazine zufolge bieten die Incredibles zwischen kinetischer Action und der Bekämpfung durchgeknallter Super-Bösewichte »genug häuslichen Zwist, um einen Mike-Leigh-Film zu füllen.« Und das ist sogar sehenswert, weil noch nie menschliche Figuren in einem Animationsfilm derart gelungen charakterisiert worden sind. Jede Bewegung, jedes Zucken eines Mundwinkels, jede Stimmungsänderung passt perfekt und gibt den Figuren eine Glaubwürdigkeit, als wären sie von hochbezahlten Edel-Mimen verkörpert worden. Das und ihre kläglich-alltägliche Ausgangssituation macht es einfach, sich mit den Personen zu identifizieren. Trotzdem sind sie keine fotorealistisch gezeichneten Ersatzmenschen, sondern liebevolle Karikaturen, die mit ihren übergroßen Köpfen klarstellen, dass dieser Film zunächst einmal nichts anderes ist als ein gelungener, intelligenter Spaß.

Dazu gehört für Film- und Comicfreunde, dass sie die vielen Einflüsse erkennen können, die in der Story verarbeitet wurden. Die rasante Verfolgungsjagd im Dschungel ähnelt deutlich den »Lichträder«-Sequenzen aus Die Rückkehr der Jedi-Ritter. Der Soundträck lässt mit jeder Note erkennen, dass er von John Barrys James-Bond-Scores abgekupfert wurde. Gleiches gilt für die Hintergründe in der Basis des bösen, bösen Feindes. Bond-Ausstatter Ken Adam hätte diese verblüffenden, avantgardistischen Kulissen genauso geschaffen. Nur können sie in einem Zeichentrickfilm viel weitläufiger und gewaltiger in Szene gesetzt werden als in einem Filmatelier. Die moderne 3-D-Animation tut ein Übriges, wenn es darum geht, den Betrachter ganz in diese Szenerie hineinzuziehen. Die Bilder lassen ahnen, welches enorme Potenzial noch im Animationsfilm schlummert, wenn es um phantastische Stoffe geht. Die Anleihen bei Star Wars, James Bond und Superman sind aber nicht so tiefschürfend wie die offensichtliche Vorbildfunktion eines viel düsteren Werkes. Story und Details aus The Incredibles erinnern deutlich an den genialen Comic-Zyklus Watchmen von Alan Moore (1986/87). Schon in dieser - für Kinder völlig ungeeigneten - Graphic Novel wird der Einsatz von Superhelden durch die Regierung verboten. Auch wurde dort erstmals auf die Gefahren hingewiesen, die das Tragen von dramatischen Umhängen nach sich zieht. Freilich hat Brad Bird das Thema in einem leichtfüßigen Familienfilm umgesetzt und ihm damit die Schärfe genommen.


Foto: Buena Vista

Die Optik des Films macht schnell klar, dass er in den 60er Jahren angesiedelt ist. Kostüme, Flugmaschinen und Geheimwaffen sind durch den technokratischen und optimistischen Futurismus dieser Zeit geprägt. Zusammen mit den großkopferten Comic-Figuren ergeben sie ein entfesseltes, weil fadenfreies Thunderbirds-Design. Da dieser Film fast gleichzeitig mit Sky Captain and the World of Tomorrow ins Kino gekommen ist, muss man vermuten, dass Hollywood die Zukunft zunehmend als etwas betrachtet, was in der Vergangenheit stattgefunden hat. Sky Captain entwirft eine technologisch fortgeschrittene Alternative zu den dreißiger Jahren, während die Incredibles sich des Jahrzehnts annehmen, in dem die bevorstehende und schließlich durchgeführte Mondlandung noch großartigere Entwicklungen erwarten ließ. Das 21. Jahrhundert scheint für optimistische, raumgreifende Szenarien, die auf klassischen Technologien beruhen, nicht mehr zu taugen. Tatsächliche Zukunftsvisionen geraten Hollywood stets zu düsteren Cyberpunk-Szenarien à la Blade Runner oder Matrix. Um etwa aus der Luft- und Raumfahrt wieder erwartungsfrohe Bilder abzuleiten, wären wohl mutigere Impulse aus der Realität nötig.

Von derartig philosophischen Gedanken werden die meisten Zuschauer sicher frei sein, wenn sie die Incredibles gesehen haben. Figuren, Humor, Tempo, Spannung, Einfallsreichtum und technische Perfektion dieses Films stellen zurzeit alles andere im Animationsbereich in den Schatten. Die deutschen Sprecher werden hierzulande viel zum Erfolg beitragen. Markus Maria Profitlich scheint geradezu dafür geboren zu sein, Bob Parr seine Stimme zu leihen. Das Drehbuch würde für die besten Realfilme auf dem Terrain des Superhelden-Genres taugen und erreicht damit trotz seiner Advents- und Familienfreundlichkeit etwa das Niveau der X-Men-Reihe. Brad Bird hat seine Erkenntnis umgesetzt, dass Animation kein Genre ist, das ewig auf Spielzeuge, Fische, Käfer oder Monster festgelegt sein muss, sondern einfach eine weitere Möglichkeit, Geschichten jeder Art zu erzählen. Dabei hat er sein Publikum aber nicht aus den Augen verloren. Nach den Incredibles lässt sich jetzt auch außerhalb der japanischen Anime-Szene vieles denken, das vorher für Zeichentrickfilme nicht üblich war. Man darf gespannt sein - und sich einstweilen mit der unglaublichen Familie Parr königlich amüsieren.

Arno BehrendALIEN CONTACT

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Credits

Originaltitel: Die Unglaublichen - The Incredibles
deutscher Titel: The Incredibles
Land und Jahr: USA 2004
Regie: Brad Bird
Technische Regie: Rick Sayre
Buch: Brad Bird
Story Supervisor: Mark Andrews
Kamera und Layouts: Patrick Lin
Janet Lucroy
Musik: Michael Giacchino
Künstlerische Leitung: Ralph Eggleston
Charaktere: Teddy Newton
Animationsleiter: Tomy Fucile
Figuren-Animation: Bill Wise
Animationen: Christian Hoffman
Mark Henne
Bryn Imagire
Animation der Hintergründe: Nigel Hardwicke
Ausstattung: Lou Romano
Kostümentwürfe: Christine Cervantes
Maria Cervantes
Produktion: John Walker
Ausführender Produzent: John Lasseter
Studio: Pixar
deutscher Kinostart: 9.12.2004 (Buena Vista)
Länge: 115 min.
FSK ab 6 Jahre
Prädikat: wertvoll

Darsteller

  Original-Sprecher dt. Synchron
Bob Parr/Mr. Incredible: Craig T. Nelson Markus Maria Profitlich
Helen Parr/Elastigirl: Holly Hunter Kathrin Fröhlich
Dashiell Parr: Spencer Fox Marco Iannotta
Violetta Parr: Sarah Vowell Felicitas Woll
Frozone: Samuel L. Jackson Kai Pflaume
Syndrome: Jason Lee Manuel Straube
Edna Mode: Brad Bird Mechthild Großmann
Mirage: Elizabeth Peña Barbara Schöneberger
Mr. Huph: Wallace Shawn Herbert Feuerstein

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