Es raschelt geheimnisvoll im Gebüsch, ein paar große Fußstapfen sind zu sehen, und ein Dinosaurierschwanz schleift durchs Bild. Mit diesen Szenen beginnt der Vorspann der dritten Verfilmung des Romans Die verlorene Welt (The Lost World, 1912) von Sir Arthur Conan Doyle.
Im Jahre 1912 beschwert sich der Journalist Edward Malone von der London Gazette bei seinen Chefs McCardle (!) und Johnson, daß seine Arbeit keine echte Herausforderung für ihn darstellt. Daraufhin schicken sie ihn zum berüchtigten Professor Challenger, mit dem bislang noch kein Reporter ein Interview führen konnte. Malone stellt sich als italienischer Kollege Guiseppe Milano vor, doch Challenger durchschaut die Täuschung sofort. Nach einer heftigen, aber kurzen Rauferei faßt der Professor Zutrauen zum jungen Journalisten und zeigt ihm das Tagebuch von Maple White, der den Oberlauf des Lualaba-Flusses im Kongo erkundet hat. Challenger hat den sterbenden Forscher während seiner Afrika-Reise gefunden und von ihm erfahren, daß er ein verlorenes Land entdeckt und einen Flugsaurier am Himmel gesehen hat.
Auf dem Kongreß des Zoologischen Instituts erregt Challenger großes Aufsehen mit seiner Theorie, daß die Dinosaurier keineswegs ausgestorben sind, doch nach langen Diskussionen erklärt sich sein Rivale Professor Summerlee bereit, die Leitung einer Expedition nach Afrika zu übernehmen - aber nur unter der Bedingung, daß Challenger sich nicht daran beteiligt. Nach einigem Widerstand seitens der Männer erlaubt man der Tierfotografin Jenny Nielsen die Mitreise, zumal ihre Familie die Finanzierung der Expedition übernimmt. An Bord des Schiffes entdeckt man den Botenjungen Jim, der sich als blinder Passagier an Bord geschlichen hat. Über Daressalam erreichen die Reisenden schließlich den Missionsposten Kaleni, wo der zwielichtige Portugiese Gomez und das Rasseweib Malu angeheuert werden. Hier schließt sich auch Challenger wieder der Gruppe an, trotz der Proteste von Professor Summerlee.
Nach einer Fahrt über den Fluß und einem weiteren Fußmarsch steht man schließlich vor der steil aufragenden Felswand. Sie schießen ein Seil mit einem Enterhaken hoch und klettern hinauf. Gomez, der das Seil bewachen sollte, reißt es herunter, weil er Rache am Tod seines Bruders Pedro geschworen hat, den Challenger auf seiner ersten Afrika-Reise getötet hat.
Auf dem Plateau sehen die Forscher viele Vögel, aber auch zwei Anatosaurier, von denen einer mit der Zunge über die Linse von Miss Nielsens Kamera leckt. Dann stürzt Summerlee in eine unterirdische Höhle, wo eine Pterodaktylus-Mutter wütend ihre Jungen verteidigt, bis der Professor befreit werden kann.
Nachts machen Jim, Edward und Malu einen Ausflug zum See, den Jim vom Ausguck auf einem hohen Felsen entdeckt hat. Dort stoßen sie auf einen Raubsaurier, doch Malu weiß Rat, und so reiben sich die drei mit dem Saft einer übelriechenden Frucht ein, worauf der Saurier das Weite sucht. Nach ihrer Rückkehr finden sie das Lager verlassen vor. Die anderen wurden von Wilden gefangen genommen, die ihre Körper mit einem Skelettmuster bemalt haben und die Weißen mit Blättern garniert über die Klippe einem Tyrannosaurus zum Fraß vorwerfen wollen. Jim bastelt aus Malones Jacke einen Ballon, den die Wilden erstaunt bewundern, worauf die Forscher befreit werden können.
Bei der Verfolgungsjagd erhalten sie Hilfe von Häuptling Palala, der sie freundlich in seinem Stamm aufnimmt. Dort heilt Summerlee schließlich ein krankes Pterosaurus-Küken mit Blättern eines Strauches, die er aus der Nähe des Skelettmenschen-Dorfes holt. Dann erläutert er seine Theorie, daß die Saurier in prähistorischen Zeiten durch eine Seuche ausgerottet wurden. Nur in der verlorenen Welt konnten sie überleben, weil es hier das Heilkraut gibt, mit dem die Skelettmenschen ihre Appetithäppchen für den Tyrannosaurus garnieren.
Bei einem Angriff der Skelettmenschen wird ihr Häuptling getötet, worauf sich die Stämme wieder vereinen. Häuptling Palala zeigt der Expedition den Weg durch einen unterirdischen Tunnel, der in die Außenwelt führt. Vor dem Abschied schwören die Reisenden, daß sie noch einmal zurückkehren wollen. Am Fluß lauert ihnen der böse Gomez auf, doch nach einer kurzen Auseinandersetzung wird er verletzt in den Dschungel gejagt.
Zurück in London kann Jim stolz den Anwesenden im Zoologischen Institut den Flugsaurier zeigen, den der Junge heimlich mitgenommen und auf den Namen Parzival bzw. Percy getauft hat. Zum Schluß besucht er zusammen mit Edward Malone und Jenny Nielsen seinen Freund im Zoo, wo die drei ihn aus dem Käfig freilassen, damit er nach Hause fliegen kann.

Foto: Pro 7
Im Jahre 1914, also zwei Jahre nach der großen Expedition ins verlorene Land, stößt Häuptling Palala auf Gomez und einen gewissen Doktor Bertrand Raymonds, die mit Erlaubnis des belgischen Generalgouverneurs auf dem Plateau nach Öl bohren wollen. Palala protestiert dagegen, doch nach einem Zwischenfall mit einem Ankylosaurus, den die Weißen kurzerhand in die Luft sprengen, wird Palala über die Klippe in den Abgrund geworfen.
Zufällig kommt Malu vorbei und findet den verletzten Häuptling. Sie bringt ihn nach Kaleni, wo die Lehrerin Kate Cranshaw nach London telegraphiert. Edward Malone und Jenny Nielsen erhalten die Nachricht am Khaiberpaß in Afghanistan, wo sie sich als Kriegsreporter aufhalten, und machen sich sofort auf den Weg nach London.
Professor Summerlee, der inzwischen das angesehene Summerlee Institute in Surrey gegründet hat, erklärt sich nach einigem Zögern bereit, eine neue Expedition zur verlorenen Welt zu leiten, um wie versprochen im Notfall zurückzukehren und Hilfe zu leisten. Mit Professor Challenger hat er sich wieder einmal überworfen, da dieser seine Theorie über den Ursprungs des Orinoco-Flusses angegriffen hat. Edward und Jenny schmuggeln Challenger daraufhin in einer Kiste an Bord des Schiffes, um die zwei Gelehrten vor vollendete Tatsachen zu stellen. Der kleine Jim ist natürlich auch wieder dabei.
In Kaleni schließen sich Malu und Häuptling Palala der Gruppe an, und man rudert gemeinsam den Fluß hinauf. Zur selben Zeit müssen sich Raymonds und seine Leute gegen verschiedene Dinosaurier wehren. Einen Anatosaurus können sie erschießen, doch der Tyrannosaurus Rex zertrampelt die Rohre für die Wasserkühlung, worauf die gesamte Bohranlage in die Luft fliegt und Lava aus dem Erdinnern quillt. Die Abenteurer sehen den Rauch des Vulkanausbruchs, bevor sie durch das Höhlensystem zum Plateau aufsteigen. Unterdessen haben Raymonds und Gomez das Mädchen Imana, die Häuptlingstochter, als Geisel genommen, um den Stamm zu zwingen, ihnen den Rückweg aus dem verlorenen Land zu zeigen. Als Gomez ein Exempel statuieren und das Mädchen töten will, wird er von Challenger erschossen.
Der Stamm verehrt die zurückgekehrten Abenteurer als Götter und erwartet von ihnen, den Vulkan, der die Existenz des verlorenen Landes bedroht, zum Schweigen zu bringen. Challenger faßt den Plan, den Vulkanausbruch durch eine Gegenexplosion stoppen, und zwar mit dem von ihm erfundenen Supersprengstoff Challengit. Nach einigen Mühen kann Challenger den Sprengstoff in den Höhlen deponieren, doch dann wird die Hängebrücke zerstört - und damit der einzige Rückweg vom Plateau.
Als alles für die Sprengung bereit ist, kommt es zu einer wilden Schießerei mit Raymonds Männern. Im Kugelhagel gelingt es Professor Summerlee, den Zünder anzuschließen, aber nichts geschieht. Darauf rennt Jim in die Höhle, um die durchgerissene Zündschnur zu flicken. Raymonds folgt ihm und versucht ihn zu überzeugen, lieber mit ihm durch einen neuen Fluchtweg in die Außenwelt zu entkommen, bevor alles zu spät ist. Doch Jim läßt seine Freunde natürlich nicht im Stich.
Das Challengit explodiert, der Vulkanausbruch wird gestoppt, und das verlorene Land ist gerettet. Edward und Jenny liegen sich endlich in den Armen, der Flugsaurier Parzival hat seine Heimat wiedergefunden, und Challenger will die Formel für seinen Sprengstoff vernichten, damit er nicht in falsche Hände gerät.
Die verlorene Welt und die Fortsetzung Rückkehr in die verlorene Welt wurden vom kanadischen Fernsehen mit Beteiligung des italienischen Berlusconi-Konzerns als Zweiteiler produziert. Den Schauplatz hat man - vermutlich aus Kostengründen - von Südamerika nach Afrika verlegt. Die Geschichte spielt im südöstlichsten Zipfel von Zaire bzw. Kongo im Grenzgebiet zu Sambia, gedreht wurde jedoch in Südafrika und Zimbabwa - und in Kanada.
Das Drehbuch schrieb der Autor und Produzent Harry Alan Towers unter dem Pseudonym Peter Welbeck, der in dieser Kombination bereits mehrere Billigfilme für Kino und Fernsehen in die Wege geleitet hat. Als Regisseur wurde der Handwerker Timothy Bond verpflichtet, der eine Reihe von Fernsehfilmen und einige Folgen der Serien Star Trek - Das nächste Jahrhundert (Star Trek: The Next Generation, 1987-94), Outer Limits - Die unbekannte Dimension (The Outer Limits, 1995-) und Sliders - Das Tor in eine fremde Dimension (Sliders, USA 1995-) inszenierte. Bis auf John Rhys-Davies, der in jeder Beziehung das geeignete Format für die Rolle des Professor Challenger besitzt, und David Warner, der als Professor Summerlee jedoch viel zu blaß und geruhsam bleibt, wurden fast nur unbekannte Schauspieler engagiert. Der Darsteller des Übeltäters Bertrand Raymonds, der erst im zweiten Teil auftritt, wird in den Credits übrigens nicht genannt.
Als Dinosaurier hat man Handpuppen eingesetzt, die von der Firma Image Quest entwickelt wurden und in sehr kurzen Sequenzen in Großaufnahme hinter Blattwerk zu sehen sind. Überraschenderweise wirken die Szenen durch diesen sparsamen Einsatz gar nicht so billig, wie sie in Wahrheit sind. Die Anatosaurier und der Tyrannosaurus sind einigermaßen gelungen, doch der Raubsaurier mit dem Krokodilkopf, dem Jim, Edward und Malu bei ihrem nächtlichen Streifzug begegnen, ist ein reines Phantasieprodukt. Die Szene, in der das Monstrum seinen Fuß in den Schlamm drückt, sieht im Nachhinein wie eine Anspielung auf Jurassic Park (Jurassic Park, 1993) aus, obwohl dieser Film erst ein Jahr später fertiggestellt wurde. Für das Ankylosaurus-Baby wurde eine vollständige Puppe gebaut, die von den Akteuren durch die Gegend getragen werden kann, dann aber natürlich nicht mehr beweglich ist. Auch die Szenen mit den Flugsauriern wurden auf einfachste Weise realisiert, indem die Modelle schnell durchs Bild geschwenkt oder geworfen wurden. Die Flugsaurier werden wie schon in Doyles Romanvorlage auch in diesem Film wieder als Pterodactylen bezeichnet, obwohl es eindeutig um Exemplare der Gattung Pteranodon handelt.
Die dritte Verfilmung des gleichnamigen Romans von Arthur Conan Doyle hält sich anfangs recht genau an die Vorlage, um dann immer weiter davon abzuweichen, bis im zweiten Teil eine völlig neue Geschichte erzählt wird. Von den Hauptfiguren des Romans wurden nur Challenger, Summerlee und Malone praktisch unverändert übernommen. Aus Malones Chefredakteur McArdle wurde hier das Gespann McCardle und Johnson. Die Figur des Lord Roxton hat man gestrichen und dafür die Tierfotografin Jenny Nielsen und den Jungen Jim eingeführt, die im Verlauf des Abenteuers mit Ed Malone zu einer richtigen kleinen Familie zusammenwachsen. Die dramaturgische Funktion der äußerst spärlich bekleideten - und in einer kurzen Szene völlig unbekleideten - Malu dient anscheinend als Prüfstein für Malones Tugend. Denn Edward fühlt sich sehr von Malus Reizen angezogen, während Jenny eifersüchtig schmollt, bis Malu ihr den Rat gibt, Edward zu sagen, daß sie ihn liebt, worauf auch der Reporter endlich begreift, welche Frau zu ihm gehört. Der Name Malu könnte durchaus eine Anspielung auf Manuel sein, den im Roman erwähnten Begleiter von Gomez.
Insgesamt ist Die verlorene Welt kurzweilige Fernsehunterhaltung, doch beileibe kein spektakulärer Abenteuerfilm. Im Grunde finden überhaupt keine ernsten Konflikte statt, selbst die Zwischenfälle mit den Dinosauriern sind so harmlos, daß der Film ohne weiteres im Kinderprogramm gezeigt werden kann. Er ist zwar gelungener als Versunkene Welt, die zweite Verfilmung von 1960, reicht aber keinesfalls an Die verlorene Welt, die Stummfilmfassung von 1925, heran. Im Grunde war diese TV-Produktion völlig überflüssig, denn für eine »Literaturverfilmung« ist sie zu dünn und anspruchslos, und für einen Dinosaurierfilm weist sie gerade in heutiger Zeit viel zu wenige und zu billige Effekte auf.
Der Zweiteiler wurde 1993 in Deutschland von Taurus auf Video veröffentlicht und lief am 5. und 6.9.1993 erstmal auf Pro 7 im deutschen Fernsehen - am Wochenende nach dem deutschen Kinostart von Jurassic Park. Außerdem zeigte Pro 7 beide Teile noch einmal während des »Dinomania«-Wochenendes am 10. und 11.1.1997 - einen Tag vor der deutschen Fernsehpremiere von Jurassic Park auf Pro 7.
| deutsche Titel: | Die verlorene Welt (Teil 1) Rückkehr in die verlorene Welt Die verlorene Welt (Teil 2) |
| Originaltitel: | The Lost World (Teil 1) Return to the Lost World (Teil 2) |
| Land und Jahr: | Kanada 1992 |
| Technik: | Farbe |
| Regie: | Timothy Bond |
| Drehbuch: | Peter Welbeck (= Harry Alan Towers) |
| Vorlage: | Arthur Conan Doyle, Die
verlorene Welt (The Lost World, 1912) |
| Kamera: | Paul Beeson |
| Schnitt: | Stephen Lawrence |
| Effekte: | Joe Quinlivan (Koordination) Image Quest Ltd. (Entwicklung) Peter Parks (Überwachung) Richard Gregory (Leitende Überwachung der Animatronics) Lindsey Harris (Überwachung der Animatronics) |
| Musik: | Lawrence Shragge Larry Wolff Isaiah Sanders Gerhard Shadrick |
| Ausstattung: | John Rosewarne |
| Kostüme: | Diana Cilliers |
| Maske: | Tracy Crystal |
| Produktion: | Harmony Gold Silvio Berlusconi Communications Michael Games Frank Agrama Norman Siderow Daniele Lorenzano Harry Alan Towers |
| Deutsche Videoveröffentlichtung: | 1993 (Taurus) |
| Deutsche Fernsehpremiere: | 5./6.9.1993 (Pro7) |
| Länge: | 95/98 min. |
| Professor Challenger: | John Rhys-Davies |
| Edward Malone: | Eric McCormack |
| Professor Summerlee: | David Warner |
| Manuel Gomez: | Géza Kovács |
| Malu: | Nathania Stanford |
| Mercer Jim: | Darren Peter |
| Jenny Nielson: | Tamara Gorski |
| Dan: | Sala Came |
| Häuptling Palala: | Fidelis Cheza |
| Medizinmann: | John Chinosiyani |
| Pujo: | Innocent Choda |
| Polizist: | Brian Cooper |
| Mojo-Träger: | Charles David Mike Grey Edd Moyo King George Moyo Tasisious Sanyika |
| Kate Cranshaw: | Kate Egan |
| Maple White: | Robert Haber |
| Murray: | Tim Heale |
| Imana: | Mary Ann Mandishona |
| Tarp Henry: | Neil McCarthy |
| Johnson: | Victor Melleney |
| Soldat mit Telegramm: | Gavin Mey |
| Waldron: | Colin Neilson |
| Pedro: | Nicky Rebello |
| Jessie: | Patricia Sanders |
| McCardle: | Len Sparrowhawk |
| Wärter im Zoo: | Kelvin Weare |
| Sam: | Gideon De Wet |
| Großer Mann: | Joel Noah White |
| Peterson: | Ian Yule |