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Die verlorene Welt

The Lost World • USA 1925


Dieser Stummfilm mit Tricksequenzen von Willis O'Brien ist die erste von mehreren Verfilmungen des Romans Die verlorene Welt (The Lost World, 1912) von Arthur Conan Doyle.

Handlung

Der Film beginnt ebenso wie der Roman mit den Vorbereitungen zu einer Expedition in ein geheimnisvolles Land, das der verschollene Forscher Maple White erkundete. Die Gruppe besteht aus Professor George Edward Challenger, dem jungen Journalisten Ed Malone, Challengers Gegenspieler Professor Summerlee, dem Adligen und Abenteuer Lord John Roxton und Maple Whites Tochter Paula (diese Figur taucht im Roman nicht auf). Nachdem die Helden am Fuß des steilen Plateaus angelangt sind, sehen sie ein Pteranodon, das sich auf einer Felsspitze neben dem Plateau niederläßt und einen Alligator verspeist. Sie gelangen auf das Plateau, indem sie einen Baum auf diesem Felsen fällen und damit den Abgrund überbrücken. Doch kurz darauf stößt ein Brontosaurus den Baumstamm in die Tiefe (im Roman ist es ein zwielichtiger Einheimischer), wodurch sie auf dem Hochland gefangen sind. Dann begegnen sie allerhand Sauriern. Ein Allosaurus greift ein Trachodon an, tötet es und geht auf ein Triceratops mit Jungen los, das sich allerdings mit seinen Hörnern zu wehren weiß. Nachts fällt ein solches Monstrum auch über die Expedition her, aber die Menschen können es mit einer Fackel vertreiben. Dann kämpft ein Allosaurus mit einem Styracosaurus, unterliegt jedoch dem hornbewehrten Pflanzenfresser, der aber von einem zweiten Raubsaurier erledigt wird, welcher anschließend noch ein vorbeifliegendes Pteranodon fängt und zerstampft. Inzwischen findet Lord Roxton in einer Höhle Maple Whites Skelett und einen Ausgang. Er ist etwas eifersüchtig, als Ed Malone und Paula ihm verkünden, daß sie heiraten wollen. (Im Roman hatte Ed das ganze Abenteuer nur unternommen, um einer Gladys Hungerton zu imponieren - hier ist sie »nur« seine Verlobte). Als Challenger einen Brontosaurus verfolgt, wird dieser von einem Allosaurus angegriffen, kann sich gegen ihn wehren, stürzt aber über die Klippe in einen Sumpf - worauf der Allosaurus sichtlich pikiert dreinblickt. Dann bricht der zentrale Vulkan aus, und die Dinosaurier fliehen in Panik. In einem beeindruckenden Panorama sind dann mindestens ein Dutzend Saurier gleichzeitig in einem Bild zu sehen, während allein fünf Allosaurier von einem Kadaver fressen.

Die auffälligste Abweichung der Filmhandlung von der Romanvorlage betrifft den Schluß. Im Buch schafft Professor Challenger lediglich einen Pterodactylus nach London, der eine Gelehrtenversammlung in Aufruhr versetzt, durch ein Fenster entkommt und zuletzt über dem Meer gesichtet wird. Der Film setzt diese Grundidee viel spektakulärer um: Hier ist es nämlich der abgestürzte Brontosaurus, den Challenger als Beweis seiner Entdeckungen nach London bringt. Doch das Vieh befreit sich, schreckt die Massen auf und bringt ein paar Londoner Gebäude zum Einsturz, bis es schließlich durch die Themse davonschwimmt.

Diese Szenen sind insofern interessant, als sie einen ersten, noch relativ harmlosen Vorgriff auf die späteren Monsterfilme darstellen, in denen ganze Städte in Schutt und Asche gelegt werden.

Produktion

Die Arbeiten zu diesem Film begannen im Jahr 1923. Während der Regisseur Harry Hoyt die Realfilmaufnahmen drehte, stellte Willis O'Brien im Studio ganz allein die Trickaufnahmen in Stop Motion fertig, wobei im Schnitt nur 30 Sekunden Filmmaterial pro Tag belichtet wurden. Die zeichnerischen Entwürfe für die Trickaufnahmen - also eine Vorform dessen, was heute als »storyboard« bezeichnet wird - stammen von Marcel Delgado. Als Grundlage wurden neuere Rekonstruktionen verwendet, insbesondere die von Charles R. Knight, so daß die Saurier im Film wesentlich »moderner« wirken, als Doyle sie im Roman beschrieben hatte. Im Film kamen insgesamt 49 Dinosauriermodelle zum Einsatz, die bis zu 45 cm hoch waren und aus realistisch nachgebildeten Stahlskeletten bestanden, die den Figuren eine bessere und vor allem realistischere Beweglichkeit verliehen. Als Neuerung wurde der Körper nun aus Schwämmen gestaltet und mit einer Gummihaut überzogen. Bei einigen Modellen konnte sogar durch Blasebälge die Atmung simuliert werden. Eine wesentliche Verbesserung war auch das »glass-shot«-Verfahren, das Ralph Hammeras entwickelt hatte und sich patentieren ließ. Hierbei filmt die Kamera durch eine bemalte Glasscheibe, hinter der sich die Animationsfigur befindet. Dadurch wird eine größere räumliche Tiefe vorgetäuscht, obwohl die Entfernungen im Trickstudio meist kaum mehr als einen Meter betragen. Durch ein zweites neues Verfahren, die »split screen«, war es erstmals möglich, lebende Darsteller und Trickdinosaurier in derselben Einstellung zu zeigen.

Verlorene Szenen

The Lost World wurde im Februar 1925 im New Yorker Kino Astor Theater uraufgeführt. Die erste Version kam in eingefärbten Kopien in die Kinos und hatte eine Laufzeit von fast zwei Stunden. Nach dem Verkauf der Produktionsfirma First National Pictures an Warner Brothers wurden sämtliche Kopien des Films vernichtet und nach einem Lizenzabkommen mit der Firma Kodascope eine auf 55 Minuten gekürzte Version auf 16 mm hergestellt, die in Schulen und Kirchen gezeigt werden sollte und später auf 35 mm zurückkopiert wurde. Die heute verfügbare Fassung des Films hat eine Laufzeit von etwa 70 Minuten. Da das Originalnegativ verschollen ist, standen die Chancen schlecht, jemals wieder eine komplette Version herzustellen. 1991 erschien eine Laserdisc mit der am besten erhaltenen Kopie von The Lost World, die durch einen Trailer mit fünf geschnittenen Szenen und Standfotos von ebenfalls verschollenen Szenen ergänzt wird.

Dann wurden 1991 im Archiv von Warner Brothers Negative von mangelhaften Szenen entdeckt, die seinerzeit nicht für die Originalfassung verwendet worden waren. Ein Jahr später fand man im Filmovy Archiv in Prag eine nahezu vollständige Kopie des Films mit Zwischentiteln in tschechischer Sprache. Schließlich tauchten noch einige Szenen auf, die aus der Library of Congress und aus Privatsammlungen stammten. Mit diesem Material stellte Ed Stratman vom George Eastman House eine etwa 100 Minuten lange Rekonstruktion der Originalfassung von The Lost World her, die am 8. August 1997 im George Eastman House in Rochester/New York zusammen mit Originalmusik von Philip Carli uraufgeführt wurde.

Medieninfo

Die verlorene Welt wurde zu einem großen Kinoerfolg der Stummfilmzeit und ist bis heute ein Klassiker geblieben. Trotz der für die damalige Zeit immensen Produktionskosten von einer Million Dollar wurde der Film für die Produktionsgesellschaft First National Pictures zu einem großen finanziellen Erfolg. Auch die Kritiker waren begeistert - selbst Arthur Conan Doyle soll sich sehr positiv über die Verfilmung geäußert haben.

Bis 1928 gab es immer wieder Gerüchte, daß Willis O'Brien und Harry Hoyt eine Fortsetzung planten, die zu Anfang der Tonfilmzeit jedoch gekippt wurde. Danach begannen sie mit der Arbeit am nicht fertiggestellten Projekt Creation (1930-31), die schließlich in King Kong und die weiße Frau (King Kong, 1933) mündete, mit dem viele Motive aus Die verlorene Welt wieder aufgegriffen wurden.

Nur ein Jahr nach der Uraufführung brachte die First National mit The Savage (1926) eine Parodie auf ihren eigenen Erfolgsfilm heraus. Zehn Jahre später entstand die Zeichentrickparodie Buddy's Lost World (1935). 1948 wurde unter dem Titel A Lost World ein kurzer Zusammenschnitt der Trickszenen produziert. Die Billigproduktion Two Lost Worlds (1950) behandelt zwar ein ähnliches Thema, hat aber weiter nichts mit der Romanvorlage von Doyle gemeinsam.

Zu einem Remake kam es erst 1960, als der Regisseur Irwin Allen sich mit dem Produktionsteam der Twentieth Century-Fox zusammentat. Wills O'Brien wirkte an Versunkene Welt (The Lost World, 1960) lediglich als technischer Berater mit, ohne daß man die Fähigkeiten des Experten der Stop Motion nutzte. 1982 plante der Regisseur Jack Arnold ein weiteres Remake mit der Universal, das sich jedoch bald darauf zerschlug. Erst 1992 wurde die zweiteilige Fernsehproduktion Die verlorene Welt & Rückkehr in die verlorene Welt (The Lost World & Return to the Lost World) mit John Rhys-Davies und David Warner realisiert.

Bernhard Kempen

DVD
The Lost World (2002) Bestellen
Laserdisc
The Lost World (LumiVision, LVD 9109, 1991)
Romanvorlage
Arthur Conan Doyle, Die verlorene Welt (The Lost World, 1912)
Über den Film
Orville Goldner & George E. Turner, The Making of King Kong (New York: Ballantine, 1975)
Remakes
Versunkene Welt (The Lost World, 1960)
The Lost World (1982-84, nicht realisiert)
Die verlorene Welt & Rückkehr in die verlorene Welt (The Lost World & Return to the Lost World, 1992)
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Credits

deutscher Titel: Die verlorene Welt
Originaltitel: The Lost World
Land und Jahr: USA 1925
Technik: 35 mm • s/w • Stummfilm
Regie: Harry Hoyt
Drehbuch: Marion Fairfax
Vorlage: Arthur Conan Doyle, Die verlorene Welt
(The Lost World, 1912)
Kamera: Arthur Edeson
Effekte: Willis O'Brien
Marcel Delgado
Homer Scout
J. Devereaux Jennings
Vernon L. Walker
Musik: Philip Carli
Produktion: First National Pictures
Carl Laemmle
Uraufführung: 2/1925
8.8.1997
Restaurierte Fassung
Länge: 105 min

Darsteller

Professor Challenger: Wallace Beery
Edward Malone: Lloyd Hughes
Professor Summerlee: Arthur Hoyt
Lord John Roxton: Lewis Stone
Paula White: Bessie Love
Gladys Hungerford: Alma Bennett
Mrs. Challenger: Margaret McWade
Zambo: Jules Cowles
Affenmensch: Bull Montana
Colin McArdle: George Bunny
Major Hibbard: Charles Wellesley
und: Frank Finch Smiles
Virginia Brown Faire
Nelson MacDowell

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