Die zweite Verfilmung des Romans Die
verlorene Welt (The Lost World, 1912) von Arthur Conan Doyle
nach dem Stummfilm Die verlorene Welt
(The Lost World, 1925) verlegt die bekannte Geschichte in die Gegenwart: Das südamerikanische Hochplateau wird nun mit
einem Hubschrauber angeflogen, der jedoch bald von einer Echse von der Klippe geworfen
wird. Professor Challenger identifiziert
den Übeltäter als »Dinosaurius jurassicus aus der Klasse der Sauropoden, mit anderen
Worten: ein Brontosaurier«. Trotz der Dunkelheit ist das Vieh jedoch eindeutig als Leguan
zu erkennen. Auf das Drehbuch wurde offensichtlich mehr Mühe als auf die Spezialeffekte
verwendet, denn nun muß die Gruppe zunächst diverse menschliche Konflikte
ausdiskutieren. Dann tritt ein Leguan mit dem Kragen eines Styracosaurus und den
Rückenplatten eines Stegosaurus gegen einen Alligator mit Hörnern und dem Rückensegel
eines Dimetrodons an. Es folgt ein äußerst brutaler Kampf, an dessen Ende die armen
Tiere in den Abgrund stürzen.
Die Affenmenschen wurden in dieser Version ganz gestrichen, dafür wird die Expedition von kannibalischen Indianern gefangengenommen. Doch ein Indianermädchen führt sie zum alten Burton (!) White, der ihnen von einem Fluchtweg erzählt. Nachdem sie im Höhlengang einem weiteren »Saurier« begegnen, der in einen Lavasee stürzt, sind sie endlich frei und in Sicherheit vor der vulkanischen Katastrophe, die nun das Plateau zerstört. Ein etwas müder Schlußgag ist der kleine Tyrannosaurus, der aus einem geretteten Ei schlüpft und über den Professor Challenger bemerkt, daß er sicher bald London in Angst und Schrecken versetzen wird.
Nachdem die Studios der Twentieth Century Fox mit der Jules-Verne-Verfilmung Die Reise zum Mittelpunkt der Erde (Journey to the Center of the Earth, 1959) einen Publikumserfolg gelandet hatten, übernahm der Regisseur Irwin Allen ein Jahr darauf dasselbe Trickteam für die Neuversion des Klassikers von Arthur Conan Doyle in Ton und Farbe. Obwohl Willis O'Brien, der die gelungenen Stop-Motion-Tricks in der Stummfilmfassung Die verlorene Welt (The Lost World, 1925) ausgeführt hatte, als technischer Berater hinzugezogen wurde und die Plakate echte Dinosaurier ankündigten, wurden von den Tricktechnikern L. B. Abbott, Emil Kosa und James B. Gordon wieder einmal zeitgenössische Reptilien gequält.

Irwin Allens Neuverfilmung des Abenteuerklassikers von Arthur Conan Doyle ist die größte Enttäuschung in der Geschichte des Dinosaurierfilms. Während die unzähligen anderen Monsterstreifen der fünfziger und sechziger Jahre wenigstens ohne jeden Anspruch gedreht wurden, muß sich dieser Film einen direkten Vergleich mit dem Vorbild Die verlorene Welt (The Lost World) von 1925 gefallen lassen, und in dieser Hinsicht schneidet Versunkene Welt denkbar schlecht ab. Die menschlichen Protagonisten beschränken sich darauf, dümmliche Kommentare abzugeben, und die aufgeblasenen Eidechsen wirken unglaubwürdiger als jeder Statist im Godzilla-Kostüm. Weder die Story noch die Tricks können den Zuschauer fesseln. Das Motto vom Film als Traumfabrik funktioniert nicht mehr, wenn nur noch versucht wird, mit billigsten Mitteln mühelos durchschaubare Scheinwelten ohne jede Inspiration zu präsentieren.
Der spektakuläre Saurierkampf ist eine deutliche Anspielung auf Tumak, der Herr des Urwalds (One Million B. C., 1940), wo zwei ganz ähnlich kostümierte Echsen aufeinander losgehen. Nachdem der alte Schwarzweißfilm für unzählige Billigproduktionen der vierziger und fünfziger Jahre ausgeschlachtet worden war, standen nun erstmals entsprechende Aufnahmen in Farbe zur Verfügung. So begann Irwin Allen das Spiel von neuem und führte diese Szenen in vielen seiner späteren Produktionen der Wiederverwertung zu. Sie tauchen zum Beispiel in seinen Fernsehserien Mission Seaview (Voyage to the Bottom of the Sea, 1964-68) und Time Tunnel (The Time Tunnel, 1966-67) auf. Sogar für die Hammer-Produktion Als Dinosaurier die Erde beherrschten (When Dinosaurs Ruled the Earth, 1969) wurde der Saurierkampf noch einmal aus dem Archiv geholt.
Zum Filmstart erschien in der amerikanischen Reihe Four Colour eine Comicfassung von Gil Kane, die allerdings nie in deutscher Ausgabe erhältlich war.
1982 plante der Regisseur Jack Arnold ein Remake mit der Universal, das sich jedoch bald darauf zerschlug. Erst 1992 wurde die zweiteilige Fernsehproduktion Die verlorene Welt & Rückkehr in die verlorene Welt (The Lost World & Return to the Lost World) mit John Rhys-Davies und David Warner realisiert.
| deutsche Titel: | Versunkene Welt Der verlorene Kontinent Urupara, die versunkene Welt |
| Originaltitel: | The Lost World |
| Land und Jahr: | USA 1960 |
| Technik: | Farbe 35mm CinemaScope |
| Regie: | Irwin Allen |
| Drehbuch: | Irwin
Allen Charles Bennett |
| Vorlage: | Arthur Conan Doyle, Die
verlorene Welt (The Lost World, 1912) |
| Kamera: | Winton Hoch |
| Schnitt: | Hugh S. Fowler |
| Effekte: | L. B. Abbott Emil Kosa James B. Gordon Willis O'Brien |
| Musik: | Paul Sawtell Bert Shefter |
| Ausstattung: | Ducan Cramer Joseph Kish Walter M. Scott Walter M. Simonds John Sturtevant |
| Kostüme: | Paul Zastupnevich |
| Makeup: | Ben Nye |
| Produktion: | 20th Century Fox Irwin Allen |
| deutscher Kinostart: | 14.10.1960 |
| Länge: | 98 min. |
| | FSK ab 12 Jahre |
| Professor Challenger: | Claude Rains |
| Lord Roxton: | Michael Rennie |
| Ed Malone: | David Hedison |
| Professor Summerlee: | Richard Haydn |
| Manuel Gomez: | Fernando Lamas |
| Jennifer Holmes: | Jill St. John |
| David Holmes: | Ray Stricklyn |
| Costa: | Jay Novello |
| Eingeborenes Mädchen: | Vitina Marcus |
| Burton White: | Ian Wolfe |
| Stuart Holmes: | John Graham |
| Prof. Waldron: | Colin Campbell |