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Der Traum von einer Premierevon Frank Görtz |
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| Science Fiction | ||||
![]() [Foto: Ronald Hoppe] |
Angefangen hat die ganze Geschichte ungefähr 15 Wochen vor
dem Filmstart von Star Wars: Episode
I - Die dunkle Bedrohung (USA 1999). Martin, ein Freund aus der Star Wars Fandom Alliance (SWFA), sprach mich an, und wollte wissen, ob wir eine Vorpremiere organisieren könnten. Na ja, da es sowas in Amiland schon gegeben hatte und die Engländer auch in den Vorbereitungen steckten, warum nicht auch hier in Deutschland? Ich machte einen Termin mit den Leuten von Martins Firma aus und wollte mir mal anhören, was die sich so überlegt hatten. Martin stellte mir zwei sehr hübsche junge Damen vor, und erklärte, die beiden seien die PR-Managerin und die Sales-Managerin von Freecom. Die beiden hatten einen so verrückten Plan, das ich gar nicht nein sagen konnte. Sie wollten ein komplettes Kino mieten und eine Charity-Vorpremiere veranstalten. Wir überlegten uns eine Timeline und mit wem wir zuerst sprechen sollten. Ein paar Tage vorher hatte ich gerade den Marketingleiter der UFA-Berlin kennengelernt und so viel die Wahl des Kinos nicht besonders schwer. Die UFA wollte das Kosmos als Premierentheater positionieren und ich wollte nichts für das Kino bezahlen. Wir wurden uns sehr schnell einig und gingen dann zusammen zum Senat von Berlin. Da Berlin eine UNICEF-Partnerstadt war, brauchten wir auch nicht lange zu überlegen wer denn nun die Spenden bekommen sollte. Unser Konzept, das Lisa, Andrea und ich inzwischen ausgearbeitet hatten, überzeugte die Leute im Senat sehr schnell, so daß wir nach nur einer Woche sowohl ein Kino hatten, als auch den Senat und den reg. Bürgermeister als Schirmherren. Jetzt kam der schwerste Brocken. Die Fox Deutschland hatte bis jetzt jede Vorpremiere oder Premiere abgelehnt. Also beschloß ich die Ignoranten einfach zu übergehen. Ich bat Mary Cahill von der UNICEF-Zentrale in New York unser Konzept direkt an Lukas weiterzugeben. Aber die nächsten 10 Tage passierte gar nichts. In der Zwischenzeit war hier in Deutschland einiges passiert. Freecom wollte die ganze Geschichte natürlich aus Promo-Gründen finanzieren. Ihr Interesse war es eine Schulung über Freecom Produkte zu veranstalten und die Kunden dann in den Film einzuladen. Das wäre von seiten UNICEF auch kein Problem gewesen. Aber wir hatten nicht mit den deutschen Gewerkschaften gerechnet. Die verlangten auf einmal, daß alle Mitarbeiter eingeladen werden müßten und nicht nur der Vertrieb, oder das die Mitarbeiter die Zeit als Überstunden bezahlt bekämen. Wir überlegten, welche Möglichkeiten es noch gäbe und mußten dann einsehen, daß das Spiel aus war. Am nächsten morgen würde ich die ganze Geschichte absagen müssen. Um zwei Uhr morgens holte Mary Cahill von UNICEF-Zentrale, mich aus dem Bett und sagte mir, Lynn Hale von LFL habe sie gerade angerufen. George Lukas himself is very much intrestet in this event, but who the hell is AREA49. Also wieder eine Nachtschicht. Über unser Dortmunder Büro ließ ich Alan Dean Foster anrufen. Foster, der einige Star-Wars Bücher geschrieben hatte, ist in Amerika einer der bekanntesten S-F-Autoren und nebenbei offizieller Vertreter der AREA49. Foster rief sofort bei Lukas an und verbürgte sich für die AREA. Jetzt stand ich da. Ich hatte ein Kino, die UNICEF, den Senat und Lukas-Film aber keinen Sponsoren. Aber irgend eine Macht war mit mir. Horus Media fragte an, ob wir eine Premierenfeier organisieren könnten. Bei unserem Gespräch stellte sich heraus, daß die Horus für den Zoopalast ein nettes kleines Event mit ein paar kostümierten Leuten organisieren sollte. Ich erzählte von meinem Freecom Projekt und schlug vor das ganze zu verschmelzen. Inzwischen verblieben nur noch 4 Wochen bis zum Filmstart. Wir hatten also kaum noch Zeit. Aber was solls. Mit einem Team von 6 Leuten führten wir den 24 Stundentag ein. Wir verhandelten mit Sponsoren, Schauspielern, Politikern und den Behörden. Dann kam die Hiobsbotschaft aus LA. Lukas hatte jede Art von Veranstaltung verboten. Ich fand sehr schnell den Grund dafür heraus. In LA lagen drei verschiedene Konzepte vor. Einmal das ursprüngliche der Freecom-Charity. Dann die aktuelle Version und ein Konzept für die Vox-Nacht. Anscheinend waren die in Amerika nicht fähig mehr als die Überschrift zu lesen, denn sie hielten alles für eine Veranstaltung. Also hatten sie die Fox Deutschland wachgeklingelt und ein bißchen Druck gemacht. Aber wir waren einfach zu weit um aufzuhören. Natürlich ist der Geschäftsführer von Fox ein Profi, aber er verhandelt normalerweise nur mit Kinobetreibern, ich aber hetzte ihm meinen besten Mann auf den Hals. Kurz und gut. Nach zwei Telefonaten hatte Beluga erreicht, das wir den Namen »Star-Wars Episode1 Party« benutzen durften. Es würde zwar keine Vorpremiere sein, aber zumindest konnten wir eine Premierenfeier veranstalten und Geld für UNICEF ranschaffen, dachten wir. Die ganze Planung war auf 4000 Besucher und einen gewaltigen Medienrummel ausgelegt. Die Firmen mit denen wir sprachen zeigten sehr unterschiedliche Reaktionen. Aber irgendwie gelang es uns doch das nötige Geld zusammen zu bekommen. Leider war es den Schauspieler von TPM verboten auf Conventions aufzutreten, so daß sich der Part als sehr schwer erwies, aber auch hier fanden wir eine Möglichkeit. Wir hatten sogar, das war meine ganz private Bedingung, Eva Habermann als Moderatorin bekommen. Wir machten eine Anhörung im Senatsbüro, an der alle Behörden beteiligt waren und erhielten die mündlichen Genehmigungen. Schriftlich sollten sie innerhalb von 3 Tagen eintreffen. Aber sie kamen nicht. Eine nette junge Frau von irgend einen Amt hatte vergessen die Weisung zu schreiben und ist in Urlaub gefahren. Jetzt standen wir da. Wir mußten alles nach innen verlegen. Das bedeutete die Medienpräsens würde erheblich geringer sein und das Programm auf zwei Stunden gekürzt. Aber das Programm war für eine Open Air Veranstaltung ausgelegt. Als wir die einzelnen Punkte durchgingen, stellten wir fest, es gab überhaupt nichts, was man in einem Kino durchführen konnte. Also mußten wir in 3 Tagen ein Ersatzprogramm aufstellen. Aber es sollte noch schlimmer kommen. Wir mußten natürlich die Sponsoren informieren, alles andere wäre Betrug gewesen, und die waren anscheinend sehr froh, eine Möglichkeit gefunden zu haben, um ihre Zusage zurückzuziehen. Denn inzwischen war die unglaublich schlechte Vox-Kultnacht gelaufen, und die Presse tat ein übriges mit den Meldungen über die Qualität des Films. Also standen wir zwei Tage vor dem Start da. Wir hatten kein Geld, somit keine Stars und natürlich auch kein Programm aber 1000 Freikarten und eine Menge Fans. Die konnten ja nun als einzige nichts für die Misere und die wollte ich auch am wenigsten enttäuschen. Also informierte ich die verschiedenen Chats und die Leute die sich schon angemeldet hatten. Zu dem Zeitpunkt wäre ich am liebsten in Urlaub gefahren. Aber ein Anruf von Ulli Pallor sorgte dafür, daß ich doch weiter machte. Er sagte nämlich: »Schade, aber wir kommen trotzdem«. Das Programm bekamen wir auch noch auf die Reihe. Die Stuntshow aus Babelsberg sagte zu eine indoor Variante zu machen. Wir hatten eine Kendogruppe. Murat und Sascha wollten das Final Jedi Duell aufführen, eine Iado-Gruppe hatte zugesagt und außerdem wollten wir noch ein kleines Quiz machen, den THQ hatte mir 300 Pod-Racer-Spiele für PC versprochen. Damit sollte man eigentlich 90 Minuten rumbekommen. Dann war es soweit. Der 19. August 1999. Ach wäre ich doch nur im Bett geblieben. Als erstes platzte die Babelsberger Stunt-Show, denn offenes Feuer und die Effekte der Show wurden nicht für die Bühne freigegeben. Dann kam die Lieferung von THQ nicht an. Anscheinend konnte UPS Berlin nicht finden. Egal ich hatte immer noch drei Programmpunkte und hatte mich inzwischen auch damit abgefunden, das ich selbst auf die Bühne muß. Einlaß. Die Plätze füllten sich nur sehr langsam und irgendwie kam mir das Kino ziemlich leer vor. Wegen unserer Aktion mit dem 1000 Freikarten, hatten die beiden anderen großen Veranstalter nachziehen müssen und es gab in Berlin insgesamt 5000 Freikarten für die Mitternachtspremiere.
Was sollst. Ich stand auf der Bühne und der Leiter des Kinos kam auf mich zu. Dann können wir ja langsam anfangen. Wo ist mein Mikro. Tja, das nächste Problem. Da der Ton auf das neue Verfahren umgestellt wurde, funktionieren die Mikros nicht. Auch egal. Als Intro sollten Sascha und Murat auftreten. Aber es kam nur Murat. Die beiden hatten noch ein wenig geprobt, und bei der Gelegenheit ihre Lichtschwerter kaputt geschlagen. Also nur noch zwei Programmpunkte. Der Notausgang durch den ich mich verkriechen wollte war leider abgeschlossen, wenn das die Feuerwehr erfährt. Die Kendovorführung war ja noch ganz interessant aber meine Hoffnung lag jetzt bei den Iado-Leuten. immerhin hatten die echte Schwerter. Ich hätte mich vorher genauer informieren sollen was Iado ist. Die wollten einfach nicht aufeinander losgehen. Und jetzt begann die Hölle. 1 Stunde Zeit und keine Ahnung was ich machen soll. Ich weiß auch nicht mehr was ich gemacht habe. Aber irgendwie ging die Zeit rum und der Film fing an. Die Landung der Invasionsflotte hab ich noch mitbekommen. Aber dann bin ich eingeschlafen. Am nächsten Tag fand dann die SWFA Premierenfeier im LeProm statt. Aber das ist eine andere Geschichte. Eins hab ich gelernt. In 3 Monaten läßt sich die Sache zwar durchaus organisieren, aber man ist von zu vielen Faktoren abhängig. Ich möchte mich noch mal bei all den Helfern bedanken, und bei den Fans, die uns trotz aller Pannen die Stange gehalten haben. Die Zusammenarbeit mit Horus-Media hat so gut funktioniert, das ich mit dem Berliner AREA Büro gleich bei denen eingezogen bin. Und ratet mal an welcher Premiere wir jetzt schon angefangen haben zu arbeiten. Und sie wird doch stattfinden! [Frank Görtz ist Leiter des AREA49-Event-Büros]
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