Die Breitspureisenbahn

Lexikon
Adolf Hitlers Plan, die großen Kopfbahnhöfe in Berlin durch zwei große Zentralbahnhöfe, dem Nord- und dem Südbahnhof; zu ersetzen, wurde im Sommer 1936 zu einem zentralen Thema seiner Verkehrspolitik. Der Generalbauinspektor Architekt Prof. Dipl.-Ing. Albert Speer sollte gleichzeitig eine 120 m breite und 5 km lange Repräsentationsstraße zwischen diesen beiden Bahnhöfen planen. Monumentale Größe spielte für Hitler eine wichtige Rolle, weshalb auch seine Idee, die Städte Berlin, München, Hamburg und Linz zusätzlich zur Regelspur mit einer Großeisenbahn zu verbinden, größten Vorrang hatte. An der Entwicklung dieser Breitspureisenbahn hatte Dr.-Ing. Günter Wiens großen Anteil, wobei die Kosten dieses Projektes keine Rolle spielen sollten.

Parallel zur Regelspur von 1435 mm sollte eine neue Bahn mit einer Spurbreite von 3000 mm, sowie einer maximalen Achslast von 30 t entwickelt werden. Die Höchstgeschwindigkeit bei Personenzügen sollte zwischen 200 bis 250 km/h und bei Güterzügen bei 100 km/h liegen. Hauptstrecken in Nord-Süd-, sowie in Ost-West-Richtung sollten das Deutsche Reich miteinander verbinden.


Speisewagen

 

Anzeige

Trotz des Kriegsbeginns, der starken Bedenken der Reichsbahn und dem kalten Winter des Jahres 1941/42 wurden diese persönlichen Pläne Adolf Hitlers stark vorangetrieben. Die Reichsbahn wurde trotz Bedenken von Speer damit beauftragt, Konzepte für die Strecken sowie für die Triebwagen auszuarbeiten. Das Reichsbahn-Zentralamt in München und Privatfirmen wie BBC, Henschel, Krupp, Borsig und Schwartzkopf erarbeiteten Pläne und Modelle für dieses Projekt. Eine Art Projektleitung fiel dem Ministerialrat Wiens zu, der auch die Entwurfsbände A-F für Breitspureisenbahnen zusammenstellte. Die sogenannte »Denkschrift«, ein Grundlagenbuch für die Breitspureisenbahn, in der die Eckpunkte zur Entwicklung der Bahn beschrieben wurden, entstand im November 1942 durch Wiens und seinen Mitarbeiterstab. Bis ins kleinste Detail wurden hier Fakten wie Bremsen, Signalsystem, Lokomotivleistung, Geschwindigkeit, Brems- und Fahrsicherungen, Radsätze oder Klimatisierung der Triebfahrzeuge und Waggons beschrieben. Bevorzugt wurde hierbei die Entwicklung von Elektrospeicher- und reinen Elektro-Lokomotiven mit Stromabnahme über Seitenschleifer um die lichte Höhe der Züge und damit der Oberleitungsmaste gering zu halten.


Empfangsraum eines Schlafwagen

Anzeige

Die immense Größe der Personenwagen mit einer Länge von 41 m und einer Höhe von ca. 6,85 m ließen zwei Etagen zu. Die Inneneinrichtungen dieser Waggons für 250 bis 300 Personen wurden mit Wendeltreppen und mehrreihigen Sitzgruppen luxuriös und pompös ausgestaltet. Schlaf- und Abteilwagen sollten teilweise mit Edelholz ausgestattet werden.

Güterwagen wurden so geplant, daß mit Hilfe von Großraumbehältern ein schnelles Umladen vonstatten gehen konnte. Diese Idee der Container ist später auch durch andere Länder und Wirtschaftszweige verwirklicht worden.

Nachdem Hitler am 30. Januar 1937 verkündet hatte, Berlin zu einer wahren Hauptstadt zu machen, erhielt Generalbauinspektor Speer und der Leiter der Betriebs- und Bauleitung Dr.-Ing. Max Leibbrand die Anordnung, die nötigen Bahnanlagen und deren Neubauten bis zum Frühjahr 1950 fertigzustellen.


Frühstücksraum

Die Vielzahl der südlichen Kopfbahnhöfe wie der Anhalter- und der Potsdamer Bahnhof sollten zu dem Südbahnhof zusammengefaßt werden. Der geplante Zentrale Südbahnhof als Skelettbau mit Glasplattenverkleidung sollte eine Länge von 400 m und eine Höhe von 70 m haben. Vier übereinanderliegende Ebenen für die 22 Fernbahn-, 2 U-Bahn- und 3 S-Bahngleise waren geplant, damit war der Bahnhof größer als der New Yorker Grand Central Terminal. Der 330.000 m² große Vorplatz des Südbahnhofs sollte später mit Hitlers Kriegsbeute verziert werden. Bei der durch Hitler 1942 angeordneten Einbeziehung der Breitspurgleise in das Südbahnhofskonzept stand man vor dem Problem, die 12 Fernbahnsteige schmaler zu gestalten sowie eine Schienenüberschneidung zwischen Regelspur- und Breitspurbahn zu vermeiden. Ob hierfür eine Lösung gefunden wurde, kann aufgrund mangelnder Unterlagen nicht mehr nachvollzogen werden.

Anzeige

Im Norden Berlins (dem Wedding) war der Nordbahnhof geplant, für welchen viele Wohnviertel hätten abgerissen werden müssen. Lehrter-, Schlesischer- und Stettiner Bahnhof sollten hier zusammengefaßt werden. Die Planung des Nordbahnhofs sah ein 380 m langes, 275 m breites und 54 m hohes Bauwerk mit 20 Fern-, 10 Regional-, 9 Gepäck-, 2 Straßen-, 6 Stadt- und 4 U-Bahngleisen sowie zwei Zwischenetagen vor.

Schlafwagenabteil...

Wie schon eingangs erwähnt, sollte eine Prachtstraße, an der ein Triumphbogen und eine Versammlungshalle mit Vorplatz für eine Million Menschen lagen, die beiden Bahnhöfe verbinden.

Zwei weitere Bahnhöfe des künftigen Berliner Ringes waren der Ost- und der Westgüterbahnhof, zu welchen es aber durch den Zweiten Weltkrieges keine weiteren Unterlagen gibt. Alle Pläne der Breitspur-Eisenbahn und deren Bauten wurden durch die Kapitulation im Jahr 1945 hinfällig.


Siehe auch:
Albert Speer: Der größte Auftrag
Eisenbahnstadt Berlin
Lieferbare Titel:
von Albert Speer
mit dem Stichwort Eisenbahn in Berlin
mit dem Stichwort Eisenbahn
mit dem Stichwort Berlin
mit dem Stichwort Technikgeschichte

© copyright 1997-2011 by EPILOGmedia • Alle Rechte vorbehalten
eMail: dialog@epilog.de | Impressum | AGB + Widerrufsrecht