ALIEN CONTACT

Friedel Wahren (Hrsg.)

Asimovs Science Fiction 55

Originalausgabe • 2000

Science Fiction > Alien Contact
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Daß in der Science Fiction die Zeiten vorbei sind, in denen das Thema Zukunft mit einem Vorgriff auf das lichte Morgen verbunden wird, ist nichts Neues. Ein weiteres Mal wird dies an den neun Erzählungen der vorliegenden Anthologie deutlich. Darunter befindet sich keine einzige Story, die nicht düstere Visionen des Kommenden zum Inhalt hat. Ob es sich um eine Welt der digitalen Medien handelt, in der die papiernen Dokumente einer fälschungssicheren Vergangenheit seltene Antiquitäten darstellen, ob die Menschheit einzig von einer außerirdischen Besatzungsmacht vor ihrer Selbstauslöschung bewahrt wird, ob in einer anderen Story die Invasion Außerirdischer mit fragwürdig grausamen Mitteln abgewehrt wird, ob eine Welt der Verbote und Reglementierungen aus der Sicht eines sympathischen kleinen Jungen geschildert wird, ob offizielle Stellen archäologische Ausgrabungen, die definitiv beweisen, daß unsere Vorfahren Kannibalen waren, verschwinden lassen oder ob zwischen Alaska und dem Rest der USA ein Kampf um die letzten Ölreserven ausbricht - immer wird deutlich, daß Zukunftsoptimismus out ist.

Zu langatmig geraten ist eine Geschichte von üblen Winden in der Londoner U-Bahn, in denen sich bis heute der Gestank von Explosionen, Feuer und Blut aus der Zeit der deutschen Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg konserviert hat; sie mag immerhin Anhängern der Londoner U-Bahn gefallen, denn diese wird hier geradezu liebevoll geschildert.

Die beiden angehängten Geschichten deutscher Autoren fügen sich zwar in den Gesamttenor ein, bleiben allerdings stilistisch hinter den anderen zurück. Die Selbstbespiegelungen eines desillusionierten SF-Autors oder das zunehmende Befremden eines Studenten gegenüber seiner ländlichen Heimat legen dabei die Vermutung nahe, daß hier autobiographisch geprägte Tagträume verschriftet wurden.

Es sind wahrlich keine Visionen einer lichten Zukunft, die in diesem Buch vorgestellt werden. Die meisten Storys sind kurze Sequenzen eines düsteren Morgen, das vorwiegend durch kulturelle Verwahrlosung, Abstieg und Verfall geprägt ist. Ihre Protagonisten behaupten sich tapfer in einer Welt, der das Lebenswerte zunehmend verloren geht. Die Einfälle sind nicht wirklich neu, aber allemal interessant, außerdem zum größten Teil gekonnt geschrieben und gut übersetzt.

• Peter Samol • ALIEN CONTACT

Friedel Wahren (Hrsg.)
Asimovs Science Fiction 55 (München: Heyne, 2000) [06/6355] Bestellen
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