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| Ein neues deutsches
SF-Magazin - wieder einmal und wieder von der alten Garde der Schriftsteller, die in
den 70er Jahren der Science Fiction
in Westdeutschland zu einem neuen Aufschwung verhalfen und seit dem Ende dieses Booms Ende
der 80er Jahre den Altmeister-Lorbeer von Con zu Con tragen. Es ist zu wünschen, dass NOVA
ein längeres Leben beschieden sein wird als seinerzeit PARSEK. Die erste
Ausgabe jedenfalls gibt Anlass zu großen Hoffnungen, denn es handelt sich um eine
gelungene Anthologie, ergänzt durch populärwissenschaftliche Informationsbrösel von Dr.
Robert Hector (der damit an seine Kolumne in den ANDROMEDA NACHRICHTEN
des Science Fiction Clubs Deutschland anknüpft) und einem Artikel von Holger Eckhardt. NOVA 1 versammelt acht Kurzgeschichten deutscher Autoren und eine frühe Story des Australiers Greg Egan. Die Auswahl stützt sich nicht nur auf etablierte Autoren wie Horst Pukallus oder Florian F. Marzin, sondern baut auch ganz bewusst Talente wie Marc-Ivo Schubert, Marcus Gebelein oder Klaus Fittje auf. Mehr noch als bei den Heyne-Anthologien Wolfgang Jeschkes kann hier das Augenmerk auf die Förderung der Nachwuchsautoren gerichtet werden, da ökonomische Zwänge nicht im gleichen Maße greifen. Und diese Nachwuchsautoren werden immer älter, da die Möglichkeiten einer professionellen Veröffentlichung von SF-Literatur in Deutschland sehr überschaubar sind. Mit Fanzines oder Books on Demand bleibt man bei allem Erfolg im Fandom der Masse der Leser unbekannt und kann erst recht nicht vom Schreiben leben. Daran wird auch NOVA wenig ändern, dessen Zielgruppe letztlich das literarische SF-Fandom ist. Zwei der Geschichten wurden für den Kurd Laßwitz Preis nominiert. Florian Marzin beschreibt in »Was von uns bleibt ...?« ironisch, welche Folgen es haben kann, wenn außerirdische Forscher bei Ausgrabungen auf der öden und wüsten Erde auf eine Sammlung von SF-Romanen treffen und ausgerechnet anhand deren Inhalts die Geschichte der Menschheit rekonstruieren. Arno Behrend greift indessen das gute alte Zeitreise- und Alternativweltenmotiv auf. Ein scheinbar harmloser »Small Talk« auf einer Party erweist sich als der Schlüssel zu einer hanebüchenen Genialer-Wissenschaftler-verursacht-Super-GAU-Geschichte. Wie bei vielen Zeitreise-Geschichten kommt es zu einem Paradoxon: Der Zweite Weltkrieg fand nie statt, aber es scheint trotzdem eine DDR gegeben zu haben. Wie sonst wäre wohl der Satz: »Drüben im Osten hätte man wohl LPG dazu gesagt«, zu erklären? Alle Autoren entwerfen eigenwillige Szenarien einer Zukunft, in der man besser nicht leben möchte, die aber letztlich die logische Fortsetzung bestehender Missstände ist. Marc-Ivo Schubert schildert in »Die Flucht« das Schicksal von Einweg-Astronauten in einer Raumarche, Marcus Gebelein (»Der Wahrheitsmann«) die Informationsgesellschaft als Schöne Neue Welt, Horst Pukallus (»Schatten ohne Lächeln«) das unbefriedigte Liebesleben in den Zeiten des Internets und Holger Eckhardt in »Wie ein Bild von Radziwill« den Einbruch anarchistischer Elemente in ein Utopia mit jeder Menge kleiner Fehler. Helmuth W. Mommers bedient mit seiner Cybersex-Dystopie »Spinne im Netz« ein eher klassisches Thema, und auch Klaus Fittje geht mit »Die Wendungen der Zeit« kein Risiko ein, da Roboter seit Jahrzehnten ein Erfolgsrezept der SF darstellen (Raumschiffe, Roboter und Titten, das verkauft sich in der Unterhaltung genauso gut wie sonst Kinder und Tiere). Greg Egans Kurzgeschichte »Der Andere in meinem Kopf« geht über das übliche Cyberpunk-Klischee hinaus. In solchen Geschichten spielen immerhin noch Menschen mit, die mitunter zu Cyborgs mutieren, aber dabei immer über etwas Menschliches, Irrationales verfügen. Egan implantiert seinen Protagonisten ein Backup-System, das ein genaues Duplikat der Informationen des organischen Gehirns erstellt. Stellen sich die ersten körperlichen Verschleißerscheinungen ein, übernimmt dieses »Juwel« einfach die Steuerung, schaltet das Gehirn ab und ermöglicht so ein ewiges Leben als elektronischer Zombie. Bei manchem Mitmenschen erscheint es, als ob die Science Fiction bereits heute schon Realität ist. Und am Ende ergeht es Greg Egan vielleicht wie Stanislaw Lem, der für seine verwirklichten Fiktionen keine Verantwortung übernehmen möchte. Die Herausgeber haben dem Magazin ein sehr engagiertes Editorial vorangestellt, in dem sie an das Gute im SF-Leser appellieren. Ergänzt wird ihre Analyse durch Holger Eckhardts Artikel »Science-Fiction-Schriftstellerei: Eine Form von Dilletanten-Emanzipation?«, in dem er nachweist, dass Fan-Geschichten (und die dürften über 90% der SF-Produktion ausmachen) eine Form der geistigen Selbstbefriedigung darstellen, bei welcher der Prozess des Schreibens wichtiger ist als die Qualität des literarischen Produkts. Diese Form der Aktionskunst ist wohl schon jedem mit Grausen in Fanzines begegnet (und nicht nur dort). Zum Glück lassen sich solche Elaborate problemlos recyceln und verschandeln nicht als windschiefe Gebilde die Landschaft. NOVA will mehr, will »anspruchsvolle, gut geschriebene, unterhaltsame SF-Storys veröffentlichen und so eine breite Leserschaft gewinnen«. Dafür kann man den Herausgebern nur viel Glück wünschen. Sie haben es nötig, denn der Weg, der vor ihnen liegt, ist steinig und zu beiden Seiten von Abgründen gesäumt, in denen die Konzepte gescheiterter Magazin-Träume bleichen. Siegfried Breuer ALIEN CONTACT
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