![]() |
| Science Fiction >
Alien Contact Buch-Tips |
|
| Anfang der sechziger Jahre war Sekundärliteratur zur Phantastik in
Deutschland rar bis nicht vorhanden. Mit dem Slogan »Kampf der verderblichen
Schundliteratur« brachte Franz Rottensteiner 1963 seine unillustrierte
Literaturzeitschrift QUARBER MERKUR
mit hektografierten Abzügen in einer Auflage von immerhin 80 Exemplaren heraus. Damals
war sicher noch nicht abzusehen, daß der QM die nächsten Jahrzehnte überdauern und bis
heute in unregelmäßigen Abständen erscheinen würde. Rottensteiner erwies und erweist
der phantastischen Literatur einen großen Dienst: Er veröffentlichte nicht nur
Sachartikel und Essays, sondern auch viele wissenschaftliche Untersuchungen und
Doktorarbeiten, die sonst wohl kein Science-Fiction-Interessierter
zu Gesicht bekommen hätte. Die interessanten Themen dieser Texte trösten meist über den
gelegentlich akademisch-trockenen Stil hinweg. Die jetzt auf zwei CD-Roms im PDF-Format vorliegenden ersten zwanzig Ausgaben lesen sich noch heute sehr frisch. Und so findet man auf den über 1100 Seiten ausführlichste Artikel über die russische SF, ein Sonderheft über L. Sprague de Camp, die Geschichte des Magazins NEW WORLDS verfaßt von dessen Herausgeber John Carnell, einen Artikel über A. E. van Vogt von Damon Knight, Texte zur New Wave von Franz Rottensteiner, Michael Moorcock und J. G. Ballard, Betrachungen über Jack Vance, H. Rider Haggard, Philip K. Dick, Robert Heinlein, J. L. Borges, einige Interviews, u.a. mit Stanislaw Lem und A. E. van Vogt sowie Dutzende weiterer Artikel. Nicht zu vergessen: In jeder der zwanzig Ausgaben sind in der Rubrik »Seziertisch« zahlreiche Rezensionen zu populären, aber auch zu eher unbekannten Büchern zu finden. Einziger Kritikpunkt an den beiden CD-Roms ist das Fehlen eines Gesamtinhaltsverzeichnisses. Immerhin kann man sich auf der Homepage des EDFC eine Übersicht über alle enthaltenen Artikel verschaffen. Eine Volltextsuche ist auf den CD-Roms nicht möglich, denn die Dateien enthalten Faksimiles der Originalseiten, die Franz Schröpf in akribischer Kleinarbeit von den Originalausgaben gescannt hat. Man kann die Seiten auch ausdrucken und erhält somit quasi eine Originalausgabe im echten rottensteinerschen Schreibmaschinen-Layout. Insgesamt erhält man nicht nur über 100 hochkompetente Artikel, sondern auch ein Gefühl für die Rezeption der Phantastik und Science Fiction in den sechziger Jahren. Und das ist den vergleichsweise geringen Preis allemal wert. |
![]() |