| Der gebürtige Dresdner Heinz Knobloch kam 1935 mit seinen Eltern nach Berlin
und war seither bekennender Wahlberliner. Nach einer Ausbildung zum Verlagskaufmann wurde
er 1943 zum Militär eingezogen und desertierte während der Kämpfe in der Normandie.
1948 kehrte er aus US-amerikanischer Kriegsgefangenschaft zurück, arbeitete zunächst
beim Vorläufer der DDR-Agentur Zentralbild (Illus Bilderdienst) und als Redakteur bei der
BERLINER ZEITUNG. 1953 gehörte er zu den
Gründungsredakteuren der Zeitschrift WOCHENPOST, deren Feuilleton er bis
1991 betreute. Insbesondere die Sparte »Mit beiden Augen« dürfte vielen Lesern der
Wochenpost noch in guter Erinnerung sein, denn sie erschien fast zwanzig Jahre lang und
war eine unerschöpfliche Quelle journalistischer und literarischer Kleinodien. Eine
Auswahl dieser mehr als eintausend Feuilletons erschien in Sammelbänden wie Stadtmitte
umsteigen oder Mißtraut den Grünanlagen. Auch als Autor einfühlsamer
Biographien machte sich Knobloch einen Namen, so über den Philosophen Moses Mendelssohn (Herr
Moses in Berlin, 1979), über Mathilde Jacob, die Sekretärin Rosa Luxemburgs (Meine
liebste Mathilde, 1985) und den Reviervorsteher Wilhelm Krützfeld, der 1938 die
Zerstörung der Neuen Synagoge in der Oranienburger Straße verhinderte (Der beherzte
Reviervorsteher, 1990). Insgesamt umfasst das Gesamtwerk Heinz Knoblochs fünfzig
Bücher, sein letztes war Das Lächeln der Wochenpost, ein autobiographisches
Werk mit Erinnerungen an seine Arbeit bei der Zeitung, gewürzt mit Anekdoten aus dem
manchmal unfreiwillig komischen DDR-Alltag. Den geplanten zweiten Band über seine
Kriegsgefangenschaft in den USA und Schottland konnte er nicht mehr verwirklichen. 1990
war Knobloch für ein halbes Jahr Präsident des PEN-Zentrums der Wende-DDR und erhielt
1995 den Moses-Mendelssohn-Preis für Toleranz. In einem Interview aus dem Jahre 2001
resümierte er: »Jetzt kann man viel dreister sein, fast alles wird gedruckt. Das macht
aber nicht mehr den Spaß wie früher«. Heinz Knobloch einen Gast in der Science
Fiction zu nennen wäre vielleicht zu viel, allenfalls hat er mit der Erzählung »Der
Schlemcke-Faktor« (WOCHENPOST 43/1965, leicht verändert in der Anthologie
Windvogelviereck, 1987) ein kurzes Picknick am Wegesrand veranstaltet. Dennoch
leistete er damit einen kleinen, stilistisch geschliffenen Beitrag zum Genre, der
keinesfalls in Vergessenheit geraten sollte.
Heinz Knobloch erlag am 24. Juli 2003 im Berliner Stadtteil Pankow, wo er seit 1957 mit
seiner Frau Helga lebte, einem Krebsleiden.
Siegfried Breuer ALIEN CONTACT
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